Die Bedeutung des Exterieurs für den Schlachtkörperwert beim Schwein

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  • Aus Licm Inst i tut f u r Tierzucht und Haustiergenetik JEY Universitat Gottingen Direktor: Prof. Dr. I; . Haring

    Die Bedeutung des Exterieurs fur den Schlachtkorperwert beim Schwein

    Von 0. K. PEDERSEN

    Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde in der Schweinezucht die Beurteilung und Zuchtauslese hauptsachlich auf Grund des aufieren Erscheinungsbildes des Tieres vorgenommen. Man erkannte jedoch bald, daf3 es gerade beim Schwein sehr schwer ist, von dem Exterieur auf die Schlachtqualitat zu schliefien. Aus dieseni Grunde ging man allmahlich dazu uber, den Schlachtkorper eines Zucht- tieres nach dem Ausschlachtungsergebnis von seinen Nachkommen zu beurteilen. So wurde in Danemark bereits 1907 die erste Prufungsstation gebaut, in welcher Nachkommengruppen der Zuchttiere auf Mastleistung gepruft wurden und bei der sich nnschlieflenden Schlachtung wurde die Schlachtqualitat an dem geschlachteten Tiere beurteilt. Dieses Verfahren hat sich sehr gut bewahrt und ist Vorbild fur die Nachkommenschaftsprufungen in der ganzen Welt gcworden.

    Diese Prufungen allein genugten aber nicht fur die zuchterische Arbeit; denn 1. die Prufungskapazitat der Stationen in niehreren Landern war nicht groB

    genug, urn von allen in der Zucht verwendeten Tieren Nachkommen- gruppen zu prufen. So hatte man z. B. in Deutschland bis vor wenigen Jahren nur die Moglichkeit, nur einen geringen Prozentsatz der zur Zucht benotigten Tiere zu prufen,

    2. die Prufungen sind Nachkommen- oder Geschwisterprufungen und haben nur beschrankt den Aussagewert wie die eigene Leistung. Es war bisher nicht moglich, das zur Zucht eingesetzte Tier selbst auf seinen Schlachtwert zu prufen; fur ein Merkmal der Mastleistung war es wohl moglich, aber wie bekannt, ist die Mastleistung nicht ausreichend als Selektionsmerkmal. Es ist darum verstandlich, dafi man sich immer wieder bemuhte, Methoden

    zur Beurteilung der Schlachtkorperqualitat am lebenden Schwein zu finden. S o sind im Laufe der Zeit zahlreiche Untersuchungen zu dieser Frage durch- gefuhrt worden, nicht zuletzt auch deshalb, weil man den1 Zuchter zuverlassige MaCstEbe bei der Auswahl seiner Zuchttiere in die Hand geben wollte, damit er nicht ganz blind arbeitet. Leider ist es nicht gelungen, wirklich eindeutige Beziehungen zwischen irgend einem am lebenden Tier feststellbarem Merkmal und dcr Schlachtqualitat zu finden.

    Es sol1 hier versucht werden, eine Obersicht uber die verfugbare Literatur, die sich niit dieser Frage befafit, zu geben. Weiterhin sollen die Grunde dafur aufgezeigt werden, warum es nicht empfehlenswert ist, das Exterieur des Schweines als Kriterium fur die Schlachtqualitat zu betrachten.

    Die meisten Arbeiten befassen sich mit den Beziehungen zwischen Korper- niafien und Schlachtqualitat. Dabei sind vorwiegend Breiten- und Lingenmafie den Betrachtungen zugrunde gelegt, aber auch Kopfmafie (SCHAAF, 24), Schwanzumfang (STOCK, 27) und auch rein subjektive Punktbeurteilungen sind herangczogen worden. Die aus diesen verschiedenen Untersuchungen resultie-

  • 24 Pedersen

    renden Ergebnisse sind nachfolgend summarisch betrachtet, obwohl die Ergeb- nisse oft recht unterschiedlich sind und damit die Gewinnung eines Gesamt- iiberblicks erschwert ist.

    Im groflen und ganzen kann man jedoch sagen, daf3 zwischen dem Fleisch- anteil der Halfte und der Widerristhohe eine positive Beziehung besteht. Fur die absolute und relative Brusttiefe sind die Beziehungen negativ; dasselbe gilt auch fur die Brustbreite und den Brustumfang. Zwischen Korperlange und Ruckenspeckdicke besteht eine negative Korrelation, aber es scheint, dai3 der Einfluf3 der Lange auf die gesamte Fleisch- und Fettmenge des Korpers nicht ganz so gron ist. Tiere mit einem langen Kopf neigen zu starkerer Fleisch- bildung als solche mit eingeknicktem Profil. Fleischwiichsige Schweine haben im allgemeinen einen groi3eren Schwanzumfang. Diese verschiedenen Beziehun en

    sprochen und deshalb hier nur ganz kurz erwahnt. Allen diesen Arbeiten ist gemeinsam, dai3 die gefundenen Korrelationen,

    wenn solche berechnet sind, keine eindeuti e Aussage iiber die wirklichen Be- ziehungen zwischen Korperform und Sch f: achtkorperqualitat geben. Die ge- fundenen Korrelationskoeffizienten schwanken zwischen 0 und 0,s der grof3te Teil aber liegt in dem Bereich zwischen 0 und 0,3.

    Der Aussagewert solcher Koeffizienten ist gering; ein Korrelationskoeffi- zient von 0,3 besagt, dai3 nur go/o der in der Schlachtkorperqualitft beobach- teten Variation auf Variationen in den betreffenden Korpermaf3en beruhen.

    Auch die in den USA durchgefiihrten Untersuchun en uber die Beziehungen

    sind alle ausfuhrlicher in einer Arbeit von KUHN und ROSENHAHN (20) t e-

    zwischen Korpermaflen und ,lean cuts" fuhrten zu a einen hoheren Korrela- tionen.

    Die in Danemark von CLAUSEN (2) durchgefuhrten Untersuchungen uber die Beziehungen zwischen der subjektiven Beurteilung am lebenden Tier und an der Schlachthalfte fuhrten zu folgenden interessanten Ergebnissen: Die von einigen erfahrenen Schweinezuchtern und Schlachtereidirektoren am lebenden Tier durchgefiihrten Beurteilungen brachten keinerlei Ubereinstimmung mit der Beurteilung an der Schlachthalfte. Dieses zeigt, daf3 selbst Spezialisten die Schlachtqualitat am lebenden Tier nur sehr schwer erkennen konnen.

    In einer weiteren Untersuchung beurteilten zwei Assistenten, die uber 20 Jahre in den Mastleistungspriifungsanstalten gearbeitet und wahrend dieser Zeit mehrere Tausend Shweine sowohl im lebenden als auch im geschlachteten Zustand gesehen hatten, die Schweine vor dem Schlachten. Sie sollten Korper- lange, Riickenspeckdicke, Schulter, Schinken und Bacontyp beurteilen. Zwischen dieser Beurteilung und der Beurteilung nach dem Schlachten ergaben sich recht hohe Korrelationen.

    Tabelle 1 Beurteilung der Schlachtqualitat an lebenden Schweinen, verglichcn mit der Beuneilung

    nach dem Schlachten (388 Schweine) (HJALMAR CLAUSEN)

    Eigcnschaft Korrelationskoeffizient

    Ktirperlange ........................................ 0.675*** Huckenspeckdicke ................................... 0,501*** l'unkte fur Schulter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,3985 * Punkte fur Schinken.. ............................... 0,736*** I'unkte fur Bacontyp ................................ 0,613***

  • Bedeutung des Exterieurs f u r den Schlachtkorperwert beim Schwein 25

    Durch die sich uber 20 Jahre erstreckende, darauf aufbauende Erfahrung, jeweils das gleiche Tier lebend und geschlachtet zu sehen, wui3ten die Assistenten aber, dal3 langere Schweine oft dunneren Ruckenspeck haben und dati die Sauen weniger fett sind als die Borge. Sie hatten also auch noch andere Anhaltspunkte als die Korperformen. Unter solchen Bedingungen latit sich mithin schon eine gute Beziehung zwischen der Beurteilung des lebenden und des geschlachteten Tieres finden. Es ergaben sich aber auch grotie Abweichungen; z. B. bekamen 99 Schweine bei der Lebendbeurteilung 13,O Punkte fur Bacontyp, wobei 13 Punkte als sehr gut betrachtet werden. Von diesen 99 Schweinen bekam abcr cins in geschlachtetem Zustand nur 8 Punkte, drei bekamen 10,5, funf Schweine 12 Punkte usw., und ein Schwein erhielt 14,5 Punkte. Trotz der r e h t guten Korrelation, die ja auch nur im Durchschnitt der Population zutrifft, er- geben sich im Einzelfall recht erhebliche Abweichungen, so daf3 die Lebend- beurteilung in jedem Falle unsicher ist.

    Einige in den USA von BRATZLER und MARGERUM (5) durchgefuhrte Unter- suchungen ahnlicher Art brachten fast dieselben Kesultate, 434 Schweine wurden am Markt von Detroit von drei Spezialisten beurteilt, und zwar Korperlange, Ruckenspeckdicke und ,,lean cuts". Nach dem Schlachten wurden dieselben Eigenschaften gemessen bzw. gewogen, und die Berechnung ergab, dai3 es offenbar leichter ist, Schweine mit einem Lebendgewicht von SO bis 90 kg zu beurteilen, als Schweine mit 100 bis 110 kg Lebendgewicht. Die Korrela- tionskoeffizienten schwankten zwischen 0,5 und 0,7 fur die Gewichtsklasse mit SO bis 90 kg und zwischen O,1 und 0,4 fur Schweine, welche 100 bis 110 kg wogen. Dieses Verhaltnis kann eigentlich nicht verwundern, weil die Schweine bei I00 bis 110 kg eine hohere Speckablagerung haben als Schweine mit einem Gewicht von SO bis 90 kg und deshalb bei ihnen die Korperformen weit- gehend durch die Speckauflage verdeckt sind.

    Bisher wurde nicht untersucht, ob zwischen den verschiedenen Korpermafien und der Fleisch-Fett-Flache des Kotelett-Anschnitts eine Beziehung besteht. Eine eigene, im Institut fur Tierzucht, Gottingen, durchgefuhrte Untersuchung ergab, wie es auch zu erwarten war, dal3 zwischen den genannten Merkmalen keine eindeutige Beziehung besteht. Das Material umfal3te 276 Tiere des ver- edelten Landschweins der Mastprufungsanstalt in Friedland. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengestellt.

    Tabelle 2

    Beziehung zwischen KarpermaBen und Fleisch- und Fettflache des KoteIetts (276 vL)

    Korrclii tionskorffizient 1:lcischflitchc 1;ettfliiche

    \Vitlerristhiilie . . . . . . . . . . . . . . . . em - - 0 , l O 13rusttirfc . . . . . . . . . . . . . . . . . . . em - 0.03 Ilrustbreitc . . . . . . . . . . . . . . . . . . ern 4- 0,03 Hrustumfiing . . . . . . . . . . . . . . . . . cm - 0.11 1k-c k(w brri t c . . . . . . . . . . . . . . . . . c rn $- 0.19

    - 0,05 -+ 0.07 -+ 0,11 -+ 0.26 - 0,12

    Man sieht, daf3 auch hier nur eine sehr geringe Korrelation zwischen Mes- sungen am lcbenden Schwein und der Schlachtqualitat besteht. Nur fur Brust- unifang und Fettflache besteht ein einigermaflen gesicherter Zusammenhang. Dieses erscheint verstandlich, weil eine zunehmende Speckablagerung einen grijfieren Brustunifang verursacht.

  • 26 Pedersen

    Zusammenfassend kann man feststellen, da8 zwischen den