Cassirer, Ernst - Kants Leben und Lehre

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    16-Jun-2015

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<p>( 'i-</p> <p>KANTSLEBEN</p> <p>UND LEHREVON</p> <p>ERNST CASSIRER</p> <p>VERLEGT</p> <p>BEI</p> <p>BRUNO CASSIRER1921</p> <p>BERLIN</p> <p>m&gt;</p> <p>4.</p> <p>6.</p> <p>Tausend,</p> <p>Friatod in</p> <p>Germ^</p> <p>Aus</p> <p>der Vorrede zur ersten Auflage.</p> <p>Die</p> <p>Schrift,</p> <p>die ich hier verffentliche, will der Gesamtausgabcsie bildet, als</p> <p>von Kants Werken, deren Abschlu</p> <p>Erluterungs-</p> <p>und Ergnzungsband dienen:solche I/eser, die mit Kant</p> <p>sie</p> <p>wendet</p> <p>sich</p> <p>demnach nicht an</p> <p>und</p> <p>seiner Lehre schon in irgendeinemsie</p> <p>Sinne fertig zu sein glauben, sondern</p> <p>rechnet auf Leser, diestehen.</p> <p>noch mitten im Studium von Kants Werkensie</p> <p>Ihnen mchtekritischen</p> <p>einen</p> <p>Wegzuzu</p> <p>weisen,</p> <p>der</p> <p>von der Peripherie des</p> <p>Systems</p> <p>seinem Mittelpunkt,</p> <p>von der Mannigfaltigkeit der</p> <p>Einzelfragendas</p> <p>einem freien</p> <p>und umfassenden berblick berfhrt.</p> <p>Ganze</p> <p>des Kantischenbestrebt,</p> <p>Denkenssich</p> <p>Demgem wardie</p> <p>sie</p> <p>von Anfang anprobleme,die in</p> <p>nicht</p> <p>in</p> <p>Flle</p> <p>der Sonderzu verlieren,</p> <p>Kants</p> <p>Lehre</p> <p>allenthalben</p> <p>darbietet,</p> <p>sondernSystems</p> <p>energischerdie</p> <p>Konzentration</p> <p>nur</p> <p>den</p> <p>Grundri</p> <p>des</p> <p>und</p> <p>groen</p> <p>und</p> <p>entscheidenden</p> <p>Hauptlinien</p> <p>des</p> <p>Kantischen (jedankenbausarbeit,leistet</p> <p>herauszuheben.</p> <p>Der Wert der Detailletzten Jahrzehnte ge-</p> <p>die</p> <p>von der Kant-Philologie" derist,</p> <p>wordenzu</p> <p>sollsie</p> <p>nicht</p> <p>unterschtzt</p> <p>werden:</p> <p>und</p> <p>die</p> <p>Ergebnisse,</p> <p>denen</p> <p>im</p> <p>geschichtlichen</p> <p>und systematischen</p> <p>Sinne gefhrt hat,</p> <p>muten</p> <p>natrlich auch in der hier vorliegenden</p> <p>Darstellung genaue Bercksichtigung finden.als</p> <p>Dennoch</p> <p>scheint mir,</p> <p>habe</p> <p>diese</p> <p>Richtung</p> <p>der Detailforschung</p> <p>die lebendige</p> <p>Anals</p> <p>schauung von</p> <p>dem, was Kants Philosophie</p> <p>als</p> <p>Einheit</p> <p>und</p> <p>Ganzes bedeutet, hufig eher</p> <p>gehemmt</p> <p>als</p> <p>gefrdert.</p> <p>Wir mssen</p> <p>und drfen einer Forschungs- und Arbeitsrichtung gegenber, diesich</p> <p>vor allem in der Aufdeckung der Widersprche Kants zu</p> <p>/</p> <p>VIgefallen</p> <p>Aus der Vorrede zurscheint</p> <p>ersten</p> <p>Auflagekritische</p> <p>und</p> <p>die zuletzt das gesamte</p> <p>System zu</p> <p>einem Aggregat solcher Widersprche zu machen droht, wiederzu einer Gesamtansicht von Kant und seiner Lehre zurckstreben,</p> <p>wie</p> <p>Schiller</p> <p>oder Wilhelm von Humboldt</p> <p>sie</p> <p>besessen haben.</p> <p>In</p> <p>dieser Absicht</p> <p>bemhtundder</p> <p>sich die folgende Betrachtung berall,fast</p> <p>vonbe-</p> <p>der Vielheit</p> <p>unabsehbaren Verwicklung</p> <p>der</p> <p>sonderen Fragen zu der Schlichtheit und Geschlossenheit,</p> <p>zu der</p> <p>erhabenen Einfachheit und Allgemeinheit der gestaltenden Grund-</p> <p>gedankenkonnte</p> <p>desbei</p> <p>Kantischen</p> <p>Systems</p> <p>zurckzugehen.die</p> <p>Dieses</p> <p>Ziel</p> <p>den ueren Grenzen,</p> <p>der Darstellung durch</p> <p>den Gesamtplan der Ausgabe gezogen warenerreicht</p> <p>freilich</p> <p>nur dann bloen</p> <p>werden,der</p> <p>wenn</p> <p>darauf</p> <p>verzichtet</p> <p>wurde,</p> <p>den</p> <p>Umfang</p> <p>Kantischen</p> <p>Gedankenarbeit</p> <p>vollstndig</p> <p>darzulegendie gleiche</p> <p>und im Einzelnen vor dem Leser zu</p> <p>entfalten.</p> <p>Und</p> <p>Beschrnkung wie fr den systematischen Teil der Schrift muteich mir auch fr den biographischen Teil auferlegen.</p> <p>Auch</p> <p>hier</p> <p>habe</p> <p>ich</p> <p>von der</p> <p>Flle</p> <p>der Einzelzge</p> <p>und des anekdotischen</p> <p>Beiwerks, das von den ersten Biographen Kants berliefert wordenist,ist,</p> <p>und</p> <p>das</p> <p>seitdem in</p> <p>alle</p> <p>Lebensbeschreibungen bergegangen</p> <p>mit Bewutsein abgesehen.</p> <p>Nur</p> <p>die</p> <p>groen und durchgehen-</p> <p>den</p> <p>Zge der</p> <p>Kantischen Lebensfhrung</p> <p>und</p> <p>das,</p> <p>was</p> <p>als</p> <p>der</p> <p>einheitliche</p> <p>Sinn dieser Lebensfhrung im Laufe</p> <p>der mensch-</p> <p>lichen und philosophischen Entwicklung Kantsheraustritt,</p> <p>immer bestimmterder</p> <p>habe</p> <p>ich</p> <p>aufzuzeigen</p> <p>gesucht.</p> <p>Die Erkenntnishoffe,</p> <p>Individualitt Kants hat dadurch,</p> <p>wie ich</p> <p>nichts verloren.</p> <p>Dennin</p> <p>die eigentliche</p> <p>und wahrhafte</p> <p>Individualitt Kants</p> <p>kann nur</p> <p>jenen Grundzgen seiner Geistesart und seines Charakters ge-</p> <p>sucht werden, auf denen auch seine sachliche, seine philosophischschpferische Originalittberuht.Sie</p> <p>besteht</p> <p>nicht</p> <p>in</p> <p>irgend-</p> <p>welchen Besonderheiten und Absonderlichkeiten</p> <p>seines persnlichen</p> <p>Wesens und</p> <p>seiner ueren Lebenshaltung, sondern in der Rich-</p> <p>tung und Tendenz zum Allgemeinen, die in gleicher Weise in</p> <p>6</p> <p>Aus der Vorrede zur</p> <p>ersten Auflage</p> <p>VII</p> <p>der Gestaltung des Lebens, wie in der der Lehre hervortritt. beide</p> <p>Wiesie</p> <p>Momente</p> <p>sich wechselseitig</p> <p>bedingen und ergnzen, wie</p> <p>auf denselben Ursprung zurckweisen und sich zuletzt zu einemeinheitlichen</p> <p>Resultat</p> <p>zusammenschlieen</p> <p>und</p> <p>wie</p> <p>somit</p> <p>die</p> <p>Persnlichkeitsind,</p> <p>und</p> <p>das</p> <p>Werk</p> <p>Kants in der Tat aus</p> <p>einem Gussenur insoweit</p> <p>habe ich zu zeigen versucht;betrifft,als</p> <p>so</p> <p>was dagegen den uerensollte</p> <p>Umri von Kants Lebenzur Darstellung</p> <p>er hier</p> <p>kommen,</p> <p>in</p> <p>ihmdas</p> <p>der eigentlich entscheidende</p> <p>Gehalt</p> <p>des</p> <p>Kantischen</p> <p>Daseins:</p> <p>Wesen und Wachstum.</p> <p>der</p> <p>Kantischen Grundgedanken sich offenbart und uert</p> <p>.</p> <p>.</p> <p>Das Manuskript dieser Schrift war schon im Frhjahr 191druckfertig;</p> <p>nur die Verzgerung, die der Fortgang der Gesamt-</p> <p>'ausgabesie</p> <p>durch</p> <p>den Kriegals</p> <p>erfahren hat,</p> <p>hat es verschuldet,</p> <p>da</p> <p>erst jetzt,</p> <p>mehr</p> <p>zwei Jahre nach ihrem Abschlu, erscheint.</p> <p>Ich beklage diesen Aufschub der Drucklegungich die Schrift</p> <p>um</p> <p>so tiefer, weil</p> <p>nun nicht mehr dem Manneihren ersten</p> <p>in dieseiner</p> <p>Hnde legenwrmsten undist</p> <p>kann, der</p> <p>sie</p> <p>seit</p> <p>Anfngen mit</p> <p>frderndsten Teilnahme begleitet hat.4. April</p> <p>Hermann CohenWerke</p> <p>am</p> <p>ipi8 gestorben.Fortentwicklung</p> <p>Wasder</p> <p>seine</p> <p>fr die Erneuerungin Deutschland</p> <p>und</p> <p>die</p> <p>Kantischen LehreStelle</p> <p>bedeuten,</p> <p>habe</p> <p>ich</p> <p>an anderer</p> <p>darzulegen gesucht,^)</p> <p>und</p> <p>ich will hier nicht</p> <p>von neuem darauf zurckkommen. Aber mit</p> <p>inniger Dankbarkeit</p> <p>mu</p> <p>ich hier des persnlichen Eindrucks geals</p> <p>denken, den ich</p> <p>selbst,</p> <p>vor mehrhabe.</p> <p>zwanzig Jahren, von Cohens</p> <p>Kant-BchernBcherzuerst</p> <p>erfahrenin</p> <p>Ich bin mir bewut,</p> <p>durch diese</p> <p>den ganzen Ernst und in die ganze Tiefe der</p> <p>Kantischen Lehre eingefhrt</p> <p>worden zu</p> <p>sein.</p> <p>Seitdem bin ich zustets</p> <p>den Problemeneigenen Studien^)</p> <p>der Kantischen Philosophie in</p> <p>wiederholten</p> <p>und im Zusammenhang verschiedenartiger sachdie</p> <p>Hermann Cohen und</p> <p>Erneuerung der Kantischen Philosophie.</p> <p>Festheft der Kant-Studien zu Cohens 70. Geburtstag, K.-St.XVII (1912),5.</p> <p>253fF.</p> <p>fa</p> <p>VIII</p> <p>Aus der Vorrede zur</p> <p>ersten Auflage</p> <p>lichcr</p> <p>Aufgaben immer von neuem zurckgekehrt: ^und meine</p> <p>Auffassung dieser Probleme hat sich von derjenigen Cohens vielfach abweichend gestaltet.</p> <p>Aber immer hat</p> <p>sich</p> <p>mir hierbei der</p> <p>methodische Grundgedanke, voner</p> <p>dem Cohen</p> <p>geleitet</p> <p>war und denlegte,als</p> <p>seiner</p> <p>Deutung des Kantischen Systems zugrundeals</p> <p>fruchtbar,</p> <p>produktiv und frderlich erwiesen. Fr Cohen selbst</p> <p>wurde</p> <p>dieser</p> <p>Grundgedanke, wurde die Forderung der transszencc</p> <p>dentalen</p> <p>Methode</p> <p>zum</p> <p>Inbegriff der wissenschaftlichen Philosophie.als</p> <p>Und</p> <p>weil er in diesem Sinne die Kantische Lehre nichtgeschichtliches Ganze,</p> <p>ein</p> <p>abgeschlossenes</p> <p>sondern</p> <p>als</p> <p>Ausdruck der</p> <p>fortdauernden</p> <p>Aufgaben</p> <p>der Philosophie selbst begriff,</p> <p>wurde</p> <p>sie</p> <p>ihm</p> <p>nicht nur zu einer geschichtlichen Potenz,</p> <p>sondern zu einer</p> <p>unmittelbar wirksamen Lebensmacht.</p> <p>Als</p> <p>eine solche hat er sie</p> <p>empfunden und hat</p> <p>er sie gelehrt;</p> <p> und</p> <p>auch den ZvUsammen-</p> <p>hang zwischen der Kantischen Philosophie und den allgemeinen</p> <p>Grundproblemen des deutschen Geisteslebens hatSinne verstanden.</p> <p>er</p> <p>in</p> <p>diesem</p> <p>Er hatte auf diesen Zusammenhang in vielenaber ihn vollstndig</p> <p>seiner Schriften hingedeutet:darzustellen,</p> <p>und umfassend</p> <p>war</p> <p>die Aufgabe, die er selbst sich fr die vorliegendegestellt hatte.</p> <p>Gesamtausgabe der Kantischen Werke</p> <p>Nun</p> <p>ist</p> <p>auch</p> <p>diese lang geplante Schrift ber Kants</p> <p>Bedeutung fr die deutsche</p> <p>Kulturcc,</p> <p>deren Grundri und Aufbau er mir noch wenige Tage</p> <p>vor seinem Tode entwickelt hat, nicht mehr zur Ausfhrung gelangt.</p> <p>Aber wenngleichselbst in</p> <p>es</p> <p>uns nicht mehr vergnnt war,</p> <p>dasoer</p> <p>Cohen</p> <p>den</p> <p>Kreis der Mitarbeiter dieser</p> <p>Ausgabe</p> <p>trat,</p> <p>darf seinselbstals</p> <p>Name</p> <p>mit ihr dauernd verknpft bleiben.dieser</p> <p>Denn wiebis</p> <p>jedem einzelnen Mitarbeiter anals</p> <p>Ausgabeist,</p> <p>zuletzt</p> <p>Freund und</p> <p>Lehrer</p> <p>nahe geblieben</p> <p>so bildete seinedie gemeindie fr sie</p> <p>Denkart zugleich die</p> <p>ideelle Einheit</p> <p>und bezeichnete</p> <p>same sachUche</p> <p>und methodische Grundberzeugung,</p> <p>in ihrer Arbeit bestimmend</p> <p>und</p> <p>leitend</p> <p>gebUeben</p> <p>ist.</p> <p>Schicrke</p> <p>i.</p> <p>Harz,</p> <p>14. August</p> <p>19 18.</p> <p>Ernst Cassirer.</p> <p>GOETHEsprochen,</p> <p>hat</p> <p>einmalalle</p> <p>im Hinblick auf Kant</p> <p>das</p> <p>Wort</p> <p>ge-</p> <p>da</p> <p>Philosophie geliebt und gelebt werden</p> <p>msse, wenn sie fr das Leben Bedeutsamkeit gewinnen wolle. Der Stoiker, der Platoniker, der Epikureer, jeder mu auf seine Weise mit der Welt fertig werden; das ist ja eben die Aufgabe</p> <p>keinem, zu welcher Schule er sich auch zhle, Die Philosophen knnen uns ihrerseits nichts als Lebensformen darbieten. Die strenge Migkeit z. B. Kants forderte eine Philosophie, die diesen seinen angeborenen Neigungen gem war. Leset sein Leben und ihr werdet bald finden, wie artig er seinem Stoizismus, der eigentlich mit den gesellschaftlichen Verhltnissen einen schneidenden Gegensatz bildete, die Schrfe nahm, ihn zurechtlegte und mit der Welt ins Gleichgewicht setzte. Jedes Individuum hat vermittelst seiner Neigungen ein Recht zu Grundstzen, die es als Individuum nicht aufheben. Hier oder nirgend wird wohl der Ursprung aller Philosophie zu suchen sein. Es gelingt jedem Systeme, sobald nur der rechte Held darin auftritt, mit der Welt fertig zu werden. Nur das Angelernte der menschlichen Natur scheitert meist am Widerspruche; das ihr Angeborene wei sich berall Eingang zu verschaffen und besiegt sogar nicht selten mit dem glcklichsten Erfolge seinen Gegensatz. Erst mssen wir im Einklnge mit uns selbst sein, da wir Disharmonien, die von auen auf uns zudringen, wo nicht zu heben, doch wenigstens einigermaen auszugleichen imstande sind.'") In diesen Worten ist in aller Prgnanz eines der wesentlichen Ziele bezeichnet, das die wissenschaftliche Erforschung und Dardes</p> <p>Lebens,</p> <p>die</p> <p>erlassen</p> <p>wird.</p> <p>^)</p> <p>von</p> <p>F. Frhr. v.</p> <p>Gesprch Goethes mit J. D. Falk (Goethes Gesprche, neu hrsg. Biedermann) IV, 468.Bd. XI.I</p> <p>Kants Schriften</p> <p>1</p> <p>Einleitung</p> <p>von Kants Leben sich zu stellen htte. Nicht um die bloe Erzhlung uerer Schicksale und Ereignisse kann es sich hier handeln, sondern darin bestnde der eigentliche Reiz und die eigentliche Schwierigkeit der Aufgabe; die Lebensform" zu entdecken und anschaulich zu machen, die dieser Lehrform entStellungspricht.</p> <p>Was</p> <p>die</p> <p>Lehrform</p> <p>als</p> <p>solche betrifft, so hat sie ihre eigene,</p> <p>berdiesie</p> <p>alle</p> <p>individuellen Grenzen hinausgreifende Geschichte: denn</p> <p>Problemein</p> <p>der Kantischen Philosophie lassen sich,</p> <p>wenn man</p> <p>ihrem Ursprung und ihrer Fortbildung verfolgen will, nicht in den Kreis seiner Persnlichkeit einschlieen. In ihnen tritt vielmehr eine selbstndige Logik der Sache heraus; in ihnen lebt ein ideeller Gehalt, der, losgelst von allen Schranken zeitlicher</p> <p>und subjektiv-persnlichertivenSeite</p> <p>Art, einen in sichlat</p> <p>Bestanddas</p> <p>besitzt.</p> <p>Und dennochvon</p> <p>sich</p> <p>gegrndeten objek auf der anderen</p> <p>Lehrform" und Lebensform" bei da die letztere lediglich zum Trger Gef fr die erstere wrde. In Kants Dasein darin hat Goethe zweifellos recht gesehen ist es nicht lediglich der Gedanke, der sich in seinem objektiven Gehalt und seiner objektiven Wahrheit" das Leben unterwirft; sondern er erhlt von dem Leben, dem er seine Form gibt, zugleich dessen eigene Form zurck. Hier herrscht jenes eigenVerhltnis</p> <p>Kant nicht derart und zum passiven</p> <p>fassen,</p> <p>tmliche Wcchselverhltnis, in welchem jedes der beiden Momente,die</p> <p>aufeinander einwirken,erscheint.</p> <p>zugleich</p> <p>als</p> <p>stimmtist</p> <p>Wassondern</p> <p>Kant,als</p> <p>nicht</p> <p>bestimmend und im Ganzen der</p> <p>als</p> <p>be-</p> <p>Philo-</p> <p>sophiegeschichte,</p> <p>individuelle</p> <p>Denkerpersnlichkeit</p> <p>tritt erst in dieser Doppelbeziehung zutage. knpft und wie die Einheit, die durch sie geschaffen wird, sich sodann nach auen hin immer klarer und</p> <p>und</p> <p>bedeutet, dassich</p> <p>Wie</p> <p>sie</p> <p>reiner darstellt; dies bildet das geistige Grundthema seines Lebens und somit den Mittelpunkt seiner Biographie. Denn das bleibt doch die wesentliche Aufgabe jeder Darstellung des Lebens eines groen Denkers; zu verfolgen, wie die Individualitt immer fester mit ihrem Werk verschmilzt und sich scheinbar ganz in ihm verliert und wie dennoch ihre geistigen Grundzge im Werke erhalten bleiben und erst durch dasselbe zur Klarheit und Sicht-</p> <p>,</p> <p>|</p> <p>barkeit gelangen.</p> <p>Andiebringt.</p> <p>der</p> <p>Spitze</p> <p>der</p> <p>neuerenin</p> <p>Philosophie</p> <p>steht</p> <p>eine</p> <p>Schrift,,</p> <p>diesen</p> <p>Zusammenhang</p> <p>klassischer</p> <p>Descartes' Discours</p> <p>de</p> <p>la</p> <p>Weise zur Darstellung methode" will ein grund-</p> <p>I</p> <p>Einleitunglegendes Verfahren</p> <p>3</p> <p>entwickeln,ihren</p> <p>kraft</p> <p>dessen</p> <p>alle</p> <p>besonderen</p> <p>Wissenschaftenhergeleitet</p> <p>aus</p> <p>ersten</p> <p>und</p> <p>allgemeinen</p> <p>und</p> <p>einer</p> <p>inneren</p> <p>werden sollen: aber Notwendigkeit verschmelzen diesebewiesen</p> <p>Grnden" wie vermgesachlichen</p> <p>Darlegungen mit dem Bericht ber Descartes' eigenen Entwicklungsgang, von dem ersten fundamentalen Zweifel angefangen bis zu der unerschtterlichen Gewiheit, die ihm durch den Gedanken der universellen Mathematik'' und durch die Grund- und Hauptstze seiner Metaphysik zuteil wird. Eine strenge Deduktion objektiver Stze und Wahrheiten ist das Ziel, auf das die Abhandlung ausgeht; zugleich aber wird hier, ungewollt und wie nebenher, der moderne Typus der philosophischen Persnlichkeit gewonnen und klar umschrieben. Es ist als ob die neue Einheit des Subjektiven" und Objektiven'% die den systematischen Grundgedanken der Cartesischen Lehre ausmacht, sich von einer vllig anderen Seite und in einem anderen Sinne noch einmal darstellen sollte. Auch das zweite Hauptwerk Descartes', auch seine Meditationen ber die Grundlagen der Philosophie" zeigen noch diesen eigentmlichen Stilcharakter. Es sind die hchsten Abstraktionen der Cartesischen Metaphysik, die uns hier entgegentreten aber wir sehen sie gleichsam hervorwachsen aus einer bestimmten konkreten Situation, die bis in:</p> <p>ihre Einzelheiten hinein, bis in ihr Lokalkolorit,</p> <p>festgehalten</p> <p>ist.</p> <p>Das</p> <p>Ich,</p> <p>das Cogito"</p> <p>wirdBild</p> <p>als</p> <p>allgemeines</p> <p>Prinzip</p> <p>der Philo-</p> <p>sophie gewonnen;lichencartessich,</p> <p>gleichzeitig</p> <p>aber hebt sich von diesem sach-</p> <p>des neuen Lebens ab, das Dtsbewuter Abkehr von der berlieferung und von allen sozialen Bindungen und Konventionen, in seiner hollndischen Einsamkeit geschaffen hat. Die literarische Form des</p> <p>Hintergr...</p>