G RAMMATIKTHEORIE UND G RAMMATIKOGRAPHIE 23.11.2009 1

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    05-Apr-2015

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  • G RAMMATIKTHEORIE UND G RAMMATIKOGRAPHIE 23.11.2009 1
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  • K URZE W IEDERHOLUNG sowie einige Ergnzungen 2
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die Abhngigkeit der italienischen Grammatikographie von der Questione della lingua Die Hauptpositionen im ausgehenden 15. sowie im frhen 16. Jahrhundert Anhnger des Lateinischen und Gegner des Volgare (zunehmend in der Defensive) Groe Kenner des Lateinischen und gleichzeitige Anhnger und Frderer des Volgare, wobei unterschiedliche Modelle im Umlauf waren Hfische Koine (lingua cortigiana) Trecento-Florentinisch / -Toskanisch Modernes Florentinisch sonstige 3
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die sozio-kulturellen Voraussetzungen der Questione della lingua Starke dialektale und politische Zersplitterung Italiens Es bildet sich im Gegensatz zu Frankreich und Spanien keine politisches Machtzentrum heraus Die Werke der Trecentisten haben eine identittsstiftende Funktion fr ganz Italien Dante, Boccaccio und Petrarca werden in ganz Italien Rezipiert Nach 1470 werden die Werke in Druckform leicht zugnglich 4
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Diese drei Hauptstrmungen der konkurrierenden Volgare-Modelle finden sich in den Grammatiken des frhen 16. Jahrhunderts wieder, wobei die meisten Grammatiker jener Zeit sich dem Trecento-Modell verpflichtet fhlten Dies trifft sowohl auf die erste publizierte Volgare- Grammatik (Fortunio, Regole grammaticali della volgar lingua, 1516) als auch auf das wohl erfolgreichste Werk der Questione della lingua zu (Bembos Prose della volgar lingua, 1525) 5
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die Einflsse der Questione della lingua zeigen sich bereits in den Anfngen der italienischen Grammatikographie 6
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die Abhngigkeit von der Questione della lingua Metasprachlicher Disput zwischen Leonardo Bruni und Flavio Biondo Leonardo Bruni: Das Volgare existierte bereits in der Antike hat den gleichen Anspruch auf einen Ausbau als Literatursprache wie das Lateinische Flavio Biondo: Das Volgare ist das Produkt einer Sprachmischung aus der Zeit der Vlkerwanderung und daher grundstzlich als Kultursprache diskreditiert 7
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die Abhngigkeit von der Questione della lingua Leon Battista Alberti Das Volgare ist das zwar Produkt einer Sprachmischung aus der Zeit der Vlkerwanderung, kann aber durch das Wirken groer Schriftsteller zur Kultursprache ausgebaut und durch die Existenz Grammatiken reguliert werden zum Beweis verfasste Alberti eine Kurzgrammatik (Grammatichetta toscana Grammatichetta vaticana) des Florentinischen seiner Zeit Alberti kannte zwar die Werke der Trecentisten, wollte aber das Volgare seiner Zeit zur Blte bringen, 8
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Die Abhngigkeit von der Questione della lingua Alberti bertrug die Kategorien der Lateingrammatiken der sptantiken Autoren von Donatus und Priscianus, deren Tradition im Mittelalter im Rahmen der sieben freien Knste fortgesetzt wurde, auf das Volgare Zu diesem Zeitpunkt existierte der Buchdruck noch nicht Die Schrift, die nur in Form einer Kopie aus dem frhen 16. Jahrhundert erhalten ist, hatte keinen Einfluss auf den metasprachlichen Diskurs des 15. Jahrhunderts Sie wurde erst in der Mitte des 19. Jhs. wiederentdeckt und analysiert 9
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE Ohne sich Alberti zum Vorbild zu nehmen, waren gerade in Florenz zahlreiche Literaten, Dichter und Grammatiker der gleichen Ansicht, d.h. sie bevorzugten das lebendige Florentinische Ihrer Zeit gegenber der nunmehr archaischen Sprache der Trecentisten Dies bedeutete jedoch nicht, dass sie die literarische Tradition ignorierten Sie kannten sie zwar sehr gut, wollten sie jedoch nicht als generelles Sprachmodell akzeptieren 10
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE 11 Das Trecento-Modell entwickelte sich in ganz Italien zum dominanten Modell Diesem Modell folgte u.a. die erste gedruckte Grammatik des Volgare, die Regole grammaticali della volgar lingua (1516) des aus Pordenone stammenden Juristen Gian Francesco FORTUNIO
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  • Aufbau der Regole Proemio dellauttore PRIMO LIBRO nome, prenome, uerbo, aduerbio SECONDO LIBRO Lortographia D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE 12
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  • D IE A NFNGE DER ITALIENISCHEN G RAMMATIKOGRAPHIE 13 Trotz zahlreicher Auflagen der Regole bis in die 60er Jahre des 16. Jahrhunderts wurde ein anderes Werk besonders wichtig fr die Verbreitung des Trecento-Modells Pietro Bembos Prose della volgar lingua (1525)
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) 14 Pietro Bembo (* 1470 in Venedig - 1547 in Rom) war die groe Galionsfigur der Befrworter des Trecento-Florentinischen Bembo war jedoch nicht nur Anhnger des volgare, sondern auch ein Experte fr klassische Philologie, der das ciceronianische Latein gegenber eklektischen Varietten verteidigte.
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) Sein erstes Werk, De Aetna (1496), verfasste er in lateinischer Sprache, ebenso seinen Traktat De imitatione (1513), der an Giovan Francesco Pico (1469-1533) gerichtet war. Der aus Venedig stammende Kardinal propagiert in seinen Prose della volgar lingua (1525) explizit Petrarcas Sprache als Norm fr die Lyrik, und Boccaccios Sprache als Modell fr die Prosa. 15
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  • B EMBO UND DAS P RINZIP DER IMITATIO LATEINVOLGARE PROSA CiceroBoccaccio LYRIK VergilPetrarca 16
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) Bereits in seinem Werk Asolani (1505) hatte er seine Sprachtheorie in die Praxis umgesetzt, nmlich durch die genaue Imitation der sprachlichen Formen der Werke Boccaccios. Zum ersten Mal in der italienischen Sprachgeschichte wurde somit der programmatische Versuch unternommen, die Sprache der groen Dichter des Trecento nicht nur in Traktaten zu diskutieren, sondern in einem literarischen Werk wieder zum Leben zu erwecken. Bembo ging es hierbei weniger um die Nachahmung eines bestimmten Stils als vielmehr um die Nachahmung der Grammatikstrukturen sowie des Wortschatzes einer lngst vergangenen Zeit. 17
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) Die Prose haben die Questione della lingua ber das gesamte 16. Jahrhundert hindurch nachhaltig geprgt und der archaischen Literatursprache letztendlich zum Durchbruch verholfen. Bembo lsst in dem Werk vier historische Persnlichkeiten ber die Sprache diskutieren. Jeder Teilnehmer der Gesprchsrunde bernimmt dabei eine bestimmte Position innerhalb der frhen Questione della lingua. 18
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) 19 Das Werk untergliedert sich in drei Bcher mit unterschiedlicher thematischer Schwerpunktsetzung, wobei die Diskussion ber Grammatik- und Wortschatzprobleme den meisten Raum einnimmt.
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) 20 (1) Das erste Buch (Libro primo) enthlt eine sprachphilosophische Einleitung, eine Verteidungung des volgare gegen das von den Humanisten propagierte Lateinische, eine Diskussion ber das ideale volgare sowie eine Polemik gegen die Theorie der lingua cortigiana und gegen das moderne Florentinische.
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) 21 (2) Das zweite Buch (Libro secondo) besteht aus einem historischen Abriss ber die alten Dichter, einer Suche nach der Norm fr das volgare und einer Diskussion ber Dichtung und Metrik sowie ber den Wortschatz der Dichtersprache.
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) 22 (2) Am umfangreichsten ist das dritte Buch (Libro terzo) mit einer Diskussion ber Grammatikprobleme sowie einer Aufstellung von Regeln auf der Grundlage der Werke Boccaccios und Petrarcas (einschlielich einiger anderer nachahmenswerter Autoren des Trecento)
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) Diskussion ber grammatische Phnomene, z.B. ber besondere Formen des Partizips (z.B. cerco = cercato, suto = stato):... perci che se agli altri, che ne hanno cerco, non si dee subitamente credere tutto... (Libro III, 1) Ma de vostri ragionamenti, che fatti vavete, de quali noi niuna cosa sappiamo e nondimeno intendiamo che sono suti cos belli... (Libro III, 2)...qualora io vi rimiro, cotanto dolci sutemi e cotanto care... (Libro III, 27) 23
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525)...oder ber die unberschaubare Formenvielfalt bei den Hilfsverben:...Essendo, che si dice eziandio Sendo alcuna volta nel verso (Libro III, 50); Il qual verbo ha nel passato Fui e Sono stato e Suto, che vale Stato; e nella terza voce del numero del pi Furono, che Fur s detto troncamente, e Furo, che non cos troncamente disse il Petrarca (Libro III, 50); 24
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  • B EMBO, P ROSE DELLA VOLGAR LINGUA (1525) ... e alla terza voce ancora di questo stesso verbo, Ee, che disse Dante ; Di questo verbo pose il Boccaccio la terza voce del numero del meno con quello del pi ne nomi, Gi moltanni dicendo (Libro III, 50); Semo e Avemo, che disse il Petrarca, non sono della lingua, come che Avemo eziandio nelle prose del Boccaccio si legga alcuna fiata, n