Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation auf den Gender Pay Gap

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    11-Dec-2016

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AbhAndlungenZusammenfassung: AlsbedeutsameErklrungsgrefrgeschlechtsspezifischeVerdienstunter-schiede (gender pay gap) gilt die beruflicheGeschlechtersegregation.Die vorliegendeStudieuntersuchtdaherFaktoren,dieeinergeringerenEntlohnungtypischerFrauenberufeinDeutschlandzugrundeliegen.AusgehendvonsoziologischenundsozialpsychologischenStatustheorienistan-zunehmen,dassFrauenberufeaufgrunddortvorherrschenderweiblichkonnotierterArbeitsinhalte,dieaufdemArbeitsmarktabgewertetsind,geringerentlohntwerdenwhrendtypischmnnlichkonnotierteArbeitsinhalte, die inMnnerberufen dominieren, einemonetreAufwertung erfah-ren. Die Hypothesen werden mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) 20002010unterAnwendunglinearerFixed-Effects-Modelleuntersucht.BeruflicheCharakteristika,etwazudenArbeitsinhalten,werdenvonderBIBB/BAuA-Erwerbsttigenbefragung2005/2006unddemMikrozensusdemSOEPzugespielt.DieAnalysebesttigtdenvermittelndenEffektgeschlecht-lichkonnotierterArbeitsinhalteaufVerdienstabschlge indenBruttostundenverdienstenvonEr-werbsttigen in Frauenberufen jedoch nur fr Mnner. Dieser geschlechtsspezifische EffektwirdmitunterschiedlichenKompetenz-undLeistungserwartungen,dieFrauenundMnnernfrgeschlechtlichkonnotierteArbeitsinhalteentgegengebrachtwerden,verdichtet.BeiFrauenweisenvorallemgeringereberuflicheberstundennormeninFrauenberufeneinenErklrungsbeitragfrdiedortgeringereEntlohnungauf.EineOaxaca/Blinder-Dekompositionverdeutlichtschlielich,dassdieArbeitsinhaltebedeutsamzurErklrungdesgenderpaygapbeitragen.Schlsselwrter: GeschlechtsspezifischeVerdienstunterschiede BeruflicheGeschlechtersegregationBeruflicheCharakteristikaArbeitsinhalteDevaluationTheoriederErwartungszustndeKompetenzerwartungenFixed-EffectsModelle Oaxaca/Blinder-DekompositionHumankapitalKlnZSoziol(2013)65:301338DOI10.1007/s11577-013-0201-1Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation auf den Gender Pay GapZur Bedeutung geschlechtlich konnotierter ArbeitsinhalteAnne BuschSpringerFachmedienWiesbaden2013A.Busch()FakulttWirtschafts-undSozialwissenschaften,UniversittHamburg,Welckerstr.8,20354Hamburg,DeutschlandE-Mail:Anne.Busch@wiso.uni-hamburg.de302 A. BuschThe impact of occupational sex segregation on the Gender Pay Gap The role of gendered work contentAbstract: Occupational sex segregation is generally seen as an important determinant for thegenderspecificwagedifferential(genderpaygap).Therefore,thepresentstudyexaminesfac-torsexplainingwagepenaltiesintypicalwomensoccupationsinGermany.Dealingwithsocio-logicalandsocialpsychologicalstatustheoriesit isassumedthatwomensoccupationsarepaidless because of typical feminine work content that is devalued on the labor marketwhereastypicalmasculineworkcontentdominatinginmensoccupationsismonetaryhighlyvalued.Hy-pothesesaretestedwithdatafromtheGermanSocio-EconomicPanelStudy(SOEP)20002010applyinglinearfixedeffectsmodels.Occupationalcharacteristics,likegenderedworkcontent,aremerged from the BIBB/BAuA-Erwerbsttigenbefragung (Employment Survey) 2005/2006 andtheMicrocensustotheSOEP.Theanalysisrevealsthemediatingeffectofgenderedworkcontentonwagepenalties in gross hourlywages for employees inwomens occupationsbutonly formen.Thisgenderspecificeffectisexplainedwithdifferentexpectationsforcompetenceandeffortconcerninggenderedworkcontentwithwhichwomenandmenareconfronted.Lowernormsforoverworkinwomensoccupationspartlyexplainwagepenalties in thoseoccupationsespeciallyforwomen.Finally,anOaxaca/Blinderdecompositionshowsthatgenderedworkcontentexplainsthegenderpaygapsignificantly.Keywords: GenderpaygapOccupationalsexsegregationOccupationalcharacteristicsWorkcontentQualitativedevaluationExpectationstatestheoryCompetenceexpectationsFixedeffectsmodelsOaxaca/Blinder-decompositionHumancapital1 EinleitungSowohlnationalealsauchinternationaleStudienzuunterschiedlichenVerdienstenvonMnnernundFrauen,demgenderpaygap,zeigeneinenVerdienstnachteilvonFrauenauf(BlauundKahn2000,2003; Finke 2010;HolstundBusch2010;Kunze2008;Wald-fogel1998;Ziegleretal.2010).SobetrugimJahr2008derunbereinigtegenderpaygapinDeutschland23,2%(EuropischeKommission2010).Die berufliche Geschlechtersegregation gilt als bedeutsamer Erklrungsfaktor frdiesegeschlechtsspezifischenVerdienstunterschiede.TypischeFrauenberufesinddurchgeringere mittlere Verdienste im Vergleich zu Mnnerberufen charakterisiert. DieseBeobachtungwurdeinmehrerenStudienindenUSAuntersucht(CohenundHuffman2007; england 1992;Englandetal.1988;JacobsundSteinberg1995) und steht auch in DeutschlandzunehmendimMittelpunktdesForschungsinteresses(Achatzetal.2005; Busch undHolst 2010; hinz und gartner 2005; Leuze und Strau 2009; liebeskind 2004).InsgesamtexistiertgenerellEinigkeitberdiedurchschnittlichgeringereEntloh-nungvonFrauenberufen;jedochistdieFragenachdenpotenziellenGrndenfrdieseBeobachtung nicht abschlieend beantwortet (Glauber 2012). SoziologischeTheorienbegrndenVerdienstabschlgeinFrauenberufenmiteinergesellschaftlichenundmone-trenDevaluation (alsoAbwertung) jenerBerufe (vgl. zusammenfassend z.B.Achatz et al. 2005).DurchdieBercksichtigung theoriegeleiteter Indikatoren aufderBerufs-ebenebestehtdieMglichkeit,jenenrelativunkonkretenBegriffderDevaluationgenauerzuerfassen.SowerdenFrauenberufemglicherweisenichtnurdeshalbgeringerentlohnt,303Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation weilesgenerellFrauenberufesind,sondernauchdeshalb,weilsolcheBerufebestimmteCharakteristikaaufweisen,diemitgeringenVerdiensteneinhergehen.DieBercksichtigungberuflicherCharakteristikaerfolgteindenUSAbereitsinmeh-rerenStudien(z.B.Englandetal.1988;Kilbourneetal.1994).FrDeutschlandexistiertbishereineStudie,diezurAnalysevonMechanismen,diehinterderunterschiedlichenEntlohnunginFrauen-undMnnerberufensteckenknnen,beruflicheFaktorenberck-sichtigt (liebeskind 2004).Konkret ziehtLiebeskind insbesondere beruflicheArbeits-inhalteheran,diegesellschaftlichalstypischweiblichgelten,unddieinFrauenberufenbesondershufigvorkommen.HierkanneinemonetreEntwertungjenerweiblichkon-notiertenArbeitpostuliertwerden,eineErklrungsmglichkeitfrVerdienstabschlgeinFrauenberufen.Der folgendeArtikel knpft an diese Studie an, geht jedoch in folgenden Punktendarberhinaus:1. DievorliegendeStudiebeziehtexplizitauchtypischmnnlichkonnotierteArbeits-inhalte (etwa technikbezogene Inhalte) ein, die inMnnerberufen dominieren. ImGegensatzzueinerEntwertungtypischweiblichkonnotierterArbeitwirdvoneinermonetren Hherwertigkeit mnnlicher Arbeit ausgegangen. Zudem werdenauch unterschiedliche beruflicheberstundennormen in Frauen- undMnnerberu-fenkontrolliert.DieAnnahmekonomischerTheorienist,dassFrauenberufedurchvergleichsweisebessereMglichkeitenderVereinbarkeitvonFamilieundErwerbs-ttigkeitgekennzeichnetsind,wasjedochimGegenzugmitEinkommensabschlgeneinhergeht.2. Auch wird in der vorliegenden Studie postuliert, dass die Verdiensteffekte dergeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltefrFrauenundMnner inunterschiedli-cherWeisezumTragenkommen.DieswirdunterAnwendungsozialpsychologischerStatustheorien, insbesondere der Theorie der Erwartungszustnde, erklrt. HierwirdvongeschlechtsspezifischenKompetenz-undLeistungserwartungenausgegan-gen,dieFrauenundMnnernaufdemArbeitsmarkt frgeschlechtlichkonnotierteArbeitsinhalte entgegengebracht werden. Jene Erwartungshaltungen bewirken, sodieAnnahme,strkereVerdiensteinbuenbeidenweiblichenArbeitsinhalten frMnnerundgeringereVerdienstzuschlgebeidenmnnlichenArbeitsinhaltenfrFrauen. Jene sozialpsychologischenAnstze zur Erklrung geschlechtsspezifischerVerdienstunterschiede erfahren in der deutschen Forschung bisher noch eine ver-gleichsweisegeringeAufmerksamkeit.3. SchlielichfindeteinFixed-Effects-Panel-ModellAnwendung,mitderenHilfedieunbeobachtetezeitkonstanteHeterogenitt,etwazeitkonstanteAspekteverinnerlich-terGeschlechterrollenoderPrferenzen,statistischkontrolliertwird.DadurchknnenunverzerrteSchtzerdesEinflussesderGeschlechtersegregationundderArbeitsin-halteaufdieVerdiensteermitteltwerden.ZudemwirddergenderpaygapeinerDekompositionunterzogen,umzuzeigen,wiehochderAnteildergeschlechtsspezi-fischenVerdienstdifferenzist,welcherdurchdieSegregationunddieberufsspezifi-schenArbeitsinhalteerklrtwerdenkann.304 A. Busch2 Theorien und Forschungsstand, HypothesenZur Erklrung unterschiedlicherVerdienste inMnner- und Frauenberufenwerden indersozialwissenschaftlichenForschungmeistsowohlkonomischealsauchsoziologi-scheund(seltener)sozialpsychologischeTheorienbercksichtigt.Obwohldiekonomi-schenTheoriennichtimZentrumdervorliegendenStudiestehen,mssensietrotzdembei der Erklrung von Verdienstabschlgen in Frauenberufen bercksichtigt werden.EntsprechendekonomischePrdiktorenfrdieVerdienstesindinspterenModellenzukontrollieren.DainderspterenAnalyseStundenverdienstealsabhngigeVariableherangezogenwerden,werdendieimfolgendenAbschnitthergeleitetenHypothesenentsprechendmitBezug auf Stundenverdienste formuliert. Zwar beziehen sich die theoretischenArgu-mentationennichtexplizitaufStundenlhne,jedochknnenbeiihnen(imGegensatzzuMonatslhnen)unterschiedlicheArbeitszeitenrechnerischeinbezogenwerden,wasihreAnwendunginsbesonderebeieinemgeschlechtsspezifischenVergleichvonVerdienstenbedeutsammacht.DieVerwendungvonStunden-,anstattvonMonatsverdienstenbeidie-serThematikwirdinderLiteraturalsentsprechendwichtigerachtet(Finke2010).konomische Anstze. In konomischen theoretischen Anstzen, insbesondere derHumankapitaltheorie,werdenVerdienstunterschiedezwischenFrauenundMnnernbli-cherweisemitgeschlechtsspezifischenUnterschiedeninderHumankapitalakkumulationerklrt (becker 1975).Frauenwhlendemnachaufgrund ihrerstrkerenZustndigkeitfrdieFamiliealsErgebnisrationalerKosten-Nutzen-AbwgungenvorallemBerufe,indenendieKostendesHumankapitalverlustswhrendeinerfamilirenErwerbsunterbre-chungunddiedamiteinhergehendenVerdienstverlustemglichstgeringsind.DassindvorallemTtigkeitenmitgeringenQualifikationsanforderungenunddamitauchgeringenEntlohnungen. Entsprechend ihren Prferenzen und unterschiedlichen Humankapital-akkumulationensortierensichFrauenundMnneralsoinBerufemitunterschiedlichenQualifikationserfordernissen und damit auch unterschiedlichen Verdiensten (Polachek1981;vgl.zusammenfassendBlauetal.2006).Allerdings weisen nationale und internationale Studien nach, dass auch nach sta-tistischer Kontrolle sowohl individueller Humankapitalfaktoren als auch beruflicherQualifikationsanforderungen ein signifikanter Verdienstabschlag fr Erwerbsttige inFrauenberufennachweisbarist(Achatzetal.2005;BuschundHolst2010;Cohenundhuffman 2007;Englandetal.1988;Kilbourneetal.1994).ZudemhabenlauteinerStu-dievonEngland(1982)Frauen,dieinFrauenberufenerwerbsttigwaren,imVergleichzuFrauen,dieinMnnerberufenttigwaren,beiErwerbsunterbrechungendieselben,undnichtetwageringereLohneinbuen.Tam (1997)konnteallerdingsdieunterschiedlichenVerdiensteinFrauen-undMn-nerberufen auf die beruflichen spezifischen Humankapitalerfordernisse zurckfhren(Tam 1997).GenauerumfasstderBegriffHumankapitalsowohleineallgemeineKom-ponente(schulischeundberuflicheBildung)alsaucheinespezifischeKomponente(etwaWeiterbildungenwhrendderBerufsttigkeit) (Mincer1962).NachdenAusfhrungenvonTamsindFrauenberufenichtnurdurchgeringereallgemeine,sondernvorallemauch305Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation durchgeringerespezifischeHumankapitalerfordernissegeprgt,mitentsprechendnega-tivenFolgenfrdieVerdienste.Mnnerberufe,diedemnachhufigerhochspezialisierteBerufesind,erfordernmeistzustzlicheberufsspezifischeWeiterbildungen,wassichineinerhherenEntlohnungniederschlgt(siehefrdieKritikdieserStudie:Englandetal.2000).EinweitererkonomischorientierterAnsatz,dieThesedercompensatingdifferen-tials, erklrtVerdienstunterschiede zwischen Frauen- undMnnerberufen bereitsmitunterschiedlichentlohntenberuflichenCharakteristika.SiepostuliertdieZahlungeineszustzlichenSchmerzensgeldesintypischenMnnerberufen,dainjenenBerufenhu-figkrperlichunangenehmeAufgabendurchgefhrtwerdenmssen,diemitderGefahrgesundheitlicher beeintrchtigungen einhergehen (Filer 1985). Dem Ansatz zufolgekompensiert zudemdiehhereEntlohnung inMnnerberufenbestimmte (nicht-mone-tre)VorzgeinFrauenberufen(Englandetal.1988;OkamotoundEngland1999).SowirdderNutzenverlust,derdurchdiegeringerenVerdiensteinFrauenberufenentsteht,innicht-monetrerFormabgegolten,etwadurchbessereMglichkeitenderVereinbarkeitvon Familie undBeruf. Frauenberufe gelten laut der konomischenTheorien als sol-che,diesichzumBeispieldurchTeilzeitttigkeitenundflexibleArbeitszeitenbesondersgutmitFamilienverpflichtungenvereinbarenlassen.DaherselektierensichdemAnsatzzufolgeFrauenfreiwilligindieseBerufeundnehmendiedortgeringerenVerdiensteinKauf(ebd.).JedochzeigtdieForschungauchhierErgebnisse,diederThesedercompensatingdifferentialswidersprechen.DemnachweisenBerufemithufigenkrperlichunange-nehmenArbeitsinhaltennichtdurchgngighhereVerdiensteauf(Kilbourneetal.1994).Auch knnen solcheArbeitsanforderungen nur einen geringenTeil zur Erklrung desgeschlechtsspezifischenVerdienstunterschiedesbeitragen(vgl.dazuauchEnglandetal.1988).Auch frDeutschland findet sich kein bedeutsamer Effekt krperlicherUnan-nehmlichkeitenimBerufaufdieVerdienste(Liebeskind2004).Zudennicht-monetrenVorzgenbessererVereinbarkeitsmglichkeiten inFrauenberufenzeigtGlauber(2012) frdieUSA,dassMtter(imVergleichzuNicht-Mttern)inFrauenberufengrereVer-dienstabschlge aufweisen alsMtter inMnnerberufen.DieserZusammenhang kannjedochlautderStudienichtaufbessereVereinbarkeitsmglichkeitenmitderFamilieinFrauenberufenerklrtwerden.DamiteinhergehendsindindenUSAFrauenberufeauchnichtdurchwegbessermitFamilienverpflichtungenvereinbar,wieesvondenkonomi-schenTheorienpostuliertwird.TatschlichweisenFrauenberufedorthufigerunflexibleArbeitszeitenalsMnnerberufeauf(Glass1990;GlassundCamarigg1992).GenerellistzudemdasArgumentderFreiwilligkeitdesVerzichtsaufhhereGehlteraufgrundnicht-monetrerVorzge inFrauenberufenanzuzweifeln.DiebessereVereinbarkeit inFrau-enberufenaufKostenderEntlohnung istdagegenmglicherweiseaucheinReliktaustraditionellenGeschlechterordnungenderVergangenheit.SolcheGeschlechterordnungenknnensich,inAnlehnungandenInstitutionenansatzderGeschlechterforschung,indenBerufsstrukturenvonFrauenberufenverfestigthaben,dorttrotzeinesgesellschaftlichenWandelshinzumehrGeschlechteregalittweiterwirkenunddamit inderKonsequenzauchtraditionelleFamilienstrukturenbefrdern(vgl.zuentsprechendenArgumentatio-nendesInstitutionenansatzesderGeschlechterforschungKrger2004).306 A. BuschSoziologische und sozialpsychologische Anstze: Quantitative und qualitative Devaluation. Anhand soziologischer und sozialpsychologischer Theorien lassen sichVerdienstunterschiedezwischenFrauen-undMnnerberufenunabhngigvomHuman-kapital, vonberuflichenQualifikationsanforderungenundcompensatingdifferentialserklren.InAnlehnungandieseTheorienhngengeringereVerdienstevonFrauengene-rellsowieauchdiespeziellenVerdienstabschlgeinFrauenberufenmitdemgeringerenStatusvonFrauenaufdemArbeitsmarktzusammen(genderstatusbeliefs,vgl.Rid-geway2001).Frauengelten,sodieAnnahme,auchaufgrundderihnengesellschaftlichzugeschriebenenZustndigkeitenfrdieHaus-undFamilienarbeit,alsdiewenigerkom-petenteundleistungsfhigePersonengruppefrdieAnforderungendesErwerbslebens,mitnegativenKonsequenzenfrihrenStatusaufdemArbeitsmarkt(Correlletal.2007).1 MnnerwerdendemgegenberaufdemArbeitsmarktdenAnstzenzufolgealskompe-tenterangesehenunderhalteneinenhherenStatusalsFrauen.EntsprechendgiltnachdersogenanntenTheorie der Erhaltungszustnde(Bergeretal.1977)2 das geschlecht imErwerbsleben grundstzlich als ein so genanntes diffuses Statuscharakteristikum(CorrellundRidgeway2006).Jene geschlechtsspezifischen Kompetenz- und Leistungserwartungen sowie darausfolgendeStatuszuschreibungenaufdemArbeitsmarkthabenlautdieserAnstzeKonse-quenzenfrdieVerdiensteinFrauenberufen.NachdersogenanntenDevaluationshypo-thesesindBerufe,indenenmehrheitlichMitgliederderstatusniedrigerenGruppe(hier:1 DerAnsatzzugenderstatusbeliefsgehtalsohnlichwiederkonomischorientierteAnsatzderPrferenzenfrDiskriminierung(Becker1971)vongeschlechtsspezifischenDiskriminie-rungstendenzenaufdemArbeitsmarktaus.DerkonomischeAnsatzargumentiertjedochvorallemmitNutzenmaximierungundHumankapital.DieDiskriminierunganhandvongenderstatusbeliefsistweitergefasst,betrifftalsoauchetwanormativeAnnahmenzuFhrungskom-petenzen(unabhngigvondertatschlichenodererwartetenHumankapitalakkumulation),undweiterenKompetenzerwartungenbezglichgeschlechtlichkonnotierterundfrdasArbeitsle-benalsrelevantangesehenerFhigkeiten(vgl.weiterfhrendzudemAnsatzRidgeway2001).2 DieTheoriederErwartungszustndebasiertaufdenPrmissendessymbolischenInteraktionis-musundbefasst sichmitderFrage,warumundaufwelcheWeise sichStatushierarchien inGruppenbilden(freineZusammenfassungvgl.CorrellundRidgeway2006).Statusdifferen-zierungenentstehendemnachdurchden(unbewussten)VergleichderGruppenmitgliederunter-einander.Zielistes,dieGruppenaufgabebestmglichzuerfllen.DieAkteureinderGruppeidentifizierendiejenigen,diesiealsbesonderskompetentfrdieErfllungderkollektivenAuf-gabeerachten.MitHilfe allgemeingeteilterkulturellerAnnahmen (Kompetenzerwartungen)wirdeinepersonelleRangfolgedanachgebildet,wiehochderBeitragdesEinzelnenlautderangenommenenKompetenzerwartungenzurZielerreichungist.AussolchenRangfolgenanhandvonKompetenzerwartungen entstehen Statushierarchien in derGruppe.Als diffuse Status-charakteristika bezeichnet dieTheorie relativ allgemeine undweitlufig bereinstimmendeMeinungendarber,welcherPersonengruppeeinehhereodergeringereKompetenzerwartungentgegengebrachtwird (etwa:Geschlecht).Eine solche statusdifferenzierendeKompetenzer-wartungwirkt in derGruppe als eine sich selbst erfllende Prophezeiung: Personen, deneneinehoheKompetenzerwartungentgegengebrachtwird,erhaltenvondenanderenGruppenmit-gliedernmehrEinflussinderGruppeundeinengrerenHandlungsspielraumundzwarauchdann,wenndietatschlicheKompetenzvonderKompetenzerwartungabweicht.InaktuellererForschungwerdendieAnnahmenderTheoriederErwartungszustndeauchaufnichtzielge-richtetorientierteGruppenbertragen(Correll2001).307Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation Frauen)ttigsind,gesellschaftlichwenigeranerkanntundwerdendamitauchmonetrabgewertet (England 1992). Der geringere Status von Frauen auf demArbeitsmarktbertrgtsichalsoaufdieBerufe,diemehrheitlichvon ihnenausgebtwerden,mitentsprechendenFolgenfrdieVerdienste.EinesolchegenerelleAbwertungvonBerufen,dieinderMehrheitvonderstatusniedrigerenGruppeausgebtwerden,wirdimFolgen-denals quantitativeDevaluationbezeichnet.Es ist alsodavonauszugehen,dasseinhhererFrauenanteilineinembestimmtenBerufmitgeringerenVerdiensteninsolchenBerufeinhergeht,undzwarunabhngigvondenberuflichenQualifikationsanforderungenundindividuellenHumankapitalakkumulationen.DarausergibtsichfolgendeHypothese:H1: AuchnachstatistischerKontrolleausdifferenzierterHumankapitalprdiktorenbleibteinsignifikanterVerdienstabschlagindenStundenverdienstenfrErwerbsttigeinFrauenberufenimVergleichzuMnnerberufenbestehen(quantitativeDevaluation).berdiegenerelleAbwertungvonBerufen,diemehrheitlichvonFrauenausgebtwer-den,hinausgehend,postulierendiebeschriebenenStatustheorienaberaucheineAbwer-tungspezifischer,mitFrauenassoziierterArbeitsprofile.EshandeltsichumberuflicheAnforderungen undArbeitsinhalte, die gesellschaftlich als typisch weiblich gelten,alsoetwafamilien-undhausarbeitsnaheTtigkeiten(Kilbourneetal.1994).AuchhierbertrgtsichdergeringereStatusvonFrauenaufdemArbeitsmarktaufdieTtigkeits-profile,diemitFraueninVerbindunggebrachtwerden.LautdiesemTheoriezweigkannentsprechendpostuliertwerden,dassFrauenberufenichtnurdeshalbgeringerentlohntwerden,weildieBerufemehrheitlichvonFrauenausgebtwerden(quantitativeDeva-luation).Frauenberufewerdenauchdeshalbgeringerentlohnt,weilsiehufigTtigkeitenbeinhalten,dieweiblichkonnotiertsindundeinekulturellgeringereWertigkeitaufwei-sen, etwa pflegerische oder erzieherischeAufgaben.Umgekehrt ist anzunehmen, dassMnnerberufehufigtypischmnnlichkonnotierteArbeitsinhalte(zumBeispieltechnik-bezogeneInhalte)haben,dieaufdemArbeitsmarktimVergleichzuweiblichkonnotier-tenArbeitsinhaltenprestigetrchtigerundmonetraufgewertetsind.DieAnnahmeeinerunterschiedlichenEntlohnungvonFrauen-undMnnerberufenaufgrundgeschlechtlichkonnotierterArbeitsinhaltewirdimFolgendenalsqualitativeDevaluationbezeichnet.FrdieUSAwurdegezeigt,dassPersonen,dieBerufemitpflegerischenArbeitsin-haltenausben,VerdienstabschlgeundPersonen,dieBerufemitphysischen(etwatech-nikbezogenen)Anforderungsprofilenausben,Verdienstzuschlgeaufweisen(Kilbourneetal.1994).FrDeutschlandzeigteLiebeskind (2004)dennegativenZusammenhangweiblicherArbeitsinhalteaufdieVerdiensteebenfallsfrSchreibarbeiten,Reinigungs-undVerkaufsttigkeiten.ZudemverringertesichinjenemAufsatzdernegativeEffektderErwerbsttigkeitineinemFrauenberufaufdieVerdienstenachAufnahmederberufsspe-zifischenArbeitsinhalteundwurdeinsignifikant(ebd.).GeschlechtsspezifischeArbeits-inhalteknnendamitalsMediatorendesZusammenhangszwischenderSegregationunddenVerdienstenangesehenwerden.308 A. BuschAusdiesenberlegungenwirdfolgendeHypotheseformuliert:H2: Geschlechtlich konnotierte Arbeitsinhalte erklren die unterschiedlichen Stun-denverdienste von Erwerbsttigen in Frauen- und Mnnerberufen (qualitativeDevaluation):H2a: Personen, die in Berufen mit weiblich (mnnlich) konnotiertenArbeitsinhaltenarbeiten,weisenVerdienstabschlge (Verdienstzuschlge) inStundenverdienstenauf.H2b: GeringereStundenverdienstevonErwerbsttigeninFrauenberufensinddurchdortstrkervorhandeneweiblichkonnotierteArbeitsinhalteerklrbar.HhereStunden-verdienstevonErwerbsttigeninMnnerberufensinddurchdortstrkervorhan-denemnnlichkonnotierteArbeitsinhalteerklrbar.SchlielichknnenfrdiegeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltegeschlechtsspezi-fischeEffekteaufdieVerdienstepostuliertwerden;eineAnnahme,dienachdemWissenderAutorininDeutschlandnochnichtberprftwurde.SoexistierenlautderTheoriederErwartungszustndenebendiffusenStatuscharakteristika(wieGeschlecht)auchspe-zifischeStatuscharakteristika,anhanddererdiePersonenzustzlichinstatushhereundniedrigerePersonenklassifiziertwerden (Bergeretal.1977).DiesespezifischenSta-tuscharakteristikabeinhaltenspezielleKompetenzerwartungen,welcheandiePersonenherangetragenwerden.EinesolchespezifischeAnnahmeist,MnnerneinehhereKom-petenzerwartungfrAufgabenentgegenzubringen,dieinunsererGesellschaftalstypischmnnlich gelten,whrendFrauen fr typisch weiblicheTtigkeiten als besonderskompetent erachtetwerden.Geschlechtlich konnotierteArbeitsinhalte sind laut dieserberlegungenmitgeschlechtsspezifischenKompetenzerwartungenverknpft und stel-lenspezifischeStatuscharakteristikadar(CorrellundRidgeway2006).BeinhaltetdieArbeitsaufgabeentsprechendtypischmnnlichkonnotierteAufgaben,erhaltenMnnereinenStatusvorteil,whrendFrauenfrweiblichkonnotierteArbeitsaufgabeneinenSta-tusvorteilerhalten.Ausdiesenberlegungenkannangenommenwerden,dasssichsolchespezifischenStatusvorteile mglicherweise positiv und Statusnachteile negativ auf die Verdiensteauswirken.DieVerdiensteinbuenfrdieErwerbsttigkeitinBerufenmitweiblichenArbeitsinhalten sind damit fr Mnner mglicherweise hher, weil ihnen fr solcheTtigkeiteneinevergleichsweisegeringeKompetenzerwartungentgegengebrachtwird.Gleichzeitigprofitierensieaber,sodieAnnahme,strkeralsFrauenvondenVerdienst-vorteilenderErwerbsttigkeit inBerufenmitmnnlichenArbeitsinhalten,dasie frdiese Ttigkeiten als besonders kompetent eingeschtzt werden. Umgekehrt sind beiFrauendieVerdiensteinbuenfrtypischweiblicheTtigkeitsinhaltedurchdieihnenentgegengebrachtehhereKompetenzerwartungmglicherweiseschwcher.Gleichzei-tigprofitierensieaberauchimgeringeremMaealsMnner,sodieAnnahme,vondermonetrenAufwertungmnnlichkonnotierterArbeitsinhalte,basierendaufdenihnenentgegengebrachten geringeren Kompetenzerwartungen fr mnnliche Ttigkeitsin-halte.Entsprechend ist sozusagen inderSummeanzunehmen,dass sich sowohldie309Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation Verdiensteinbuen fr weiblicheTtigkeitsinhalte als auch dieVerdienstvorteile frmnnlicheTtigkeitsinhaltestrkerfrMnneralsfrFrauenzeigen.DamitwirdfolgendeabschlieendeHypotheseformuliert:H3: DiegeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltehabengeschlechtsspezifischeEffekteaufdieStundenverdienste:H3a: Die Verdienstabschlge in den Stundenverdiensten fr weiblich konnotierteArbeitsinhalteunddieVerdienstzuschlgefrmnnlichkonnotierteArbeitsinhaltesindfrMnnerhher.H3b: DieArbeitsinhalte erklren unterschiedliche Stundenverdienste in Frauen- undMnnerberufenstrkerfrMnner.3 Daten, VariablenDieAuswertungenbasierenaufdenWellen20002010desSozio-oekonomischenPanels,Version27(SOEP.V27)(Wagneretal.2007).BeidemSOEPhandeltsichumeinerepr-sentativeWiederholungsbefragungprivaterHaushalteundderenMitgliederinDeutsch-land, die seit 1984 jhrlich inWestdeutschland und seit 1990 auch inOstdeutschlanddurchgefhrtwird.AlsUntersuchungsgruppewerdenErwerbsttigeimerwerbsfhigenAlterherangezogen, alsoArbeiter,Angestellte,BeamteundSelbstndige zwischen18und 64 Jahren. Erklrt werden soll der logarithmierte Bruttostundenverdienst. Die-serwurdeaufBasisdesBruttomonatsverdienstesgeteiltdurchdiebezahlteArbeitszeitberechnet(vgl.zudiesemVorgehenzurErmittlungdesBruttostundenlohnsanhandderbezahlten Arbeitszeit Finke 2010).3 Fr Erwerbsttige ohneVerdienstangabenwerdendievomSOEPbereitgestelltenimputiertenVerdiensteherangezogen(GrabkaundFrick2003).4DurchdieLogarithmierungdesVerdienstesalsabhngigeVariableknnendieRegressionskoeffizientenalsprozentualenderungdesVerdienstesinterpretiertwerden,wennsichdiejeweiligeunabhngigeVariableumeineEinheiterhht(Wooldridge2009).ZudemerfolgtdurcheinesolcheTransformationeineNormalisierungderVerteilungderVerdienste.InsbesonderebezglichExtremwertenwirddieVerteilungalsokorrigiert,sodassdieVerdiensteannherndnormalverteiltsind.Die zentrale unabhngigeVariable ist der Frauenanteil im ausgebten Beruf. HierwurdeproBerufderBerufsklassifikationdesStatistischenBundesamtes,Version1992(Dreisteller)(StatistischesBundesamt1992),derjeweiligeFrauenanteilanallenErwerbs-3DiebezahlteArbeitszeitergibtsichausdervereinbartenArbeitszeitplusberstunden,wenndieseentlohntwurden.Wurdendieberstunden teilsbezahltund teils abgefeiert,wurden50%derberstundenaufdievereinbarteArbeitszeitaddiert.DerBruttomonatsverdienstwurdeanschlieend durch die so ermittelteArbeitszeit geteilt (Buslei und Steiner 1999; vgl. auchBuschundHolst2008).4 In dieAnalyse wird zur Kontrolle eine Dummy-Variable bercksichtigt, die angibt, ob derjeweiligeVerdienstwertimputiertwurde.310 A. BuschttigenindiesemBerufjahresspezifischimMikrozensusermitteltundanschlieendberdieBerufsklassifikationdemSOEPzugespielt.DaraufaufbauendwurdendieBerufeinMnnerberufe (Frauenanteilvon030%),Mischberufe (Frauenanteilvonber30undunter70%)undFrauenberufe(Frauenanteilvon70100%)kategorisiert(Jacobs1989; Trappe 2006).Alle weiteren berufsbezogenenVariablen wurden in der BIBB/BAuA-Erwerbstti-genbefragung 2005/2006 gebildet.Dabei handelt es sich um eineReprsentativbefra-gung von 20 000 Erwerbsttigen inDeutschland, die gemeinsam vomBundesinstitutfrBerufsbildung(BIBB)undderBundesanstaltfrArbeitsschutzundArbeitsmedizin(BAuA)durchgefhrtwurde (Hartmann2006).DieOperationalisierungvonVariablenzu den Berufscharakteristika, also spezifischen Merkmalen von Berufen, erfolgte inderErwerbsttigenbefragung anhandderAggregationvon Individualangabenber dieBerufe.DieaggregiertenberufsspezifischenWertewurdenanschlieendberdieBerufs-klassifikationdemSOEPzugespielt(vgl.zudieserStrategieauchLiebeskind2004).DiesogebildetenVariablenbeziehensichallerdingslediglichaufdieJahre2005/2006.Esistjedochmglich,dasssichdieberufsspezifischenWerteberdieJahreverndern.DaherwurdenimSOEPlediglichdieWellen20002010herangezogenmitdemZiel,mglichstvieleJahrezuumfassenundgleichzeitigmglichstdichtandemUntersuchungsjahrderErwerbsttigenbefragungzuliegen.DieErmittlungberuflicherCharakteristikaerfolgtedurchdieBildungberufsspezifi-scherMittelwerte aus den im jeweiligenBeruf arbeitenden Personen in der Erwerbs-ttigenbefragung.EswurdederGewichtungsfaktorverwendet,derindemDatensatzzurVerfgunggestelltwird.DieBerufemussteneineFallzahlvonmindestens20aufweisen,umeinengltigenWertzugewiesenzubekommen.DieAbgrenzungderBerufeerfolgteauch hier mit der Berufsklassifikation des Statistischen Bundesamtes,Ausgabe 1992(Dreisteller).BeiBerufenmiteinerFallzahlvonwenigerals20wurdendiejeweiligenberuflichenInformationenausdemhheraggregiertenZweistellerderBerufsklassifika-tionimputiert.AuchhierwurdennurBerufemitmindestens20Fllenbercksichtigt.5DiegeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltewurdenanhandeinerFragebatteriederErwerbsttigenbefragunggebildet,diealltglicheArbeitsinhaltemitjeweilsdreiAuspr-gungen(nie,manchmal,hufig)abfragt.Jedochistesnichttrivialzuentscheiden,welcheArbeitsinhaltealsmnnlichundwelchealsweiblichzuklassifizierensind.Umzuverhindern,eineKategorisierunginmnnlicheundweiblicheInhalteaufreinemAll-tagswissenbasierenddurchzufhren,wurdefrdieVariablenzudenArbeitsinhalteneineHauptkomponenten-Faktoranalysedurchgefhrt.ObwohldieseMethodeeigentlichnurfrmetrischeVariablengeeignet ist (Langer1999),wurdemit einer solchenStrategiegetestet,obArbeitsinhalte,dieadhoceheralsmnnlichoderweiblichkonnotiertgel-ten,aufdemselbenFaktorhoheFaktorladungenaufweisen,sodassdaslatenteKonstrukthinterdiesemFaktoralsGeschlechtstypikvonArbeitsinhalteninterpretiertwerdenkann.Tatschlichwies die Faktorlsung 4 Faktoren auf, von denen einer eher mnnlicheInhalteundeinereherweiblicheInhaltemithohenFaktorladungenvereint.Ausjenen5 DieaufdieseArtimputiertenWertewurdeninderspterenAnalysemiteinemDummykontrol-liert.311Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation beidenFaktorenwurdenjeweilsdiebesondershochladendenVariablenausgewhlt.AusdiesenwurdenzweiSummenindizesgebildet.MnnlichkonnotierteArbeitsinhalteumfassen:0 Reparieren,Instandsetzen,0 HerstellenundProduzierenvonWarenundGternsowie0 berwachen,SteuernvonMaschinen,Anlagen,technischenProzessen.WeiblichkonnotierteArbeitsinhalteumfassen:0 Pflegen,Betreuen,Heilensowie0 Bewirten,Beherbergen,Speisenbereiten.AufdiegleicheWeisewurdezudemeinSummenindexzugeschlechtsneutralenArbeits-inhaltengebildet.HierwurdenVariablenherangezogen,dieaufdenbeidenbrigenFak-torenhoheFaktorladungenaufwiesen:0 Informationensammeln,Recherchieren,Dokumentieren,0 BeratenundInformierensowie0 Organisieren,PlanenundVorbereitenvon(nichteigenen)Arbeitsprozessen.FrdieSummenindizeswurdenzurVerminderungfehlenderWertediejeweilsgltigenWerte der herangezogenenVariablen aufsummiert und durch dieAnzahl der gltigenWertedividiert(vgl.zudieserStrategieauchTaylor2010).AnschlieendwurdendiesoberechnetenWertetransformiert,sodassdieeinenWertebereichvon0bis1aufwiesen.6Darber hinaus verweist die Forschung auf die gesellschaftliche Annahme hhe-rerKompetenzeninMathematikvonMnnernimVergleichzuFrauen(Correll2001).GleichzeitigstellenMathematikkenntnisseinsbesondereinhochqualifiziertenMnner-berufenmitmathematisch-technischemInhalt (sogenannteMINT-Berufe)notwendigeQualifikationendar.ZudemsindsolcheBerufevoneinerbesondershohenPersistenzderSegregationgeprgt (SolgaundPfahl2009).DieForschungverdeutlicht,dassFrauennurschwerinjeneBerufeZutrittfinden(ebd.),unddasssiedorthufigalskulturelleStrfaktoren (PlichtundSchreyer2002)wahrgenommenwerden.Damit sindMathe-matikanforderungen offenbar fr dasVerstndnis geschlechtsspezifischer Kompetenz-erwartungen auf demArbeitsmarkt besonders bedeutsam. Aus diesen Grnden wirdzur Erfassung der erforderlichenMathematikkenntnisse als zustzlicher mnnlicherArbeitsinhaltderIndikatorKenntnisseimBereichMathematik,Fachrechnen,Statistik(0KeineKenntnisse/Grundkenntnisse;1Fachkenntnisse)berdieBerufeaggregiert.AufgrundseinesbesonderenStellenwerteswurdedieseInformationseparaterfasstundnichtindenSummenindexzudenmnnlichenArbeitsinhaltenintegriert.berdieberuflichenVariablenzudengeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltenhin-ausgehendwurdenweitereBerufscharakteristikagebildetundindenModellenkontrol-liert,umdenberlegungenzuderThesedercompensatingdifferentialsRechnungzutragen.SoknntenetwaBerufemithufigmnnlichenArbeitsinhaltenauchdeshalb6 DieSpearman-KorrelationzwischendemkategorisiertenFrauenanteilimausgebtenBerufunddenweiblichkonnotiertenArbeitsinhaltenbetrgtinderhierbetrachtetenUntersuchungsgruppe0,4(mnnlichkonnotierteArbeitsinhalte:0,6).312 A. BuschVerdienstzuschlgeaufweisen,weildortgleichzeitigkrperlichunangenehmeArbeits-aufgaben vorherrschen, fr die ein Schmerzensgeld gezahlt wird. Daher wurde einSummenindexzurAbbildungkrperlichbelastenderAufgabengebildet,aus folgendenVariablen:0 ImStehenarbeiten,0 HebenundTragenschwererLasten,0 BeiRauch,StauboderunterGasen,Dmpfenarbeiten,0 UnterKlte,Hitze,Nsse,FeuchtigkeitoderZugluftarbeiten,0 Mitl,Fett,Schmutz,Dreckarbeitensowie0 UnterLrmarbeiten.BerufemitweiblichenArbeitsinhaltenknntenauch,berlegungenderkonomischenTheorienfolgend,deshalbgeringerentlohntwerden,weilsolcheBerufenicht-monetreVorzgedurchgeringerezeitlicheBelastungenundbessereVereinbarkeitsmglichkeitenmit der Familie aufweisen.Daherwurde derAnteil Personen proBeruf ermittelt, dieangaben,berstundenzuleisten.DerIndikatorstehtfreineentsprechendeBerufsnormzurBereitschaft vonberstunden, die etwa inMnnerberufen aus einer mnnlichenLebensweltherausentstandenseinkann,undmitdenenetwaFrauen(insbesondereMt-ter)inMnnerberufenkonfrontiertseinknnen.Generell istzuderhierdurchgefhrtenOperationalisierungberuflicherCharakteris-tikaanzumerken,dassessichbeidensoerzeugtenberuflichenVariablennichtumstan-dardisierte, objektiveMae handelt, sondern umWerte, die auf SelbsteinschtzungenderIndividueninderErwerbsttigenbefragungberuhen.hnlichwiebeimGeschlechtselbstistanzunehmen,dassauchgeschlechtlichkonnotierteArbeitsinhalteeinersozialenKonstruktionunterworfensind(vgl.z.B.Wetterer1995zursozialenGeschlechterkons-truktioninProfessionalisierungsprozessen).BeieinerSelbsteinschtzungvonArbeitsin-haltendrftendaherinternalisierteGeschlechterrollen,reproduziertdurchProzesseeinesdoing gender in Interaktionen imErwerbsleben (West undZimmerman 1987), einenichtunwesentlicheRollespielen.MerkmalederArbeit,dieeheralsgeschlechtsunty-pischgelten,etwakrperlichanspruchsvolleAufgabenundmnnlichkonnotierteArbeits-inhaltefrFrauenundweiblichkonnotierteArbeitsinhaltefrMnner,knntenvondenIndividueninderErwerbsttigenbefragungheruntergespieltwerden,umnichtimplizitgegendieinternalisiertenGeschlechterrollenzuverstoen.DiestrgtmglicherweisebeiderBildungvonBerufscharakteristikadazubei,etwakrperlichanstrengendeAufgabeninFrauenberufen,indenenperDefinitionvorwiegendFrauenarbeiten,zuunterschtzen.Leideristesbishernichtmglich,diesesProblemzuumgehen,dainDeutschlandkeineStandardinstrumentezurKlassifizierungvonBerufennachden interessierendenberuf-lichenCharakteristikaexistieren.Neben diesen beruflichen Merkmalen wurden weitere als wichtig erachtete Indi-vidualinformationen,die imSOEPvorliegen, zurErklrungvonVerdienstenundVer-dienstunterschiedenzwischenFrauenundMnnernkontrolliert.EinebersichtberalleVariablenundihrerVerteilungenfindetsichinTab.1.Humankapital. Als erklrende individuelle Humankapitalvariablen werden, orientiertan derLohngleichung nachMincer (1974), dieBildung, abgebildet durch den hchs- 313Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation FrauenMnnerMittelwertStd.AbwaMin.Max.nMittelwertStd.AbwaMin.Max.nBruttostundenverdienst(inEuro)13,515,890,01760,615263017,836,680,01812,2656340HumankapitalIndividuellHchsterberuflicherBildungsabschlussKein Abschluss0,120,050164180,100,05015566berufsausbildung0,560,0701291680,500,080127907FH-/Universittsabschluss0,240,0601127540,270,070115074SonstigerAbschlussb0,070,060137580,130,07017371Berufserfahrung(inJahren)14,631,910505168719,422,4204955226Betriebszugehrigkeit(inJahren)9,802,560475252111,962,85049,856299Berufliche QualifikationsanforderungenErforderlicheAusbildungimBerufKeineAusbildungerforderlich0,260,1901131990,210,200111297Berufsausbildungerforderlich0,550,220127280,530,230128749FH/Uni-Abschlusserforderlich0,190,140197780,270,150114527SpezielleLehrgnge/Kurseerforderlich(=1)0,230,2701526300,330,300156340OrganisationunternehmensgreWenigerals20Mitarbeiter0,300,2101152020,190,190110374201990,300,2501152370,310,2401165952001.9990,200,2201101950,240,2301129242.000undmehr0,190,200197710,270,200114507Produzierendes Gewerbe(=1)0,170,1601501510,480,180154058ImffentlichenDienst(=1)0,340,1801508680,240,150154731FamilieVerheiratetzusammenlebend(=1)0,620,1801526200,660,180156332Anzahl Kinderu.16JahreimHaushalt0,540,3607525990,660,410856308Tab. 1:ErwerbsttigeimerwerbsfhigenAlter:bersichtberVariablen,nachFrauenundMnnern,20002010.(Quelle:SOEP.V2720002010,eigene berechnungen)314 A. BuschFrauenMnnerMittelwertStd.AbwaMin.Max.nMittelwertStd.AbwaMin.Max.nKontrollvariablenStellungimBerufArbeiter0,210,1801111020,430,170124194Angestellte0,600,2301315140,230,230112844Angestelltemithochqualif.(Fhrungs)Positionen0,110,160158140,230,170112999beamte0,070,060137900,100,06015709Selbstndige0,010,04014100,010,0301594Wohnort:Ostdeutschland(=1)0,230,0601526300,210,060156340AndereNationalittalsdeutsch(=1)0,070,0401526300,080,050156340Berufliche VariablenSegregationFrauenanteilimausgebtenBeruf(in%)66,849,940,7598,685076125,999,55098,6854312FrauenanteilimausgebtenBeruf:KategorienFrauenberuf0,110,150154260,650,200135525Mischberuf0,360,2401184660,280,200114941Mnnerberuf0,530,2201268690,070,13013846Geschlechtlich konnotierte ArbeitsinhalteWeiblicheArbeitsinhalte0,240,0700,85507650,110,0400,8553925MnnlicheArbeitsinhalte0,190,0500,86507650,340,0700,8653925FachkenntnisseinMathematikerforderlich0,210,0600,94507650,300,0700,9453925geschlechtsneutrale Arbeitsinhalte0,630,060,160,92507650,600,060,160,9253925Compensating differentialsKrperlichunangenehmeAufgaben0,240,040,040,64507650,320,050,040,6453925berstunden0,790,040,361507650,850,040,36153925a StandardabweichungeninnerhalbderPersonen(within)b Fachschule,Meister/Beamtenausbildung/andererAbschlussTab. 1:(Fortsetzung)315Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation tenberuflichenBildungsabschluss,dieBerufserfahrunginJahren(TeilzeitplusVollzeit,dieTeilzeitgehtdabeimitdemhalbenGewichtein)unddieBerufserfahrungzumQua-drat (zur Erfassung des abnehmenden Grenznutzens) bercksichtigt. Zudemwird dieBetriebszugehrigkeitsdauerinJahrenalsIndikatorfrbetriebsspezifischesHumankapi-talaufgenommen.UmdieberuflichenQualifikationsanforderungenabbildenzuknnen,wirdzumeinendieerforderlicheAusbildungimausgebtenBeruf(allgemeineQualifi-kationsanforderungen), zum anderen die Information, ob fr dieBerufsausbung spe-zielleLehrgngeoderKurseerforderlichsind(spezifischeQualifikationsanforderungen),kontrolliert.BeideVariablenwerdenimSOEPdirektalsIndividualinformationenerfasst.Organisationsmerkmale. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird den Orga-nisationen eine immer grere Bedeutung fr die Erklrung geschlechtsspezifischerUngleichheitenaufdemArbeitsmarktzugewiesen(Achatz2008; Allmendinger und hinz 2007). Daherwird zum einen dieUnternehmensgre in dieModelle aufgenommen.VerdienstmglichkeiteningrerenUnternehmen,sodieAnnahme,sindhierhheralsin kleinen unternehmen (lengfeld 2010).GleichzeitigarbeitenFrauenhufigerindengeringerentlohnendenkleinerenUnternehmen,eineweitereErklrungsmglichkeitfrdengenderpaygap(Holstetal.2009).Zudemmacht die Forschung deutlich, dassWirtschaftsbranchen zur Erklrung desgenderpaygapbeitragen,dennMnnerarbeitenhufigerindemhherentlohnendenproduzierendenGewerbe,FraueneherimDienstleistungssektor(HolstundBusch2010).Daherwirdkontrolliert,obdiePersonenimproduzierendenGewerbearbeiten,ermitteltanhandderKlassifikationderWirtschaftszweige(NACE).Voneinerstrkerausdifferen-ziertenKategorisierungderWirtschaftsbranchenwurdeaufgrundderhohenMultikolli-nearittmitderVariabledesFrauenanteilsimBerufabgesehen.ZustzlichwirdaberindenModellenkontrolliert,obdiePersoneninderPrivatwirtschaftoderimffentlichenDienstarbeiten.7Weitere Kontrollvariablen. Vor allem fr Frauen werden Familienverpflichtungen alserwerbs- und karrierehinderlich angesehen, in Form eines family gap (Waldfogel1998).Daherwerdenmit demFamilienstand und derAnzahlKinder unter 16 JahrenimHaushaltentsprechendefamilireKontextekontrolliert.WeiterhinmageinebessereBezahlunginMnnerberufenaufdiedortmglicherweisehherenAufstiegschancenundbesser bezahlten Fhrungspositionen zurckzufhren sein.Dass Personen inMnner-berufenhufigerFhrungskrftesindalsPersoneninFrauenberufen,wurdefrDeutsch-landgezeigt(HolstundBusch2010).UmmglicheVerdienstnachteileinFrauenberufenundVerdienstvorteileinMnnerberufenumdiehierarchischePositionderPersonenzubereinigen,wird daher die Fhrungsposition in denModellen bercksichtigt.AnhandderStellungimBerufwerdenalsFhrungskrftehierAngestelltemithochqualifizierten7 DieSpearman-KorrelationzwischendemkategorisiertenFrauenanteilimausgebtenBerufunddemBranchen-DummyProduzierendesGewerbebetrgt inder hier betrachtetenUntersu-chungsgruppe0,4.ZwischendemkategorisiertenFrauenanteilimausgebtenBerufunddemDummyimffentlichenDienstbetrgtdieentsprechendeKorrelation0,1.316 A. BuschTtigkeitenoderLeitungsfunktionenoderAngestelltemitumfassendenFhrungsaufga-benverstanden(HolstundBusch2010).8WeiterhinwirddieInformation,obdiePersoneninOst-oderWestdeutschlandleben,kontrolliert.ZumeinensinddieArbeitsmarktchanceninOstdeutschlandgenerelletwasschlechteralsinWestdeutschland,zumanderensindaberdieArbeitsmarktstruktureninOstdeutschlandalsegalitrerbezglichGeschlechterrollenimVergleichzuWestdeutsch-land anzusehen (Trappe und Rosenfeld 2004; Trappe 2006). Daher knnten in Ost-deutschlanddiegeschlechtsspezifischenVerdienstunterschiedeingeringeremMaealsinWestdeutschlandauftreten.SchlielichwerdendieStellungimBerufunddieNationalitt(deutschversusandere)bercksichtigt.AuchdieUntersuchungsjahre(Jahresdummies)flieenindieAnalyseein.4 MethodenFrdieVerdienstschtzungwerden lineareFixed-Effects-Regressionenberechnet(All-ison2009).SolcheModellebietendenVorteil,diezeitkonstanteunbeobachteteHetero-genittzukontrollieren.DiesbetrifftunbeobachteteMerkmalevonPersonen,dieberden Beobachtungszeitraum nicht variieren, etwa Kohorteneffekte und zeitkonstanteAspekte verinnerlichter Geschlechterrollen, Prferenzen oder Persnlichkeitsmerk-malen. Zum Beispiel knnen sich verinnerlichte Geschlechterrollen ebenfalls auf dieVerdiensteauswirkenundEffekteandererVariablengleichzeitigverzerren.SoknnengeringereVerdienstevonFraueninFrauenberufenauchauf internalisierte traditionelleGeschlechterrollen zurckzufhren sein. Solche traditionellen Geschlechterrollen vonFrauenbegnstigenmglicherweiseeinerseitsihregeschlechtstypischeBerufswahlundsenkenandererseitsihreMotivation,hhereVerdiensteauszuhandeln.MitFixed-Effects-Modellenistesmglich,VerdienstunterschiedezwischenErwerbsttigeninFrauen-undMnnerberufenumsolcheundhnlicheEffektezubereinigen.DasZiel der Fixed-Effects-Modelle ist dieEliminierung der personenspezifischenKonstante, konkret des zeitkonstantenAnteils des personenspezifischen Fehlerterms(frdiedetaillierteHerleitungdesVerfahrens siehemethodischerAnhang).DieseEli-minierungerfolgtdurchDifferenzbildungallerVariablenund(zeitkonstantenundzeit-lich variierenden) Fehlerterme von den jeweiligen personenspezifischenMittelwerten(Allison2009).DadiepersonenspezifischenMittelwertederzeitkonstantenTermemitdenursprnglichenWertenidentischsind,hebensichbeidieserDifferenzbildungsowohldieTermefrdiezeitkonstantenunabhngigenVariablenalsauchfrdiezeitkonstanten8 Unterschiedliche Aufstiegsmglichkeiten knnten auch auf der Berufsebene aufgenommenwerden.DaindervorliegendenArbeitjedochexplizitderhorizontaleAspektderSegregationherausgearbeitetwerden soll unddieFrage imZentrum steht, inwieweit auch jenehorizon-taleberuflicheKomponentezursozialenUngleichheitzwischenFrauenundMnnernbeitragenkann,wurdeindervorliegendenArbeitdaraufverzichtetundnurdieindividuelleFhrungs-positionalsKontrollvariableaufgenommen.ZuknftigeForschungknnteverstrktauchaufdenvertikalenAspektderSegregationeingehen,konkretumdieFrage,inwieweitunterschied-licheAufstiegsmglichkeitenundPrestige-UnterschiedezwischenFrauen-undMnnerberufenzumgenderpaygapbeitragen(z.B.Magnusson2009).317Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation Fehlertermegegenseitigauf;diezeitkonstanteunbeobachteteHeterogenittistdamiteli-miniert.DieKoeffizientenderFixed-EffectsModellezeigenEffekteindividuellerVer-nderungenindenunabhngigenVariablenvonihrenMittelwertenaufVernderungeninderabhngigenVariablevonihremMittelwertberdieZeitauf.9In einem weiteren Schritt wurde eine Oaxaca/Blinder-Dekomposition angewendet(blinder 1973;Oaxaca1973).10MiteinersolchenDekompositionistesmglich,Grup-penunterschiede(hier:zwischenFrauenundMnnern)inderabhngigenVariable(hier:Verdienste)einergenauerenAnalysezuunterziehen.KonkretwirdbeiderOaxaca/Blin-der-DekompositiondergeschlechtsspezifischeMittelwerteunterschiedindenVerdiensten(dergenderpaygap)inzweiKomponentenzerlegt(vgl.zudermathematischenHer-leitungundErluterungauchAchatzetal.2005).DieeineKomponentezeigtdenAnteildesVerdienstdifferenzialsauf,deraufgeschlechtsspezifischeMittelwerteunterschiedeindenbercksichtigtenunabhngigenVariablen(gewichtetmitdemvariablenspezifischenRegressionskoeffizientenderMnner)zurckzufhrenist.ManbezeichnetdieseKom-ponentealserklrtenAnteiloderMerkmalseffektM.ErquantifiziertalsozumBeispieldenAnteildesgenderpaygap,deraufgeschlechtsspezifischeHumankapitalakkumula-tionenoderauchaufdieVerortungvonFrauenundMnnerninunterschiedlichen(hherundgeringerentlohnten)Berufenzurckgeht.DieandereKomponente,dersogenanntenichterklrteAnteil,auchResteffektRgenannt,zeigtdenAnteildesgenderpaygapauf,dernichtaufgeschlechtsspezifischeUnterschiedeindenbercksichtigtenVariablenzurckgefhrtwerdenkann.Er zeigt alsodenAnteil auf, der durchdie unterschiedli-cheEntlohnungderaufgenommenenVariablen(geschlechtsspezifischeDifferenzindenvariablenspezifischenRegressionskoeffizienten,gewichtetmitdemjeweiligenVariablen-mittelwertderFrauen)sowiedurchweitereunbeobachteteMerkmale(geschlechtsspezi-fischeDifferenzindenModellkonstanten)zuerklrenist.MiteinemsolchenVerfahrenkannzusammenfassendaufgezeigtwerden,obdieberuf-licheGeschlechtersegregationeinerseitsunddiegeschlechtlichkonnotiertenArbeitsin-halteandererseitsbedeutsamzurErklrungdesgenderpaygapbeitragen.5 ErgebnisseDeskription. Abbildung 1bildet (gepoolt frdieJahre20002010)diemittlerenStun-denverdienste sowie den gender pay gap fr erwerbsttige Frauen undMnner imerwerbsfhigenAlterab.FrauenweiseneinendurchschnittlichenStundenverdienstvonknapp14auf,Mnnerknapp18.DerUnterschiedindenStundenverdienstenbetrgt9 Aufgrund derAnwendung vonFixed-Effects-Regressionenwurde dieVariable zumFrauen-anteil im ausgebten Beruf, die eigentlich jahresspezifisch ber die Berufe variiert, in eineVariable transformiert, die ber dieBerufe zeitkonstant ist. Fixed-Effects-Modelle beziehenlediglichpersonenspezifischeVernderungenberdieZeitindieModellschtzungein.WrdedieVariablezumFrauenanteilimBerufsowohlberdiePersonenvariierenalsauchberdieZeit,wredergeschtzteEffektnichtmehreindeutigderpersonenspezifischenVernderungzuzuordnen.FrdieTransformationwurde fr jedenBerufderberdieJahredesBeobach-tungszeitraumesberechneteMittelwertbezglichdesFrauenanteilsimBerufapproximiert.10 DieentsprechendenBerechnungenerfolgteninSTATAmitdemado-fileoaxaca(Jann2008).318 A. BuschAbb. 1: ErwerbsttigeimerwerbsfhigenAlter:BruttostundenverdiensteundGenderPayGapinsegregier-tenBerufen,gepoolt20002010.aBruttostundenverdienstenachGeschlecht(MittelwerteinEuro).b gender PayGap(inProzent).(Quelle:SOEP.V2720002010,eigeneBerechnungen) 319Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation alsorund4,unddiemittlerenFrauenverdienstebetragensomitrund76%derMnner-verdienste.Damitliegtdergenderpaygapbeirund24%undentsprichtinetwadenoffiziellenStatistikeninDeutschland(dort23%imJahr2008,vgl.EuropischeKom-mission2010).GleichzeitigvariierendieVerdienstezwischenErwerbsttigeninMnner-,Misch-undFrauenberufen.DiegeringstenVerdiensteweiseninsbesondereFraueninFrauenberufenauf.AllerdingsistderZusammenhangnichtlinear.VorallembeiMnnern,aberauchbeiFrauen,findensichdiehchstenVerdiensteinMischberufen.DiesesErgebnisentsprichtauchanderenStudien,dieaufeineentsprechendeNicht-Linearitt indemZusammen-hangzwischenSegregationundArbeitsmarkt-Outcomeshinweisen(Magnusson2009).EinGrunddafrkanndaringesehenwerden,dassMnnerberufenichtnurhochquali-fizierteBerufeinhohenhierarchischenPositionen,sondernauchgeringentlohnteArbei-terberufebeinhalten.DaskanndenVerdienstmittelwertinMnnerberufenherabsenken.DieVerdienstesinddamitnichtinMnnerberufenamhchsten,wohlaberbesondersfrFraueninFrauenberufenamgeringsten.Eszeigtsichalsodeskriptivein(allerdingsnichtlinearer)ZusammenhangzwischenderErwerbsttigkeitineinemsegregiertenBerufunddemBruttostundenverdienst.AuchsindinFrauenberufendieVerdienstabschlgefrFrauenextremeralsfrMnner:SobetrgtinjenenBerufendergenderpaygap27%,whrenderinMisch-undMnnerberufenzurckgeht(Mnnerberufe:13%).11SolltendieUnterschiedeindenVerdienstenzwischensegregiertenBerufentatschlichdurchgeschlechtlichkonnotierteArbeitsinhaltevermitteltsein,soistzunchstzuklren,obdiegeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhalteberhauptzwischenFrauen-,Misch-undMnnerberufenvariieren.InsgesamtsindgeschlechtsneutraleTtigkeitendominanteArbeitsinhaltebeidenErwerbsttigenimerwerbsfhigenAlter.SiesindbesondershufigfrErwerbsttigeinMischberufenundbesondersseltenfrErwerbsttigeinMnnerbe-rufentypischeArbeitsinhalte.WeiblichkonnotierteArbeitsinhaltefindensichvoralleminFrauenberufenundhchstselteninMnnerberufen.MnnlichkonnotierteArbeitsin-halte sindmeist inMnnerberufen typischeArbeitsinhalte.Hier zeigt sich ein beson-dersdeutlicherAbstandzuMisch-undFrauenberufen.AuchwerdenFachkenntnisseinMathematikamhufigsteninMnnerberufengefordert(Abb.2).Tabelle 2weistanhandvonjeweilsdreibeispielhaftenMnner-,Misch-undFrauenbe-rufennochmalsdiejeweiligenWertederIndikatorenzudengeschlechtlichkonnotiertenArbeitsinhaltenaus.Multivariate Analyse. Tabelle 3zeigtdieDeterminantenderlogarithmiertenBruttostun-denverdienste, basierend auf linearen Fixed-Effects-Regressionen. Die Modelle wur-dengetrenntfrFrauenundMnnerberechnetunddurcheinInteraktionsmodellwurdeermittelt,obsichdieKoeffizientenzwischenMnnernundFrauenbedeutsamvoneinan-derunterscheiden.DieEffektstrkendesModellssindinsgesamtehergering,dennhierwirdlediglichdieVarianzinnerhalbderPersoneninderBerechnungbercksichtigt,also11 MittlereVerdienstewerdenhufiganhandvonMedianendargestellt.FrdieBeschreibungvonEinkommensunterschiedenwirdderMedianalsrobustereGreangesehen,weilerVerzerrun-genminimiert,diesichdurchextremabweichendeWerteergeben.MitdemMedianergibtsichhierabereinvergleichbaresBild(Zahlennichtdargestellt).320 A. BuschAbb. 2: ErwerbsttigeimerwerbsfhigenAlter:GeschlechtlichkonnotierteArbeitsinhalteinMnner-,Misch-undFrauenberufen(Mittelwerte).(Quelle:SOEP.V2720002010,eigeneBerechnungen) Tab. 2: Erwerbsttige imerwerbsfhigenAlter:Beispiele frFrauen-,Misch-undMnnerbe-rufe mit geschlechtlich konnotierten Arbeitsinhalten. (Quelle: SOEP.V27 20002010, eigeneberechnungen)Frauenanteil im berufWeiblicheArbeitsinhalteMnnlicheArbeitsinhalteFachkenntnis-seinMatheneutrale ArbeitsinhalteMnnerberufeDachdecker/in(488)* 1,03 0,08 0,49 0,65 0,58Fleischer/in(401) 9,56 0,21 0,55 0,37 0,39Softwareentwickler/in(775)13,84 0,05 0,36 0,51 0,67MischberufeZahnarzt/ Zahnrztin(842)39,10 0,57 0,59 0,11 0,88Gymnasiallehrer/ in(872)51,98 0,22 0,10 0,31 0,90Verkaufs-, Filialleiter/inimHandel(676)53,68 0,10 0,19 0,30 0,83FrauenberufeAltenpfleger/in(864) 86,37 0,85 0,15 0,06 0,73Erzieher/in(863) 92,60 0,73 0,18 0,06 0,82haus- und Ernhrungswirt-schafter/in(921)94,32 0,48 0,30 0,09 0,47*BerufscodesinKlammern321Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation Modell1FrauenMnner Frauen-MnnerHumankapitalIndividuellHchster berufl.Bildungsabschluss(Ref.:keinAbschluss)berufsausbildung0,0503(1,7748)+0,0650(2,7230)**0,0148(0,3998)FH-/Universittsabschluss0,0384(1,3508)0,0897(3,7622)***0,0513(1,3847)SonstigerAbschluss0,0459(1,4424)0,1197(4,6282)***0,0737(1,8057)+Berufserfahrung(inJahren)0,0479(17,4448)***0,0596(18,6705)***0,0117(2,6863)**BerufserfahrungzumQuadrat0,0007(17,0186)***0,0005(23,0541)***0,0001(2,7117)**Betriebszugehrigkeitsdauer(inJahren)0,0052(7,8327)***0,0036(8,0027)***0,0016(2,0937)*QualifikationsanforderungenErford.AusbildungimBeruf(Ref.:Berufsausbildung)KeineAusbildung0,0559(8,3276)***0,0345(6,6837)***0,0214(2,5583)*FH-/Universittsabschluss0,0480(5,0955)***0,0509(7,3020)***0,0029(0,2492)BesuchvonLehrgngen/Kursenerforderlich0,0082(1,7459)+0,0124(3,6127)***0,0042(0,7346)OrganisationWirtschaftsbranche:ProduzierendesGewerbe0,0311(3,7625)***0,0468(8,3779)***0,0157(1,6106)Unternehmensgre(Ref.:bis19Mitarbeiter)201990,0392(5,9697)***0,0474(8,1990)***0,0081(0,9278)20019990,0704(8,9795)***0,0593(8,6358)***0,0111(1,0616)2000undmehr0,0727(8,8748)***0,0598(8,1924)***0,0129(1,1730)ImffentlichenDienst0,0277(3,9377)***0,0058(0,8321)0,0335(3,3203) ***FamilieVerheiratetzusammenlebend0,0143(1,9087)+0,0206(3,3948)***0,0063(0,6603)AnzahlKinderu.16JahreimHaushalt0,0136(3,6589)***0,0097(3,6016)***0,0040(0,8740)Tab. 3:ErwerbsttigeimerwerbsfhigenAlter:DeterminantenderBruttostundenverdienste20002010.(Quelle:SOEP.V2720002010,eigeneberechnungen)322 A. BuschModell1FrauenMnner Frauen-MnnerKontrollenStellungimBeruf(Ref.:Angestellte)Arbeiter0,0218(2,9068) **0,0279(4,5954) ***0,0062(0,6420)Angestelltemithochqualif.(Fhrungs)Positionen0,0547(6,8278)***0,0735(12,2993)***0,0188(1,9074)+beamte0,0056(0,2359)0,0397(2,2442)*0,0341(1,1612)Selbstndige0,0939(2,6576)**0,1109(2,7392)**0,0170(0,3075)Wohnort:NeueBundeslnder0,1111(4,8213)***0,0606(3,4379)***0,0505(1,7580)+AndereNationalittalsdeutsch0,0339(1,0724)0,0098(0,4481)0,0241(0,6400)BeobachtungsjahrBerufliche VariablenSegregationFrauenanteil imBerufkategorisiert(Ref.:Mnnerberuf)Mischberuf0,0182(2,0394)*0,0115(2,1223)*0,0067(0,6609)Frauenberuf0,0327(3,4822)***0,0185(2,2731)*0,0142(1,1380)Konstante1,8242(48,3867)***1,7103(32,4543)***R-Quadrat(within)0,08230,11490,0963Fallzahlen469445009797041Personen9561981719378Ergebnisse linearerFixed-EffectsModelle.AbhngigeVariable:LogarithmierterBruttostundenverdienst.T-StatistikeninKlammernKontrolliertfrimputierteVerdiensteAbweichungen indenInteraktionstermenvonDifferenzenindenKoeffizientenzwischenFrauenundMnnernsindrundungsbedingt+ p

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