Die Bedeutung des Exterieurs für den Schlachtkörperwert beim Schwein

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    03-Oct-2016

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<ul><li><p>Aus Licm Inst i tut f u r Tierzucht und Haustiergenetik JEY Universitat Gottingen Direktor: Prof. Dr. I; . Haring </p><p>Die Bedeutung des Exterieurs fur den Schlachtkorperwert beim Schwein </p><p>Von 0. K. PEDERSEN </p><p>Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde in der Schweinezucht die Beurteilung und Zuchtauslese hauptsachlich auf Grund des aufieren Erscheinungsbildes des Tieres vorgenommen. Man erkannte jedoch bald, daf3 es gerade beim Schwein sehr schwer ist, von dem Exterieur auf die Schlachtqualitat zu schliefien. Aus dieseni Grunde ging man allmahlich dazu uber, den Schlachtkorper eines Zucht- tieres nach dem Ausschlachtungsergebnis von seinen Nachkommen zu beurteilen. So wurde in Danemark bereits 1907 die erste Prufungsstation gebaut, in welcher Nachkommengruppen der Zuchttiere auf Mastleistung gepruft wurden und bei der sich nnschlieflenden Schlachtung wurde die Schlachtqualitat an dem geschlachteten Tiere beurteilt. Dieses Verfahren hat sich sehr gut bewahrt und ist Vorbild fur die Nachkommenschaftsprufungen in der ganzen Welt gcworden. </p><p>Diese Prufungen allein genugten aber nicht fur die zuchterische Arbeit; denn 1. die Prufungskapazitat der Stationen in niehreren Landern war nicht groB </p><p>genug, urn von allen in der Zucht verwendeten Tieren Nachkommen- gruppen zu prufen. So hatte man z. B. in Deutschland bis vor wenigen Jahren nur die Moglichkeit, nur einen geringen Prozentsatz der zur Zucht benotigten Tiere zu prufen, </p><p>2. die Prufungen sind Nachkommen- oder Geschwisterprufungen und haben nur beschrankt den Aussagewert wie die eigene Leistung. Es war bisher nicht moglich, das zur Zucht eingesetzte Tier selbst auf seinen Schlachtwert zu prufen; fur ein Merkmal der Mastleistung war es wohl moglich, aber wie bekannt, ist die Mastleistung nicht ausreichend als Selektionsmerkmal. Es ist darum verstandlich, dafi man sich immer wieder bemuhte, Methoden </p><p>zur Beurteilung der Schlachtkorperqualitat am lebenden Schwein zu finden. S o sind im Laufe der Zeit zahlreiche Untersuchungen zu dieser Frage durch- gefuhrt worden, nicht zuletzt auch deshalb, weil man den1 Zuchter zuverlassige MaCstEbe bei der Auswahl seiner Zuchttiere in die Hand geben wollte, damit er nicht ganz blind arbeitet. Leider ist es nicht gelungen, wirklich eindeutige Beziehungen zwischen irgend einem am lebenden Tier feststellbarem Merkmal und dcr Schlachtqualitat zu finden. </p><p>Es sol1 hier versucht werden, eine Obersicht uber die verfugbare Literatur, die sich niit dieser Frage befafit, zu geben. Weiterhin sollen die Grunde dafur aufgezeigt werden, warum es nicht empfehlenswert ist, das Exterieur des Schweines als Kriterium fur die Schlachtqualitat zu betrachten. </p><p>Die meisten Arbeiten befassen sich mit den Beziehungen zwischen Korper- niafien und Schlachtqualitat. Dabei sind vorwiegend Breiten- und Lingenmafie den Betrachtungen zugrunde gelegt, aber auch Kopfmafie (SCHAAF, 24), Schwanzumfang (STOCK, 27) und auch rein subjektive Punktbeurteilungen sind herangczogen worden. Die aus diesen verschiedenen Untersuchungen resultie- </p></li><li><p>24 Pedersen </p><p>renden Ergebnisse sind nachfolgend summarisch betrachtet, obwohl die Ergeb- nisse oft recht unterschiedlich sind und damit die Gewinnung eines Gesamt- iiberblicks erschwert ist. </p><p>Im groflen und ganzen kann man jedoch sagen, daf3 zwischen dem Fleisch- anteil der Halfte und der Widerristhohe eine positive Beziehung besteht. Fur die absolute und relative Brusttiefe sind die Beziehungen negativ; dasselbe gilt auch fur die Brustbreite und den Brustumfang. Zwischen Korperlange und Ruckenspeckdicke besteht eine negative Korrelation, aber es scheint, dai3 der Einfluf3 der Lange auf die gesamte Fleisch- und Fettmenge des Korpers nicht ganz so gron ist. Tiere mit einem langen Kopf neigen zu starkerer Fleisch- bildung als solche mit eingeknicktem Profil. Fleischwiichsige Schweine haben im allgemeinen einen groi3eren Schwanzumfang. Diese verschiedenen Beziehun en </p><p>sprochen und deshalb hier nur ganz kurz erwahnt. Allen diesen Arbeiten ist gemeinsam, dai3 die gefundenen Korrelationen, </p><p>wenn solche berechnet sind, keine eindeuti e Aussage iiber die wirklichen Be- ziehungen zwischen Korperform und Sch f: achtkorperqualitat geben. Die ge- fundenen Korrelationskoeffizienten schwanken zwischen 0 und 0,s der grof3te Teil aber liegt in dem Bereich zwischen 0 und 0,3. </p><p>Der Aussagewert solcher Koeffizienten ist gering; ein Korrelationskoeffi- zient von 0,3 besagt, dai3 nur go/o der in der Schlachtkorperqualitft beobach- teten Variation auf Variationen in den betreffenden Korpermaf3en beruhen. </p><p>Auch die in den USA durchgefiihrten Untersuchun en uber die Beziehungen </p><p>sind alle ausfuhrlicher in einer Arbeit von KUHN und ROSENHAHN (20) t e- </p><p>zwischen Korpermaflen und ,lean cuts" fuhrten zu a einen hoheren Korrela- tionen. </p><p>Die in Danemark von CLAUSEN (2) durchgefuhrten Untersuchungen uber die Beziehungen zwischen der subjektiven Beurteilung am lebenden Tier und an der Schlachthalfte fuhrten zu folgenden interessanten Ergebnissen: Die von einigen erfahrenen Schweinezuchtern und Schlachtereidirektoren am lebenden Tier durchgefiihrten Beurteilungen brachten keinerlei Ubereinstimmung mit der Beurteilung an der Schlachthalfte. Dieses zeigt, daf3 selbst Spezialisten die Schlachtqualitat am lebenden Tier nur sehr schwer erkennen konnen. </p><p>In einer weiteren Untersuchung beurteilten zwei Assistenten, die uber 20 Jahre in den Mastleistungspriifungsanstalten gearbeitet und wahrend dieser Zeit mehrere Tausend Shweine sowohl im lebenden als auch im geschlachteten Zustand gesehen hatten, die Schweine vor dem Schlachten. Sie sollten Korper- lange, Riickenspeckdicke, Schulter, Schinken und Bacontyp beurteilen. Zwischen dieser Beurteilung und der Beurteilung nach dem Schlachten ergaben sich recht hohe Korrelationen. </p><p>Tabelle 1 Beurteilung der Schlachtqualitat an lebenden Schweinen, verglichcn mit der Beuneilung </p><p>nach dem Schlachten (388 Schweine) (HJALMAR CLAUSEN) </p><p>Eigcnschaft Korrelationskoeffizient </p><p>Ktirperlange ........................................ 0.675*** Huckenspeckdicke ................................... 0,501*** l'unkte fur Schulter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,3985 * Punkte fur Schinken.. ............................... 0,736*** I'unkte fur Bacontyp ................................ 0,613*** </p></li><li><p>Bedeutung des Exterieurs f u r den Schlachtkorperwert beim Schwein 25 </p><p>Durch die sich uber 20 Jahre erstreckende, darauf aufbauende Erfahrung, jeweils das gleiche Tier lebend und geschlachtet zu sehen, wui3ten die Assistenten aber, dal3 langere Schweine oft dunneren Ruckenspeck haben und dati die Sauen weniger fett sind als die Borge. Sie hatten also auch noch andere Anhaltspunkte als die Korperformen. Unter solchen Bedingungen latit sich mithin schon eine gute Beziehung zwischen der Beurteilung des lebenden und des geschlachteten Tieres finden. Es ergaben sich aber auch grotie Abweichungen; z. B. bekamen 99 Schweine bei der Lebendbeurteilung 13,O Punkte fur Bacontyp, wobei 13 Punkte als sehr gut betrachtet werden. Von diesen 99 Schweinen bekam abcr cins in geschlachtetem Zustand nur 8 Punkte, drei bekamen 10,5, funf Schweine 12 Punkte usw., und ein Schwein erhielt 14,5 Punkte. Trotz der r e h t guten Korrelation, die ja auch nur im Durchschnitt der Population zutrifft, er- geben sich im Einzelfall recht erhebliche Abweichungen, so daf3 die Lebend- beurteilung in jedem Falle unsicher ist. </p><p>Einige in den USA von BRATZLER und MARGERUM (5) durchgefuhrte Unter- suchungen ahnlicher Art brachten fast dieselben Kesultate, 434 Schweine wurden am Markt von Detroit von drei Spezialisten beurteilt, und zwar Korperlange, Ruckenspeckdicke und ,,lean cuts". Nach dem Schlachten wurden dieselben Eigenschaften gemessen bzw. gewogen, und die Berechnung ergab, dai3 es offenbar leichter ist, Schweine mit einem Lebendgewicht von SO bis 90 kg zu beurteilen, als Schweine mit 100 bis 110 kg Lebendgewicht. Die Korrela- tionskoeffizienten schwankten zwischen 0,5 und 0,7 fur die Gewichtsklasse mit SO bis 90 kg und zwischen O,1 und 0,4 fur Schweine, welche 100 bis 110 kg wogen. Dieses Verhaltnis kann eigentlich nicht verwundern, weil die Schweine bei I00 bis 110 kg eine hohere Speckablagerung haben als Schweine mit einem Gewicht von SO bis 90 kg und deshalb bei ihnen die Korperformen weit- gehend durch die Speckauflage verdeckt sind. </p><p>Bisher wurde nicht untersucht, ob zwischen den verschiedenen Korpermafien und der Fleisch-Fett-Flache des Kotelett-Anschnitts eine Beziehung besteht. Eine eigene, im Institut fur Tierzucht, Gottingen, durchgefuhrte Untersuchung ergab, wie es auch zu erwarten war, dal3 zwischen den genannten Merkmalen keine eindeutige Beziehung besteht. Das Material umfal3te 276 Tiere des ver- edelten Landschweins der Mastprufungsanstalt in Friedland. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengestellt. </p><p>Tabelle 2 </p><p>Beziehung zwischen KarpermaBen und Fleisch- und Fettflache des KoteIetts (276 vL) </p><p>Korrclii tionskorffizient 1:lcischflitchc 1;ettfliiche </p><p>\Vitlerristhiilie . . . . . . . . . . . . . . . . em - - 0 , l O 13rusttirfc . . . . . . . . . . . . . . . . . . . em - 0.03 Ilrustbreitc . . . . . . . . . . . . . . . . . . ern 4- 0,03 Hrustumfiing . . . . . . . . . . . . . . . . . cm - 0.11 1k-c k(w brri t c . . . . . . . . . . . . . . . . . c rn $- 0.19 </p><p>- 0,05 -+ 0.07 -+ 0,11 -+ 0.26 - 0,12 </p><p>Man sieht, daf3 auch hier nur eine sehr geringe Korrelation zwischen Mes- sungen am lcbenden Schwein und der Schlachtqualitat besteht. Nur fur Brust- unifang und Fettflache besteht ein einigermaflen gesicherter Zusammenhang. Dieses erscheint verstandlich, weil eine zunehmende Speckablagerung einen grijfieren Brustunifang verursacht. </p></li><li><p>26 Pedersen </p><p>Zusammenfassend kann man feststellen, da8 zwischen den Korpermagen und den Merkmalen des Schlachtkorperwertes wohl eine Beziehung besteht, diese aber nicht sehr eng ist. Dazu kommt, daf3 mehrere Arbeiten systernatische Fehler aufweisen. </p><p>Erstens haben mehrere Forscher ihr Material nach der Methode der glei- tenden Mittel in Klassen aufgeteilt und aus der gleich- oder gegensinnigen Ver- schiebung der hierfur errechneten Durchschnittszahlen auf einen Zusammen- hang geschlossen. Das ist wohl richtig, dieses Vorgehen sagt uns aber nichts uber die Variation und nichts daruber aus, mit welcher Genauigkeit man aus dem einen Ma8 auf die anderen Eigenschaften schliei3en kann. Das ist nur mit Hilfe der Kor relationsberechnung moglich, aber auch hier mu8 man bei der Deutung der Korrelationskoeffizienten sehr ihre GroBe beachten. Die statistische Sicherung allein geniigt nicht, sie besagt nur, dafi die efundene Beziehung fur das zugrundeliegende Material im Durchschnitt zutrif B t. Man darf jedoch nicht vergessen, dai3 bei Korrelationskoeffizienten unter 0,5 - wie fruher erwahnt - die regressionsgebundene Varianz der betrachteten Merkmale unter 25 O / o liegt. Zweitens ist das den Berechnungen zugrundeliegende Material vielfach aus mehreren Rassen zusammengesetzt. Melche Unterschiede sich hier ergeben konnen. zeigt die nebenstehende Darstellung aus einer Arbeit von HOLLAND " und HAZEL 71 5) . </p><p>Tabelle 3 Beziehungen zwischen KorpermaRen und Pmzent ,,lean cuts" </p><p>(nach HOLLAND und HAZEL [1958]) </p><p>Korrclationskoeffizient I </p><p>Total I Innerhalb Rassen . - . ~~~~~ </p><p>Korperumfang : 13rust ....................... - 0.49 - - 0.29 Mittc ....................... - 0,60 -- 0,32 1:lanke ....................... - 0.34 -. 0,12 </p><p>Korperlange ...................... + 0820 + 0,03 </p><p>Die Korrelationen sind fur das gesamte Material berechnet, verhaltnis- mai3ig hoch; berechnet man sie aber innerhalb der Rassen, so sinkt ihr Wert auf etwa die Halfte. Das zeigt deutlich, dai3 man ein aus verschiedenen Rassen oder Populationen zusammengestelltes Material solchen Berechnungen nicht zugrundelegen darf. Es ist ebenso fehlerhaft, die bei einer Rasse festgestellten Beziehungen auf eine andere Rasse ubertragen zu wollen. Was fur eine Rasse zutrifft, braucht nicht unbedingt auch fur andere zutreffen. Das gilt nicht nur fur Schweine, sondern auch fur alle anderen Tierarten. Man hat bei den ver- schiedenen Rassen teilweise in ganz verschiedenen Richtungen selektiert: bei den Jersey auf Milchfettproduktion, den Shorthorn auf Fleischproduktion und bei den Schwarzbunten auf beide Nutzungsrichtungen. Bei den Schweinerassen ist es ahnlich. Die danische Landrasse z. B. ist fur Baconproduktion gezuchtet, wahrend das Deutsche veredelte Landschwein eher ein Mehrzweckschwein dar- stellt, und eine Rasse wie die Mangaliza kann nur als Fettschwein angesehen werden. Es ist leicht verstandlich, dai3 Beziehungen, die z. B. fur eine Fleisch- rasse zutreffen, in einer Fettrasse nicht zu finden sein brauchen oder sogar in entgegengesetzter Richtung liegen. Wenn man dann solhe Rassen zusammen- gefai3t auswertet, kann man zu solchen Resultaten kommen. Daf3 es auch </p></li><li><p>Bedeutung des Exterirurs f u r den Schlachtkorperwert beirn Schwein 27 </p><p>zwischen nicht sehr verschiedenen Rassen zu signifikanten Unterschieden kommen kann, zeigt eine Arbeit von FEWSON und LE ROY (6), in welcher so- wohl fur die KorpermaBe als auch fur den Fleischanteil zwischen Hollandischen und Deutschen veredelten Landschweinen signifikante Unterschiede gefunden wurden. </p><p>Die Reproduzierbarkeit der KorpermaBe </p><p>Es ist bekannt, dat3 es nicht ganz einfach ist, Korperniessungen am lebenden Schwein durchzufuhren. Auch das haben FEWSON und LE ROY in der oben grnannten Arbeit untersucht; die nachstehende Tabelle zeigt die gefundene rela- tive Exaktheit. </p><p>Tnbelle 4 Relative Exaktheit der KorpermaBe am lebenden Schwein </p><p>(nach FEWSON und LE ROY) </p><p>l</p></li><li><p>28 Pedersen </p><p>lich damit zusammen, dai3 HETZER et al. die Korperlange vom Ohr bis Schwanz gemessen haben, wahrend FEWSON und LE ROY die Korperlange von der Vorderkante der Schulter bis zum Sitzbein gemessen haben; dieses letztere Mai3 ist sicher mehr von der Stellung des Schweines abhangig als das von HETZER et al. verwendete. </p><p>Die beiden Untersuchungen zeigen aber deutlich, dafl man mit einer Messung allein keine ausreichende Exaktheit erzielt. Man mui3 wenigstens den Durchschnitt aus zwei Messungen nehmen und selbst dann sind die Messungen nicht immer genau genug. </p><p>In den meisten in der Literatur besprochenen Arbeiten ist nicht angegebeu, ob man mit dem Durchschnitt aus mehreren Messungen oder nur mit dem Re- sultat einer Messung gearbeitet hat. Wahrscheinlich spielt es fur die Resultate der durchgefuhrten Berechnungen auch keine groi3e Rolle; es spielt aber eine Rolle, wenn man nach solchen Messungen selektieren will; denn die erste Be- dingung fur einen zuchterischen Erfolg ist, dai3 man die Leistungsmerkmale der Tiere moglichst exakt erfassen kann. </p><p>Diskussion </p><p>Eine objektive Beurteilung der Ergebnisse aus den vielen in der Literatur vor- liegenden Untersuchungen zu der Frage der Beziehungen zwischen Exterieur und Leistungseigenschaften fuhrt zwangslaufig zu dem Schlui3, dai3 das Ex- terieur keine sichere Selektionsbasis fur den Schlachtkorperwert darstellt. In keiner von vi...</p></li></ul>

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