Dr. Bees und Dr. Beeser

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    19-Mar-2017

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<ul><li><p>WAS MMW-LESER ERLEBEN</p><p>rztliche Erfahrung beschrnkt sich nicht auf medizinisches Fachwissen. Sie entsteht auch aus den mehr oder minder alltglichen, heiter, rgerlich oder nachdenklich stimmenden Erlebnissen mit Patienten, Kollegen und Mitarbeitern. Senden Sie uns Ihre Geschichte an: Brigitte.Moreano@springer.com. Fr jeden verentlichten Text erhalten Sie bis zu 100 Euro.</p><p>A. K</p><p>lem</p><p>entie</p><p>v/Fo</p><p>tolia</p><p> Folge 108</p><p>Ists ein Schwan oder ein Fahrrad? Wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, whle ich gern den Weg </p><p>durch den Wald und an den Teichen vorbei. Begegne ich Spaziergngern, Hundebesit-zern oder Joggern, passiere ich diese im Schritttempo, denn die meist zugestpsel-ten, in ihre Musik vertieften Jogger z.B. ten-dieren dazu, gerade zu der Seite auszuwei-chen, auf der man sie gerade berholen will. hnliches gilt fr die alten Damen und Her-ren (am Waldrand liegt ein Altersheim), die, oft mit Rollator, aber anscheinend ohne (eingeschaltetes) Hrgert, den Weg ent-lang schieben. Ein mehr oder weniger er-schrecktes Huch ist hug, ein rgerliches Ja knnse denn nich klingeln!, kommt vor. Amsant ist es, wenn dieses von der (hren-</p><p>den) Begleitung mit einem Hat se doch kommentiert wird, was aber wahrscheinlich ebenso ungehrt verhallt wie zuvor meine Fahrradklingel. </p><p>Bemerkenswert sind auch immer wieder die Hundebesitzer, die, nachdem ihr Hund mich (auch ohne Klingel) schon lngst wahr-genommen hat und zur Seite ausgewichen ist, diesen dann schnell noch zu sich zerren und so die Leine und/oder den Hund quer ber den Weg platzieren.</p><p>Neulich habe ich aber etwas Nettes er-lebt: Ein altes Ehepaar schlenderte ganz ent-spannt am Teich entlang. Die Frau schob ih-ren Rollator und hatte ihr Gesicht dem Teich vor ihr zugewandt, auf dem sich diverse En-ten, Blsshhner und ein Schwanenpaar </p><p>von der Morgensonne bescheinen lieen. Er hatte mich schon von weitem registriert und berhrte seine Frau gemchlich an der Schulter: Da ist ein Fahrrad. Im Vorbeifah-ren hrte ich ihre Erwiderung: Ich glaub eher, das ist ein Schwan, whrend ihr Blick immer noch gerade nach vorn gerichtet war. Vielleicht hat sie mich nicht einmal wahrgenommen. </p><p>Ob und was er darauf gesagt hat, habe ich nicht mehr gehrt. Ich meine aber, hin-ter mir ein leises zweistimmiges Lachen ver-nommen zu haben. Ich jedenfalls bin mit ei-nem Lcheln im Gesicht weiter zur Praxis geradelt. Dr. med. Andrea Linsel, Lneburg </p><p>Dr. Bees und Dr. Beeser Wenn man als gepegter, Hochdeutsch sprechender Nordhesse in Sdhessen prak-</p><p>tizieren mchte (insbesondere in der Dat-terich-und Heinerstadt Darmstadt), dann muss man schon den regionalen Dialekt er-lernen. Habe ich! Zuweilen werde ich jedoch noch korrigiert. </p><p>Sie, achtzig und immer noch blond, kam zum Check-up 35! Es ging ihr wirklich gut, und ich wollte ihr die Wassertabletten ab-setzen, die ihr der Kardiologe vor Kurzem verordnet hatte, da ich keine Indikation fr eine weitere Einnahme sah.</p><p>Sie entgegnete mir jedoch: Nee, Frau Doktor, das kann ich nicht machen. Der Doktor [es handelt sich hier um den Kardio-</p><p>logen] war so bees (auf Hochdeutsch bse), das trau ich mich nicht.</p><p>Da gab's nur eins, der Kardiologe musste getoppt werden. Ich schrie die Patientin an. Und die war daraufhin voll berzeugt. Die Wassertabletten wurden abgesetzt.</p><p>Mein verdutztes Personal, das von mir keine lauten Tne gewhnt ist, eilte mir zur Hilfe. Psychologischer Kunstgri murmel-te ich nur und gab Entwarnung.</p><p>Die Patientin muss kurz vor Weihnachten zur Kontrolle beim Kardiologen. Na, der wird sich aufregen!! Dr. med. Luise Hess, Darmstadt</p><p>10 MMW-Fortschr. Med. 2013; 155 (20)</p><p>GESCHICHTEN AUS DER PRAXIS </p><p>foto</p><p>desi</p><p>gn-je</p><p>gg.d</p><p>e / f</p><p>otol</p><p>ia.c</p><p>om</p></li></ul>