Haiku Unterrichtsentwurf

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    07-Jun-2015

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<p>Unterrichtsentwurf</p> <p>Manuel Mauch</p> <p>HaikuEin Entwurf fr eine 6. Klasse der Realschule im Fach Deutsch</p> <p>Produktiver Umgang mit Literatur im Unterricht Ein Haiku schreibenKlopstockstrasse 14 72770 Reutlingen 07121/3016806 mauchmanuel@gmail.com</p> <p>21. April 2008</p> <p>Inhaltsverzeichnis1.Allgemeine Angaben...........................................................................................3 2.Didaktische berlegungen..................................................................................4 2.1.Lernvoraussetzungen ...................................................................................4 2.1.1.Schulische Einrichtung............................................................................4 2.1.2.Allgemeine Lernvoraussetzungen der Klasse..........................................4 2.1.3.Lernvoraussetzungen in Bezug auf das Thema.......................................5 2.2.Thema des Unterrichts..................................................................................5 2.2.1.Bezug zu den Bildungsstandards............................................................5 2.2.2.Sachliche berlegungen..........................................................................6 2.2.3.Didaktische Analyse................................................................................9 2.3.Angestrebte Kompetenzen und Ziele..........................................................12 2.3.1. Zentrales Anliegen der Stunde.............................................................12 2.3.2. Teilziele................................................................................................12 3.Methodische Analyse................................................................................ .........14 4.Unterrichtsskizzierung ........................................................................................................ .....................18 5.Literaturverzeichnis................................................................................. ..........21 6.Anhang........................................................................................... ...................22 Was ist ein Haiku?................................................................................................ .23</p> <p>2</p> <p>1. Allgemeine AngabenThema: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht Ein Haiku schreiben 21. April 2008 Manuel Mauch Realschule Bildungszentrum Seeflle Bonlanden 6a Hr. Hermann Harter</p> <p>Datum: Name: Schule: Klasse: Mentor:</p> <p>Fachdidaktikleh Hr. Jochen Wandel rer:</p> <p>3</p> <p>2. Didaktische berlegungen2.1. Lernvoraussetzungen2.1.1.Schulische Einrichtung Die Realschule Bildungszentrum Seeflle Bonlanden unter Rektor Thomas Dreher wird zurzeit von etwa 500 Schlern1, die von 33 Lehrkrften betreut werden, besucht. Im Bildungszentrum sind zustzlich eine Hauptschule und eine Grundschule integriert. Das Einzugsgebiet der Schule umfasst, neben Filderstadt selbst, hauptschlich die angrenzenden Ortschaften Plattenhardt, Bernhausen, Sielmingen, Harthausen und Aichtal. Die Realschule ist 2 -zgig und von den rumlichen Gegebenheiten beinahe voll ausgelastet. Die Klassenzimmer sind hufig recht klein, die Klassenstrken jedoch nah am Klassenteiler.</p> <p>2.1.2.Allgemeine Lernvoraussetzungen der Klasse Die Klasse 6a ist mit ihren 33 Schlern eine belebte Klasse und setzt sich aus 21 Jungen und 12 Mdchen zusammen. Insgesamt ist die Klasse sehr lebhaft, was sich teilweise auch auf die Konzentration im Unterricht auswirkt. Im Deutschunterricht arbeitet die Klasse motiviert mit. Die Klasse ist vertraut mit verschiedenen Arbeits- und Sozialformen, doch konnte ich beobachten, dass sich in Gruppenarbeitsphasen des fteren Probleme zwischenmenschlicher Natur ergeben. Die Leistungen der Schler sind im Allgemeinen gut, natrlich gibt es aber auch einige schwchere Schler. Die Beteiligung am Unterricht ist zufriedenstellend, die Klasse zeigt eine mittelmig bis gute Arbeitsmoral. In Bezug auf die Arbeitstempi der Klasse konnte ich keine nennenswerten Beobachtungen machen, insgesamt ist das Lerntempo angemessen.</p> <p>1</p> <p>Mit der Bezeichnung Schler sind im gesamten Dokument sowohl Schlerinnen als auch Schler gemeint. Ich habe auf diese Vereinfachung zurckgegriffen um den Lesefluss nicht zu behindern. Die Aussagen beziehen sich selbstverstndlich auf beide Geschlechter.</p> <p>4</p> <p>Sotiris ist ein durchschnittlicher, aber sehr lebhafter, Schler. Teilweise durch bermotivation strt er ab und zu den Unterrichtsverlauf. In diesem Fall mssen ihm hin und wieder die Grenzen aufgezeigt werden. hnlich verhlt es sich mit Nick. Er versucht sich stets in das Unterrichtsgeschehen einzubringen, vergisst dabei aber des fteren sich zu melden. Wird er daraufhin ermahnt, sieht er sein Fehlverhalten aber meist sofort ein. Peeches ist der heimliche Star der Klasse und mimt hin und wieder den Klassenclown. Er wirkt uerlich teilweise unmotiviert, seine Beitrge sind aber meist von guter Qualitt.</p> <p>2.1.3.Lernvoraussetzungen in Bezug auf das Thema Bereits in der Grundschule und Klasse 5 haben die Schler verschiedenste Gedichte und Gedichtarten kennengelernt, beispielsweise kennen die Schler die Gedichtform Elfchen und knnen sie auch benennen. Des Weiteren haben die Schler einige Arten des produktiven oder handlungsorientierten Umgangs mit Gedichten kennengelernt. Sie knnen Gedichte (nicht nur an ihrer ueren Form) erkennen und wissen, dass die Zeilen im Gedicht als Verse bezeichnet werden. Ebenso ist den Schlern bekannt, dass Gedichte oft einen strophenartigen Aufbau besitzen. Mit Haikus im Speziellen drften die Schlern nicht vertraut sein. Da die Schler aber verschiedene Grundschulen besucht haben, ist nicht auszuschlieen, dass einige bereits Erfahrungen mit Haikus gemacht haben. Bezglich des kognitiven Entwicklungsstandes und den psychomotorischen Voraussetzungen sind die Schler durchaus in der Lage, einfachere Gedichte zu verstehen und kreativ, produktiv und handlungsorientiert damit umzugehen.</p> <p>2.2. Thema des Unterrichts2.2.1.Bezug zu den Bildungsstandards Ein Haiku, als japanische Sonderform eines Gedichts, ist in vielfltiger Weise in den Bildungsstandards integriert und trgt so allen Grundkompetenzen Rechnung. Rhetorische Mittel, zentrale Bausteine von Gedichten, zu erkennen, erfordert und frdert gleichermaen die Kompetenz zur Kommunikation2. In2</p> <p>vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 48.</p> <p>5</p> <p>Schreibprozessen</p> <p>setzen</p> <p>sich</p> <p>die</p> <p>Schler</p> <p>phantasievoll</p> <p>gestaltend</p> <p>mit</p> <p>Wirklichkeiten auseinander und korrigieren durch berarbeitungsstrategien ihre Texte mit dem Ziel, ihre eigene Ausdrucksfhigkeit zu verbessern. Dabei wird die Kompetenz Welten, zur eigenverantwortlichen ihren Gestaltung von Schreibprozessen Vorstellungen und gesteigert3. Beim Lesen von Gedichten erschlieen sich die Schler andere erweitern Erfahrungshorizont, entfalten entwickeln ein sthetisches Bewusstsein. Die Lesekompetenz wird weiter gefrdert durch die Auseinandersetzung mit Gedichten, worin die Schler ihre eigenen Probleme und Wnsche finden.4 Am Ende von Klasse 6 sollen Schler in der Lage sein, Texte sthetisch gestaltend zu prsentieren. Ebenso sollen sie ihre eigenen Wnsche und Gedanken verstndlich ausdrcken knnen.5 Die Schler sollen unter Bercksichtigung eines Schreibziels eigene Texte verfassen und diese eigenverantwortlich planen und gestalten. Dazu sollen sie Texte auch hinsichtlich der Form, des Inhalts und der Formulierung berarbeiten.6 In Bezug zum Umgang mit Texten sollen Schler Gedichte hinsichtlich Form, Inhalt und Sprache erfassen, verstehen, reflektieren und bewerten. Des Weiteren sollen sie im produktiven Umgang Texte aus und umgestalten. Darber hinaus knnen Gedichte das Leseinteresse wecken beziehungsweise steigern. Die Schler sollen dabei ausgewhlte lyrische und epische Texte und deren Merkmale kennen.7 Anhand von Gedichten knnen Funktionen der Grundwortarten dargestellt und herausgearbeitet werden, was das Sprachbewusstsein weiter entwickelt. Ebenso erweitern Schler durch Gedichte ihren Wortschatz.8</p> <p>2.2.2.Sachliche berlegungen</p> <p>3</p> <p>vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49. 4 vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49. 5 vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49. 6 vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49. 7 vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49. 8 vgl. Ministerium fr Kultus, Jugend und Sport Baden-Wrttemberg (2004): Bildungsplan fr die Realschule. S. 49.</p> <p>6</p> <p>Da eine umfassende Bestimmung des Begriffs Gedicht den Rahmen dieses Entwurfs sprengen wrde, versuche ich mich im folgenden Abschnitt kurz zu fassen. Flschlicherweise werden Gedichte meist nur der Grundgattung Lyrik zugeordnet. Tatschlich ist es aber so, dass Gedichte in allen drei Grundgattungen der Literatur (Lyrik, Epik und Drama) vorkommen.9 Der Duden beschreibt das Gedicht als [Lyrische] Dichtung in einer bestimmten [metrischen] Form mit besonderem Rhythmus [und Reim]10. Der Begriff Gedicht, abgleitet von Dichtung, bezeichnet keine eigene Textsorte,11 er ist von der Systematik der Textsorten her nicht zu bestimmen. Sozusagen aus Tradition wird ein Gedicht als kurzer Verstext im Sinne einer Ballade oder von Lyrik verstanden. Ein Gedicht lsst sich als ein besonders reich und dicht strukturierter Text beschreiben12, bei dem die allgemeinen syntaktischen und grammatischen Regeln auer Kraft gesetzt sein knnen sowie auch Abweichungen von der Alltagssprache auftreten knnen. Ebenso kann auf Satzzeichen verzichtet werden, diese werden allerdings oft verwendet, um bestimmten Dingen einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Da diese Merkmale auch gewhnliche lyrische Texte beschreiben knnen, wird fters in Gedichten besonderer Wert auf das Metrum gelegt, trotzdem ist hufig die Rede von einer allgemeinen Lyriktheorie13 . uerlich werden Gedichte meist in mehrere Strophen eingeteilt, die noch einmal in Verse unterteilt sind. Inhaltlich und semantisch werden diese Verse meist durch Reime, (wobei sich jeweils die letzten Worte eines Verses reimen,) wie Paarreim (aabb), Kreuzreim (abab) oder umarmender Reim (abba), verbunden, allerdings knnen auch Mischformen der genannten auftreten. Stilmittel finden besonderen Ausdruck in Gedichten. Diese werden meist geschickt genutzt, um semantische Zusammenhnge zu verdeutlichen, Schwerpunkte zu setzen und Eindrcke zu verstrken. Stilmittel wren beispielsweise Metapher (bildhafter Ausdruck),9</p> <p>Goethes Drama Faust und zahlreiche epische Erzhlungen sind beispielsweise in Gedichtform verfasst worden. 10 vgl. http://www.duden.de 11 Lange, Gnther / Neumann, Karl / Ziesenis, Werner (Hrsg.) (8/2003): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Literaturdidaktik. Band 2. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. Mnchen. 12 Lange, Gnther / Neumann, Karl / Ziesenis, Werner (Hrsg.) (8/2003): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Literaturdidaktik. Band 2. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. Mnchen. 13 Lange, Gnther / Neumann, Karl / Ziesenis, Werner (Hrsg.) (8/2003): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Literaturdidaktik. Band 2. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. Mnchen.</p> <p>7</p> <p>Anapher (Wiederholung eines Satzteils in zwei aufeinander folgenden Stzen), Personifikation (Vermenschlichung), Alliteration (gleicher Anfangsbuchstaben von mehreren Wrtern), Zeilensprung (semantische Einheit reicht ber einen Vers hinaus, springt sozusagen in die nchste Zeile), Ellipse (unvollstndiger Satz) oder die rhetorische Frage (Frage, bei der man die Antwort nicht erwartet). Auerdem sind Gedichte oft an ein genaues Metrum (lat. metrum: Versma14) gebunden, das nur gebrochen wird, um den Inhalt besonders zu betonen. Da, wie bereits erwhnt, in Gedichten die syntaktischen und grammatischen Regeln nicht beachtet werden mssen, wird besonders hufig mit Stilmitteln gearbeitet. Die Dichter verwenden diese meist als erweiterte Sinntrger des Inhalts und verdeutlichen damit mal mehr, mal weniger, wichtige Textstellen. Haikus beschreiben eine typisch japanische Form von lyrischen Kurzgedichten ohne Titel mit langer Tradition und besonderer Form und beschreiben blicherweise Naturbilder, Naturstimmungen, Naturerscheinungen oder einen Augenblick in einer Jahreszeit. Oft handeln sie auch von Pflanzen oder Tieren. Traditionell und im Idealfall besteht ein Haiku aus zwei kontrastierenden Empfindungen. Die eine beschreibt den Raum und/oder die Zeit, die andere eine lebendige, aber flchtige Beobachtung. Diese Empfindungen sollen in ihrer Entgegensetzung den Gedankenfluss des Lesers anregen. Der Dichter kommentiert die Verbindung jedoch nicht, sondern berlsst die Synthese dieser Vorstellungen allein dem Leser.15 Moderne Haikus unterstehen nicht mehr dem Zwang Empfindungen einzufangen, jedoch entfalten Haikus meist nur dann ihr wahres Potenzial. Das wohl berhmteste Haiku stammt von dem japanischen Dichter Matsuo Bash aus dem 17. Jahrhundert: Der alte Weiher: Ein Frosch springt hinein. Oh! Das Gerusch des Wassers. 16 Anders als beispielsweise das Sonett unterliegt ein Haiku keinem Reimschema, auch gibt es kein einheitliches Metrum. Allerdings haben moderne Haikus seit Ende des 17.Jahrhunderts eine feste uere Form und werden auf drei Verse unterteilt. Dabei enthlt der erste Vers fnf Silben, der zweite Vers sieben Silben</p> <p>14 15</p> <p>vgl. www.duden.de vgl. Microsoft Encarta (2007). 16 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Haiku</p> <p>8</p> <p>und der dritte Vers wieder fnf Silben, Zeilensprnge sind dabei mglich. (Das genannte Haiku von Matsuo Bash unterstand noch nicht dieser Form.) Beispiel eines Frhlingshaiku von www.fotohaiku.com: Blten laden ein, ffnen weit ihre Tore fr Frhlingsgste. (erster Vers mit 5 Silben) (zweiter Vers mit 7 Silben) (dritter Vers mit 5 Silben)</p> <p>Fr die Stunde selbst soll nur die Unterteilung in Verse und die Anzahl der Silben eine Rolle spielen, um die Schler nicht zu berfordern.</p> <p>2.2.3.Didaktische Analyse Schon Pielow vermutete 1985, dass eine runde Gedichtstunde keine gute17 sein knne. Seine These sttzt sich auf die allgemeine Offenheit und Vieldeutigkeit eines Gedichts, sowie dessen Rezeption, was seine These glaubhaft erscheinen lsst. Eine Interpretation ist nie vollstndig, ja sie kann sogar nie vollstndig sein. Dies resultiert schon allein aus der Tatsache, dass jeder Leser individuell interpretiert und jedes neue Lesen eine neue Interpretation mit sich bringt, beziehungsweise bringen kann. Genau darin liegt das Problem, eine gute Gedichtstunde zu planen - versucht man ein Gedicht nahezu vollstndig auszuschpfen, oder bricht man "zwischendurch ab und lsst die Schler sozusagen im Stich? Da ich mich fr einen produktionsorientierten Zugang entschieden habe, spielt die In...</p>