Betrachtungen zu den sekundren Oesophagustumoren

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    17-Aug-2016

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  • (Aus dem I~6ntgeninstitut der Universitat Ziirich. - - Leiter: Prof. Dr. H. R. Schinz.)

    Betrachtungen zu den sekuad~ren 0esophagustumoren +. Von

    P.D. Dr. Adolf Znppinger.

    (Eingegangen am 21. Mai 1938.)

    Seitdem es durch die protrahiert-fraktionierte Bestrahlung gelingt, in einem erheblichen Prozentsatz Tumoren des Pharynx und Larynx zur lokalen Heilung zu bringen, haben wir die Beobachtung gemacht, dab eine ganze Reihe yon symptomfreien F~llen nach kfirzerer oder l~ngerer Zeit an einem zweiten Tumor im Oesophagus erkranken. Dieses Ergebnis ist um so mehr zu bedauern, als es recht mfihsam ist, den Prim~rtumor zur Abheilung zu bringen und weil der zweite Tumor kaum therapeutisch beein]lufibar ist. Dieses recht h~ufige Zusammentreffen zweier Tumoren hat uns veranlal~t, dieses Material genauer zu unter- suchen, um festzustellen, ob eine Beziehung zwischen beiden Tumoren besteht und welcher Art diese Beziehung ist.

    In der Literatur linden wir nur sehr wenige Angaben fiber das Auf- treten yon sekund~,ren Tumoren im Oesophagus. Wir haben das eigene Tumormaterial der Jahre 1919--1935 durehuntersucht. Es handelt sich im ganzen um 2500 Fiille. Wir machten die Beobacbtung, da6 dieser sekundiire Tumor ausschliefilich bei Pharynx- und Larynxtumoren auftritt. Ferner beobachten wir nicht allzu selten im Oesophagus gleichzeitig 2 Tumoren. Zur genaueren Bearbeitung eignet sich nur das Material der Jahre 1929--1935, indem erst mit dem Bekanntwerden der wirksamen Therapie auch die Nachkontrolle der Patienten auf eine exakte Basis gestellt wurde. Es wurden im ganzen 382 Fs von Meso- und Hypopharynxtumoren behandelt. Der Vollst~ndigkeit halber sind aber noeh die Tumoren des Epipharynx, des inneren Larynx und der MundhShle der gleichen Zeitperiode angeffihrt (Tab. 1). Bei den Epi- pharynxtumoren wurde kein einziger Fall mit einer Oesophagusmetastase beobachtet, bei den inneren Larynxcarcinomen ein einziger Fall, bei dem aber nach lokaler Abheilung des inneren Larynxtumors ein Meso- pharynxtumor etwas differenter Histologie behandelt wurde und erst als dritter Tumor ist eine maligne Neubildung ira Oesophagus festge- stellt worden. Auch bei den 82 Mundh6hlentumoren finder sich kein reiner Fall eines sekund~ren Oesophagustumors, indem bei der ein- zigen Beobachtung, bei welcher ein derartiger Tumor aufgetreten ist,

    * Vortrag anl~B1. Tagung der Schweiz. R6ntgengesellschaft in Bern 8. Mai 1938. Eine ausfiihrliche Mittcilung des Materiales erfolgt als Dissertation E. Proslce.

  • 414 A. Zuppinger :

    Tabelle 1. H~uf igke i t der sekund~ren Oesophagustumoren in Abhs ke i t yon der Loka l i sa t ion des ersten Tumors .

    Tumorlokal isation Zahl der Fi~lle Oesophagus- metastasen

    Epipharynx . . . . . . . . Mesopharynx . . . . . . . . Hypopharynx . . . . . . . Innerer Larynx. . . . . . . MundhShle . . . . . . . . .

    26 190 192 33 82

    9 10 1" 1"*

    * Erkrankt nachher an Mesopharynxtumor und anschlieBend an Oesophagus- metastase.

    ** Erkrankt nachher an Sinus piriformis-Tumor und anschlieBend an Oeso- phagusmetastase.

    der Pat ient nach erfolgreieher ]~ehandlung eines pr im~ren Mundboden- tumors an einem Recessus-pir i formis-Tumor erkrankte, der zum Exitus fi ihrte, wobei bei der Autopsie ferner ein dr i t ter miinzenart iger Tumor im Oesophagus gefunden wurde. Es ergibt sich bei Meso- und t typopharynxtumoren, bezogen auf das Gesamtmater ia l , eine Hdiu/ig- Iceit der sekundiiren Oesophagustumoren von 5,3 %. Viele Pat ienten ster- ben aber sehon verh~itnism~I~ig friih, und wir khnnen niemals aussehlie- ~en, ob bei diesen Fgllen, wenn es gelungen w~re, den Pr im~rtumor zu heilen, nieht doch noeh ein sekund~rer Oesophagustumor aufgetreten w~re. Nehmen wir eine durehsehnitt l iche Heilungsziffer yon 20% an und beri ieksichtigen wir, dai] bei den ad exitum gekommenen F/~llen nur ein Teil noch das Auftreten eines Oesophagustumors erleben konnte, so kommen wir zum Schlu[t, dab die effektive Zahl yon sekund~ren Oesophagustumoren ungef/~hr 3real grh$er wird, d. h. es wfirde bei den lokalgeheilten F~llen jeder 6. bis 7. Pat ient an einem sekund~iren Oeso- phagustumor erkranken.

    Wenn wir allein jene F~lle der Betrachtung unterziehen, bei denen es gelungen ist, den Pr ims und die region/iren Metastasen zur Heitung zu bringen, so /inden wir 16 sekund(ire Oesophagustumoren au/ 141 lokal symptom/reie Patienten, d.h . ein Verh~iltnis von rund I : 9. Wenn wir noch bedenken, dab yon diesen Pat ienten im ganzen 32 an Fernmetastasen, ohne sekunds Oesophagustumoren gestorben sind bei einer mitt leren Uberlebensdauer yon 20,2 Monaten, so ist das effektive Verh~ltnis auf 1:7 bis 1:8 zu veransehlagen. Es fiihren dem- naeh beide Berechnungsarten zur grh[tenordnungsm~i$ig gleichen Zahl:

    Schon allein diese ersehreckend groBe H~ufigkeit der sekund~ren Oesophagustumoren l~Bt annehmen, dab zwisehen dem Pr im~rtumor und dem sekunds Oesophagustumor eine enge Beziehung bestehen muB. Berechnen wir n/~mlich, wie groB die Wahrscheinl iehkeit ist, un- abh~ngig vom ersten Tumor einen zweiten Tumor im Oesophagus zu

  • Betrachtungen zu den sekund~ren Oesophagustumoren. 415

    bekommen, so erhalten wir eine viel niedrigere H~ufigkeitsquote (Tab. 2). Es ist ns die Wahrscheinl ichkeit , i iberhaupt an einem Carcinom und nicht aus anderer Ursache zu sterben, in der Schweiz 1 : 8 der Todesf~lle. Bekommt man schon ein Carcinom, so ist die Wahr- scheinl ichkeit eines Oesophaguscarcinoms nach den Angaben des eid- gen6ssischen statist ischen Amtes 17:100 Carcinomtodesf/i l le. Unsere Pat ienten, die einen sekundi~ren Oesophagustumor bekommen haben, hat ten ein durchschnitt l iches Alter yon 60 Jahren. Es ist also schon die Hs der Zeit, in der man i iberhaupt ein Carcinom bekommen kann, verstrichen. Wir miissen also unsere Wahrscheinl ichkeit noch ein Carcinom zu bekommen mit 1/2 mult ipl iz ieren; da aber die Beoba~htungs- zeit im Durchschnitt nur 2 Jahre betr~gt und die Lebenserwartung bei

    Tabelle 2. H~uf igke i tsbereehnung.

    Wahrscheinlichkeit, an Carcinom iiberhaupt zu sterben Wahrscheinliehkeit des Carcinomkranken, speziell an

    Oesophaguscarcinom zu sterben . . . . . . . Mittleres Alter ist 60 Jahre, also . . . . . . . . Lebenserwartung bei 60j~hrigen . . . . . . . . . Beobachtungszeit 2 Jahre . . . . . . . . . . . . Wahrscheinlichkeit, unabhi~ngig vom ersten Tumor

    einen zweiten Tumor im Oesophagus zu bekommen Beobachtung bei lokal symptomfreien F~llen: 16 se-

    kundi~re Oesophagustumoren bei 141 lokal symptomfreien Fi~llen yon Meso- und Itypo- pharynxtumoren . . . . . . . . . . . . . .

    1:8

    17:100 1:2

    13,9 Jahre 1:6

    l 17 1 1 - - - o . = ~

    8 100 2 6

    1 9

    1 etwa

    600

    einem 60j~hrigen Mann 13,9 Jahre betr~gt, ist der Gesamtwert noch- reals mit 1/6 bis 1/7 zu multipl izieren. Es ergibt sich daraus die Wahr- scheinlichkeit, unabh/ingig vom ersten Tumor einen zweiten Tumor im Oesophagus zu bekommen yon 1:600, wobei zu bemerken ist, dab diese Zahl noch sehr niedrig berechnet ist. Tats~chlich aber haben w i r ein Verhi~ltnis yon mindestens 1:9 festgestellt.

    Es ist demnach zu untersuchen, welcher Art diese Beziehungen sind. Bei der genauen Betrachtung der Tumorlokalisationen im Meso- pharynx und Hypopharynx fi~llt auf, dab die Oesophagustumoren um so seltener auftreten, je h6her oben der Pr im/ i r tumor im Mesopharynx gesessen hat. Beim Hypopharynx f inden wir eine besonders groBe Hi~ufigkeit bei den Postkr ikoidtumoren, indem 4 yon im ganzen 21 F~I- len an Oesophagusmetastasen erkrankten. Man k6nnte im al lgemeinen die Regel aufstellen, dab diejenigen Tumoren, die im Bereiche der direk- ten Speisepassage sitzen, am hs zu sekund~ren Oesophagus- tumoren fiihren. Eine Alters- oder Geschlechtsdisposition besteht nicht. Die histologische Untersuchung hat uns gezeigt, dal~ die Sarkome in keinem einzigen Fal l zu sekund~ren Oesophagustumoren geftihrt haben,

  • 416 A. Zuppinger :

    trotzdem wir sehr viele Sarkome des Epipharynx und der Tonsille fiber viele Jahre beobachtet haben. Die histologische Untersuchung von Primiirtumor und Oesophagustumor liegt in 10 von 21 F/~llen vor. 9mal stimmt die histologische Struktur zwischea dem 1. und 2. Tumor fiberein. Nur in einem einzigen Fall haben wir im Prim/~rtumor ein verhornendes Plattenzellcarcinom festgestellt und im zweiten Tumor ein anepidermoides Carcinom. Diese Feststellung zeigt, dal~ der Oeso- phagustumor in der gro/3en Mehrzahl der Fiille eine Metastase des Pha- rynxtumors sein muff. Man k6nnte sich noch vorstellen, dab eine all- gemeine Krebsdis~9osition im Gebiet des t~harynx und des Oesophagus vorliegen wiirde, auf deren Boden die verschiedenen Tumoren entstehen. Wir kennen eine sichere Pr/~cancerose dieser Schleimh/~ute, die Leuko- plakien. Wir haben aber niemals bei den autoptisch und fast ausnahms- los auch oesophagoskopisch siehergestellten F/~llen im Oesophagus eine Leukoplakie feststellen k6nnen. Die Leukoplakien des Oesophagus sind in unserer Gegend selten. Unter 51 autoptisch untersuchteu prim/~ren Oesophagustumoren haben wir nur 2mal Leukoplakien im Oesophagus feststellen k6nnen.

    Die Untersuehung in bezug auf die zeitliche Abhiingigkeit des Au/-" tretens dieser beiden Tumoren ergibt folgendes Resultat: In 3 F/~llen wurde der Tumor im Pharynx und im Oesophagus gleichzeitig gefunden. In 17 F/~llen wurde zuerst de r Pharynxtumor und erst nach einem mehr oder weniger langen Intervall der zweite Tumor im Oesophagus fest- gestellt. In einem einzigen Fa]l wurde zuerst der Oesophagustumor entdeckt und anschlieBend naeh etwa 3 Monaten tin kleiner Tumor an versteekter Stelle im Pharynx festgestellt. Auch in diesem letzteren Fall handelt es sich wahrscheinlich beim Oesophagustumor um eine Metastase des Pharynxtumor.

    Wir k6nnen damit mit Sicherheit sagen, dal~ der se/cundiire Oeso- 19hagustumor wenn nicht immer, so doch fast ausschlie[3lich eine Metastase des primiiren Pharynxtumors ist, indem es bei einer Ca-Disposition die- ser Gewebe unverst/~ndlieh ware, weshalb immer zuerst der Pharynx- tumor und erst nachher der Oesophagustumor auftreten wfirde.

    Es stellt sich nun die Frage, ob die Metastase im Oesophagus lym29ho- gener odor hiimatogener Natur sei oder ob es sich urn eine Imp/metastase handelt. Wenn es sich um eine lymphogene Metastase handeln sollte, so kann die Ausbreitung in dem Lymphgef/~netz der Oesophagus- schleimhaut selbst erfolgen oder in den den Oesophagus begleitenden Lymphbahnen. Wir mfissen jedenfalls annehmen, da6 bei lymphogener Ausbreitung die HiiUfigkeit der Metastasen in der Niihe des Primiirtumor8 grS[3er ist als in den tie/eren oesophagusabsehnitten. Einen Aufschlul] hierfiber vermag die Untersuchung fiber die Lokalisation der Oesophagus- metastasen zu erteilen (Tab. 3). Es wurde der Oesophagus, wie dies

  • Betrachtungen zu den sekund~ren Oesophagustumoren. 417

    allgemein fiblich ist, in die drei Dr i t te l eingeteilt. 4 Tumoren l inden sich im oberen, 4 im mitt leren und 9 im unteren Drittel . 3 nehmen das mitt lere und untere Dr i t te l ein, 1 Fal l weist 2 Metastasen auf, n/imlich eine im unteren und eine im mitt leren Drittel . Wir ersehen aus dieser Tabelle, daft die h/iufigsten Metastasen im unteren Oesophagus- abschnit t vorkommen, was der Annahme der lymphogenen Ausbrei tung widerspricht.

    Tabelle 3. Loka l i sa t ion der Oesophagusmetastasen .

    Oberes Drittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Mittleres Drittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Unteres Drittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Mittleres und unteres ])rittel . . . . . . . . . . . . . . 3 2 Oesophagusmetastasen im unteren und mittleren Drittel 1

    Wenn es sich um eine lymphogene Metastase handeln wiirde, miiftte man ferner erwarten, daft mit gleichzeitiger regioniirer lymphogener Ausbreitung die Zahl der Oesophagusmetastasen zunehmen wiirde.

    Die Untersuchung auf dieses Kr i ter ium wurde bei jenen F/i l len durchgefi ihrt, bei denen es gelungen ist, durch die Bestrahlung lokale Symptomfre ihe i t zu erzielen.

    50 F/il le hat ten keine region~re Metastasen bei Behandlungsbeginn, 9 yon diesen F/il len erkrankten sp/iter an Oesophagusmetastasen (Tab: 4), 91 hat ten zu Beginn region/ire Metastasen, aber nur 7 von diesen bekamen sp/iter Oesophagusmetastasen. Das paradoxe Er- gebnis ist dadurch zu erkl/iren, daft die Pat ienten, die anf/inglich regio- nitre Metastasen gezeigt haben, etwas weniger lang beobachtet sind als die F~l!e ohne Metastasen. Zwischen dem Auftreten der prim/iren regio- n/iren lymph0genen Aussaat und dem sp/iteren Auftreten yon h/imato-

    Tabelle 4. Bez iehung zwischen reg ion~ren Metastasen und Oesophagus- metastasen .

    Zahl der F~lle . . . . . . . . . . . Oesophagusmetastasen . . . . . . . . ]~ernmetastasen . . . . . . . . . . .

    Unilaterale Doppelseitige Keine region~re regioni~re

    ~Ietastasen Metastasen Metastasen

    50 79 9 7 5 18

    12

    7

    genen Metastasen besteht wohl eine gewisse Paral lel i ts Es besteht aber keine Beziehung zwischen der pr im~ren lymphogenen Aussaat und dem sp~teren Manifestwerden der Oesophagusmetastasen. Be- merkenswert ist ferner, dal~ bei 12 Fal len mit anfiinglich doppelseit igen region~iren Metastasen sps in keinem einzigen Fal l eine Oesophagus- metastase aufgetreten ist, wohl aber h/iufig hi~matogene Metastasen.

  • 418 A. Zuppinger :

    Auch das makroskopische Aussehen des Tumors kann ffir die Ent- scheidung dieser Frage herangezogen werden. Wenn es sich um lympho- gene Metastasen handeln wilrde, mill]ten wir h/~ufig submuk6se Knoten oder In/iltrate feststellen kSnnen. Der Tumor ist in der Regel blumen- kohlartig in das Lmnen hineingewuchert. Nur in 2 F~llen haben wir auf HilushShe submukSse Infiltrate feststellen kSnnen und ich glaube, wir gehen nicht fehl, wenn wir in diesen F/~llen eine lymphogene Aus- saat annehmen.

    Wir kommen also zum SchluB, dab die Oesophagusmetastase nur ausnahmsweise lymphogen entsteht.

    Auch die Frage, ob die Aussaat Mimatogen erfolgt ist oder nicht, kann abgekl~rt werden. Wilrde die Oesophagusmetastase Ausdruck der allgemeinen Metastasierung sein, so mfiBte bei der geringen Aus- dehnung des Organes die Oesophagusmetastase gegenfiber den anderen hdmatogenen Metastasen stark zurficktreten. Wir finden, dab die fibrigen hiimatogenen Metastasen nur etwa doppelt so hiiufig auftreten wie die Oesophagusmetastasen. Es wi~re auBerordentlich merkwilrdig und widersinnig, wenn man trotzdem annehmen wilrde, dab gerade bei den Mesopharynx- und Hypopharynxtumoren die hi~matogene Metasta- sierung eine spezielle Vorliebe filr den Oesophagus aufweisen wilrde. Als weitere Stiltze filr die Annahme, dab es sich nicht um h~matogene Metastasen handelt, seien die autoptischen Be/unde erw~hnt, l0 F~lle mit Oesophagusmetastasen gelangten zur Autopsie (Prof. Dr. yon Meyenburg und seine Schiller), 7mal konnten bei bestehender Oeso- phagusmetastase keine hs Metastasen nachgewiesen werden. 3 F/~lle wiesen h/imatogene Metastasen im Gebiet der Knoehen, Lungen und Lebcr auf. Es sei der Vollst~ndigkeit halber noch erw~thnt, dab diese ]?~lle durchschnittlich 15,2 Monate nach Behandlungsbeginn des Primi~rtumors zur Autopsie gelangten. Es h/~tte also eine genilgend lange Zeit vorgelegen, damit auch evtl. andere gleiehzeitig gestreute Tumorkeime makroskopisch manifest geworden ws Da auch zwi- schen dem Auftreten der h~matogenen Metastasen und den Oesophagus- metastasen keine Beziehung besteht, kann die M6gliehkeit der h~mato- genen Entstehung der Oesophagusmetastase abgelehnt werden.

    Es bleibt demnach nur die M6glichkeit der Imp/metastase. Hierfilr sprechen die bereits er6rterten Grilnde, dal~ der sekund~re Oesophagus- tumor meistens ulceriert ist und hi~ufig exophytisch w/ichst, ferner die Vorliebe filr den mittleren und unteren Abschnitt des Oesophagus, in- dem die Speise bei den Engen des Oesophagus li~nger stagniert. Filr das Zustandekommen einer Impfmetastase hat Guisez schon das Postu- lat aufgestellt, dab eine Oesophagitis vorliegen milsse. Unbedingt notwendig wird sic nicht sein milssen. Einen auffglligen Befund im Oesophagus, der im Sinne einer Oesophagitis gedeutet werden k6nnte,

  • Betrachtungen zu den sekund~ren Oesophagustumoren. 419

    haben wir weder autoptisch noch oesophagoskopisch nachweisen kSn- nen. Die Patienten mit Pharynxtumoren sind h~tufig chronische Alko- holiker, treiben zudem Nicotinabusus in jeglicher Form. Eine chroni- ache Pharyngitis kann man in der Mehrzahl der F~lle feststellen undes ist demnach zu erwarten, da6 auch eine gewisse L~sion der Oesophagus- schleimhaut erfolgt. Wenn man annimmt, dab es sich tatsiichlich um Imp/metastasen handelt, dann sollte man erwarten, dal~ mit zunehmen- der Gr6/3e des Prim~irtumors auch die Hi~ufigkeit der Oesophagusmetasta- sen zunehmen wiirde. Bei unseren Patienten haben wir aus anderen Griinden immer bei Behandlungsbeginn eine Tumorformel aufgestellt und bezeichnen mit rSmischen Zahlen die Tumorgr56e (Tab. 5). Die

    Tabelle5. Beziehung zwischen Tumorstadium und Oesophagus- und h~matogenen Fernmetastasen.

    Tumorstadium . . . . . . . Gesamtzahl . . . . . . . . Oesophagusmetastasen . . . . H~matogene Fernmetastasen.

    Stadien Doppelseitige Oesophagus- Metastasen metastasen

    25 3 4 1 10

    IV 50 7

    12

    12

    7

    2 1 1

    Untersuchung der Haufigkeit der Oesophagusmetastasen in Abh~ngig- keit vonder Gr56e des Prim~rtumors im Pharynx ist in der Tabelle 5 zusammengestellt. Wir sehen daraus, da~ keine Abh~ngigkeit yon der TumorgrS~e besteht. Es ist diese Feststellung aber kein Argument, das gegen die Genese einer Implantationsmetastase spricht. Die Tumoren im Bereiche des Pharynx sind fast immer ulceriert und machen die Hauptbeschwerden, die den indolenten Patienten zum Arzt fiihren, hauptsgchlich durch die begleitende Infektion. Gerade die kleinen Tumoren, die wir beobachten, wachsen exophytisch und wer- den sehr frtih lgdiert und bieten dadurch die MSglichkeit, da6 Tumor- partikel verschluckt werden kSnnen. Wenn die Patienten mit ausge- dehnten Tumoren kommen, besteht in der Regel ein mehr infiltrativer Tumor, der spat zur Behandlung kommt, weil er spgter Beschwerden hervorruft. Wir kommen demnach zum SchluB, da6 die Unabh~ngig- keit yon der GrS~e des Prim~trtumors nicht im Widerspruch steht zur Annahme einer Implantationsmetastase. Die Tatsache ist aber trotzdem auff~llig und darf nicht ohne weiteres iibergangen werden. Wir miissen uns /ragen, ob nicht eventuell sin Meehanismus vorliegt, bei dem unab: hiingig son der TumorgrS/3e Tumorpartilcel in den Oesophagus gelangen /cSnnen. Ein derartiges Geschehen stellt die Probeexcision dar. Diese kann sicher nicht immer ffir das Auftreten der Oesophagusmetastasen verantwortlich gemacht werden, indem wir eine Reihe yon FMlen be- 0bachtet haben, bei welchen schon bei Beobachtungsbeginn beide

    Zeitschrif~ fiir Krebsforschung. 47. Bd. 29

  • 420 A. Zuppinger: Betrachtungen zu den sekund/~ren Oesophagustumoren.

    Tumoren nachgewiesen werden k0nnten. In den iibrigen F/illen besteht ein mindestens 3 monatiges Intervall und es ist jedenfalls nicht zu be- streiten, dab die Hi~ufigkeit der Oesophagusmetastase durch die Vor- nahme der Probeexcision erhSht werden kann. Wir mSchten aber keines- wegs aus dieser Feststellung den SchluB ziehen, da$ man wegen dieser MSglichkeit yon der Probeexcision absehen soll. Wenn man es aber nicht yon der Hand weisen kann, dab durch die Probeexcision das Auftreten der Oesophagusmetastasen begfinstigt wird, so miissen wir uns fragen, ob wir nicht Mittel und Wege beschreiten kSnnen, die diese mSgliche Gefahr auf ein Minimum reduzieren. Zu Desinfektionsmitteln haben wir alle kein Zutrauen. Wir besitzen aber heute in der elektrischen Schlinge ein Werkzeug, bei dem wir die MSglichkeit des Verschluckens yon Tumorkeimen, die implantationsf/ihig sind, verhindern kSnnen. Man wird nicht bei allen Tumoren die elektrische Schlinge anwenden kSnnen, besonders nicht bei infiltrativ wachsenden, aber bei vielen exolohytisch wachsenden Tumoren wird dies sicher sehr leicht mSglich sein. Die Probeexcision mit der elektrischen Schlinge hat zudem noch den Vorzug, dai] auch die lymphogene Aussaat praktisch fast voll- st~ndig verhindert wird. Wenn wir demnaeh einen praktischen SchluI~ aus unseren Beobaehtungen ziehen wollen, so ist es der, dal~ wit die Probeexeision bei den Meso- und Hypopharynxtumoren nach MSglich- keit elektrochirurgiseh durchfiihren.

    Zusammen]assung. Beim Meso- und Hypopharynxtumor beobachtet man hi~ufig nach

    Erzielung lokaler Symptomfreiheit durch Strahlentherapie das Auf- treten eines sekund/~ren Oesophagustumors. Es 1/~6t sich zeigen, da~ jeder 7. bis 8. Patient, der lokal durch die Bestrahlung geheilt werden kann, an einem selcund(iren Oesophagustumor stirbt. Die Unter- suchung des Materials ergibt, daI~ es sich um eine Metastase des primi~ren Meso- oder Hypopharynxtumor handeln muG, und es kann ferner durch die zahlenm~l]ige Auswertung tines grol~en Materials bewiesen werden, da~ der sekund~re Oesophagustumor fast immer auf dem Wege einer Imp/metastase angeht. Nur selten handelt es sich um lymphogene Metastasen. Die weitere Betraehtung des Materiales macht es wahr- scheinlich, da6 die Vornahme der Probeexeision das Auftreten der Oesophagusmetastase begiinstigt. Man sollte, wenn irgend mSglich, die Probeexcision bei Meso- und Hypopharynxtumoren mit der elektri- schen Sehlinge durchffihren.

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