Habari 2-06

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Ja h r e s b e r ic Zeitung der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) 21. Jahrgang Nr. 2/06 Fr. 5. 2 0 0 5 h t

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  • HABARIZeitung der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) 21. Jahrgang Nr. 2/06 Fr. 5.

    Jetzt kehren die Wildhunde zurckEin Strom droht auszutrocknen

    Professionalisierte Wilderei

    Jahr

    esbe

    richt

    2005

  • 2 HABARI 2/06

    Habari-ImpressumAusgabe: 21. Jahrgang, Nr. 2/06, Juni 2006Auflage: 3000 ExemplareHerausgeber: Verein Freunde der Serengeti Schweiz (FSS)Sekretariat FSS: Silvia Arnet, Postfach, CH-8952 Schlieren. Tel.: ++41 044 730 75 77,

    Fax: 78, Web: www.serengeti.ch, E-Mail: silvia.arnet@bluewin.ch, PC: 84-3006-4Redaktion: Ruedi Suter, Pressebro MediaSpace, Postfach, CH-4012 Basel,

    Tel.: 061 321 01 16, E-Mail: fss@mediaspace.ch; Monica BornerTitelbild: Wildhund im Serengeti-kosystem. Foto: Gian SchachenmannLeserbriefe: Bitte an die Redaktion. Krzungen vorbehaltenAnzeigen: Beat Germann, Buchrtiweg 4, 8400 Winterthur

    Tel./Fax: 052 213 86 93, Handy 079 291 95 59, E-Mail: b.germann@bluewin.chWissenschaftlicher Beirat: Die Zoologen Monica Borner, Zrich, und

    Dr. Christian R. Schmidt, Frankfurt am Main.Layout: provista concept prepress publishing design, Urs Widmer,

    Lettenweg 118, CH-4123 Allschwil, Tel.: 061 485 90 70, E-Mail: info@provista.chDruck: Schellenberg Druck AG, CH-8330 Pfffikon, Tel. 044 953 11 80Habari-Abonnement im Mitgliederbeitrag inbegriffen.Habari heisst Nachricht auf Kisuaheli. Es erscheint 4x im Jahr.

    Enormes EntwicklungspotenzialLiebe Freunde und Freundinnen der Serengeti Schweiz vor zwlf Jahrenhat sie fr mich begonnen, die Beziehung zu Afrika. Meine Frau Silvia undich wollten uns einen lange gehegten Wunsch erfllen: die Tierwelt Afrikasso ursprnglich wie noch mglich und wenigstens einmal in unserem Le-ben sehen zu knnen. Der Eindruck, den wir auf dieser ersten Safari erhiel-ten, war schlichtweg berwltigend. Kein Wunder, dass diesem erstenBesuch noch viele weitere folgten.

    Schon nach der ersten Reise haben wir uns den Freunden der Serengeti Schweiz ange-schlossen, um am Puls Afrikas und der tansanischen Nationalprke zu bleiben. Damals in-teressierten mich in erster Linie die Wildtiere und weniger unsere Artgenossen. Fr dieMenschen engagierte ich mich ja in der Schweiz, als Arzt in einer Agglomerationsgemein-de. Die Reisen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die mir durch meine Kontakte im FSS ermg-licht wurden, zeigten mir jedoch sehr bald, dass diese romantische Vorstellung, die Men-schen einfach auszublenden, falsch und naiv war. Denn tatschlich gibt es heute in und umdie Prke keine Tierschutzprojekte mehr, die sich nicht gleichzeitig auch mit den beteiligtenEinwohnern oder Park-Nachbarn beschftigen mssen. So durfte ich in Tansania schonverschiedene wertvolle Begegnungen mit Menschen erleben, die vor Ort die gleichen Zieleverfolgen wie wir.Dass ich nun an der letzten Generalversammlung zum Prsidenten des FSS gewhlt wordenbin, freut mich ausserordentlich. Das verantwortungsvolle Amt ist aber auch Verpflichtung,mich mit Energie fr die Ziele des FSS einzusetzen. Dabei werden wir auch knftig froh umIhre Hilfe sein sein: Teilen Sie mir mit, wenn Sie eine Idee fr die Beschaffung von Mittelnhaben! Kontaktieren Sie mich, wenn Sie ber spezielle Beziehungen in Tansania und Ost-afrika verfgen! Melden Sie sich bitte, wenn Sie besondere Leistungen fr unseren FSSerbringen mchten! Sagen Sie mir aber auch, was Sie vom FSS erwarten und wo wir IhrerAnsicht nach neue Schwerpunkte setzen sollten.Ich wnsche mir einen lebhaften Verein, in dem sich die Mitglieder vermehrt auch unter-einander kennen. Denn ich bin davon berzeugt, dass in unserer Organisation ein enormesEntwicklungspotenzial steckt. Wir mssen es nur nutzen! Gemeinsam und im Wissen,dass unser Engagement notwendiger denn je ist. Beni Arnet, Prsident FSS

    Editorial

    VON MONICA BORNER*

    Januar 2006. In Ostafrika ist die kurzeRegenzeit ausgeblieben. Drre. Ich kannmich nicht an eine hnliche Trockenheiterinnern. Der Boden ist blank und kahl,wie Zwieback, ohne Blatt oder Halm.Ein staubiger Dunst trbt die Sicht. DasEinzige, was sich bewegt, ist eine Staub-hose, die mit grosser Geschwindigkeitber die kahle Ebene wirbelt. Wir sindunterwegs von Iringa nach Mbeya imSdwesten Tansanias. Hier befindet sich

    * Monica Borner ist Zoologin und langjhri-ges Mitglied des FSS-Vorstands. Sie lebte 12Jahre in Tansania. Nach vielen Jahren als Afri-ka-Verantwortliche beim WWF Schweiz arbei-tet sie heute als freie Beraterin fr Umwelt-und Entwicklungsprojekte.

    Aufgeschreckte Krokodileam Ruaha-Ufer.

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    Inhaltsverzeichnis

    Rettungsstrategien: Die Fluten des Grossen Ruaha versiegen 2

    Jahresbericht 2005: Mehr Hilfe fr den Tarangire-Nationalpark 7

    Erkenntnis: Insekten leisten unbezahlbare Beitrge an die Volkswirtschaft 10

    Killed in action: Der traurige Tod des Emmanuel Muyengi 12

    Warnung: Interpol warnt vor der Professionalisierung der Wilderei 13

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    das Einzugsgebiet des Grossen Ruaha,eines der wichtigsten Flsse des Landes.Wir sind zu fnft unterwegs, ich bindie einzige Europerin und die einzigeFrau. Die Stimmung im dicht gepack-ten Auto ist locker und angeregt. MeineGefhrten sind Washington Mutayobavom Ministerium fr Wasser, ClaudeMungongo, Soziologieprofessor derUniversitt Dar-es-Salaam, Petro Ma-solva, der WWF-Projektleiter, und JohnMwasampeta, der Fahrer. Unsere Auf-gabe ist abzuklren, ob das Ruaha-Was-serprojekt des WWF seine Wirkung tut.Das ehrgeizige Projekt hat zum Ziel, denGrossen Ruaha wieder rund ums JahrWasser fhren zu lassen.Denn seit ber zehn Jahren bleibt derFluss im Nationalpark jedes Jahr immerlnger trocken etwas, was in den bervierzig Jahren zuvor nie vorgekommen

    ist. 1993 waren es drei Wochen gewe-sen im Jahr 2000 bereits drei Mona-te! Die Grnde dafr sind bekannt: ver-schwenderische Bewsserungsprojektein der Ebene, die Abholzung und derzerstrerische Ackerbau im Hochland.Das Einzugsgebiet des Grossen Ruahaist etwa doppelt so gross wie dieSchweiz. Hier leben ber drei MillionenMenschen. Die kleinen und grossenZuflsse entspringen in den Livingsto-ne- und Kipengere-Bergen im SdwestenTansanias. Sie fliessen ins Usangu-Feuchtgebiet. Dieses nimmt das Wasserwie ein Schwamm auf und gibt es bersJahr hinweg langsam wieder ab. So wirdder Grosse Ruaha auch whrend derTrockenzeit vom Feuchtgebiet mit Was-ser versorgt. Aus Usangu heraus fliesstder Grosse Ruaha durch den nach ihmbenannten Nationalpark, dessen Le-

    bensader er ist. Elefanten, Bffel undviele andere Huftiere kommen whrendder Trockenzeit hierher, um Wasser zutrinken. In seinem weiteren Verlauf wirdder Fluss schliesslich am Mtera-Dammgestaut und sorgt fr den Betrieb einesder wichtigsten Wasserkraftwerke desLandes.

    Jeder denkt nur an sich

    Seit ber zehn Jahren sind das Problemund seine Ursachen bekannt. Doch nie-mand tut etwas. Ich muss an die Schweizdenken, wo das Hinausschieben auchnicht anders ist. Mutayoba weist dieSchuld den Politikern zu: Sie habeneben keine gemeinsame Vision. Jederdenkt nur an seine eigenen Interessen.Krzlich sagte doch der Landwirt-schaftsminister zu den lokalen Bauern:

    U M W E L T

    Das Trinkwasser wird auch fr die Wildtiere knapp

    Die Fluten des Ruaha-Flussesversiegen

    Wasser wird zur Mangelware. Auch in Ostafrika, wie das Beispieldes mchtigen Ruaha-Flusses in Tansania zeigt. Doch wohinverschwindet das fr Mensch und Tier lebensnotwendige Nass?Eine Antwort liegt im Einzugsgebiet des Grossen Ruaha.

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    Solange es Feuchtgebiete gibt, die manin Reisfelder umwandeln kann, msstihr nicht ber Hunger klagen! Der-weil ist es fr den Energieminister undden Direktor der Nationalparkbehrdeklar, dass das Usangu-Feuchtgebiet wie-der besser bewssert werden muss, umden Nationalpark mit seiner Vielfalt,aber auch die Wasserzufuhr fr dieKraftwerke zu sichern.Glcklicherweise gibt es auf politischerEbene eine Stelle, die hier die Koordi-nation und Leitung bernehmen muss:Im Office des Vizeprsidenten ist dasMinisterium fr Umwelt angesiedelt,das ber allen anderen Ministerien steht.Denn fr die neue, seit Januar 2006amtierende Regierung von Jakaya Kik-wete (vgl. HABARI 1/06) sind Schutzund nachhaltige Nutzung der Natur undderen Ressourcen eines der oberstenGebote. Dazu gehrt auch das Wasser.Schutz und Wiederherstellung des Ein-zugsgebiets des Grossen Ruaha und die

    Sicherstellung eines ganzjhrigen Fliess-wasserpegels sind fr die Staatsregie-rung vordringlich.

    Selbsthilfe im Hochland

    Projektleiter Petro kmmerte sich zuerstum die Probleme im Hochland. Hier, inder Gegend um Mufindi, wird der Teevon Chai Bora angebaut. Es gibt aberauch riesige Baumplantagen fr Bauholzoder fr die Gewinnung von Rinden-gerbstoffen. Die kleinen Weiler stehenoft am Rand von Quellen und Bchen,den Anfngen des Einzugsgebiets fr denGrossen Ruaha. Die meisten Menschenleben hier unter der Armutsgrenze. Siesind Selbstversorger und fr den Gedeihihrer Kulturen vom Regen abhngig. Dahaben ein paar schlaue Kpfe heraus-gefunden, dass man die kleinen Bach-lufe und Flussauen bepflanzen kann.So wird alles Wasser ausgenutzt, derMais gedeiht, auch wenns nicht regnet.

    Wenigstens in der ersten Zeit, meintPetro. Dann versickert das Wasser all-mhlich, und die Bewohner weiter un-ten im Tal haben nichts mehr davon. Undsollte noch ein Rinnsal vorhanden sein,waschen sie darin ihre Kleider aus undverschmutzen den Rest.Um zu etwas Geld zu kommen, holzendie Bauern zudem die Bergflanken abund machen Holzkohle. Nachdem dasProblem erkannt war, begann Petro, zu-sammen mit der lokalen Bevlkerungumweltvertrglichere Einkommens-Al-ternativen zu entwickeln. Honigproduk-tion, Kleintierhaltung und Obstkulturenzeigen inzwischen erste Erfolge. DasProjekt finanzierte Bohrlcher und Re-genwassertanks zur alternativen Wasser-versorgung. Ausserdem wurde viel Zeitin die Aufklrungsarbeit investiert, dennes war wichtig, den Menschen klar