meins-magazin Heft 4 ǀ Ausgabe 01/09

  • View
    547

  • Download
    0

Embed Size (px)

Transcript

Heft 4 Ausgabe 01/09 www.meins-magazin.de 3 03/08

flippt

aus

meins

Inhalt

{

So ein Quatsch, Lukas nimmt es dafr umso ernster, Ich glaub immer noch, der trainiert fr irgendwas und muss da eine genaue Zeit oder Strecke einhalten. Vllig bescheuert ist der, mischt sich Hendrik kopfschttelnd ein. Oder es ist was Religises fngt Jan wieder an, Jede Runde ist ein Gebet, so eine Art

Feinsinn

04 06 08 24 24 25 28 29 31 31 32 34 38 40 42 43 46 48 52

Des Wahnsinns fette Beute Die Gunst des Bleichmittels Fotostrecke: Streetart Feuchtwarmes Schwitzen fr das Wohlbefinden Die 7 Todsnden in der Sauna Saunatipps fr Anfnger Tafelberg und Cape Flats Ivankas Reisetipps Kapstadt Karibu! Wilkommen! Welt der Wunder Presenting AEGEE / European Students Forum Lima - Stadt der Gegenstze Bandportrait Sprachkunst Viva Colonia Skurril gehts zu im blauen Zelt Klettern 10. Tanztheaterwoche an der SpoHo Did change happen?

Fitness-Buddhismus. Seine Synapsen schieen quer. Das ist so ein Bankenheini, dem in letzter Zeit die Sicherungen durchgebrannt sind. Vllig Gaga. Fr Hendrik ist der Fall klar. Ach komm, du kannst doch niemanden fr verrckt erklren, nur weil er im Kreis fhrt protestiert Lukas. Klar kann ich das. Tut mir ja leid, aber es gibt keinen vernnftigen Grund stundenlang im Kreis zu fahren.

Lebensecht

Fernsicht

ZeitGeist

Krper Kultur Staatskunst

{FernSicht

2

Inhalt

3

DesWahnsinns fette BeuteZu einem glcklichen Umstand gehrte, dass sie sich kennen gelernt hatten. Es schien perfekt, sie waren verliebt; es sollte fr immer sein.

Deine Traumfrau: Eigentlich ist sie der liebste, klgste Mensch der Welt. Innerhalb krzester Zeit hat sich aber alles verndert. Brllend reit die Sucht ihr Maul auf und zeigt ihre hssliche Fratze. In deinem Traumsternenhimmel klafft jetzt ein riesiges Loch, dessen Rnder sekndlich weiter auseinander driften. Du versuchst, es nicht zu sehen. Du verwendest all deine Energie darauf, es weiterhin nicht wahrzunehmen. Verbissen und mit vor Anspannung zitternden Muskeln lchelst du dein Lcheln. Du inszenierst dir deine Wirklichkeit so, wie du sie haben willst. Wehe, jemand will sie schlecht reden. Die anderen sind allesamt dreckige Lgner, die dir dein Glck nicht gnnen. Manchmal denkst du dir auch: Ach, der eine Riss, das kann meinem Himmel nichts anhaben. Das gleiche denkst du beim nchsten Mal und dann wieder. Danach noch mal. Du sagst dir: wenn mit ihr wirklich etwas Schlimmes passiert, werde ich schon am richtigen Ort sein; ich werde mich darum kmmern. Das beruhigt dich erst mal wieder. Du merkst langsam, dass du dich nicht mehr frei fhlst. Stndig gibt es irgendetwas zu tun und du kannst keine Minute ruhen, ehe du dich nicht darum gekmmert hast. Trotzdem wirst du nie fertig. Du verstehst nicht, was passiert. Du strengst dich mehr an, als du es jemals fr mglich gehalten httest. Deine Bemhungen scheinen immer nur das Gegenteil zu bewirken. Eines Tages hat sie dann die Schwelle berschritten. Sie ist ihm einfach so vor seinen Augen entglitten. Er steht alleine da, mit sich. Er erkennt sich aber nicht wieder.

Foto:

Maiko Henning

Johanna Regenhard

Feinsinn

Feinsinn

Foto:

Maiko Henningnoch jemand hier. Der Typ ist aber so sehr in seine Ttigkeit vertieft, dass er berhaupt keine Notiz von den beiden nimmt. Was glaubst du, macht er da? fragt Jan. Lukas zuckt mit den Achseln. Wahrscheinlich trainiert er einfach nur. Trainieren? Wofr denn? Die Hamsterradmeisterschaften? Quatsch, es gibt doch Wettkmpfe in der Halle, wo man Runden fahren muss Bahnrad heit das, glaube ich. Hey Leute, Hendrik kommt angeschlendert, die Hnde in den Hosentaschen, war ja klar, das ich euch wieder hier finden wrde. Sicher antwortet Lukas und reicht ihm zur Begrung sein Bier, wo sonst kann man sich so gut beim jung und professionell sein zusehen lassen? Was du meinst, heit Starbucks, Hendrik ffnet die Flasche mit dem Feuerzeug, zum gesehen werden ist es hier ein bisschen zu dunkel. Jetzt hat auch er den Fremden bemerkt. h sagt mal, warum fhrt denn der Typ da dauernd im Kreis? Genau das tut er nmlich. Er umkreist mit seinem Fahrrad die Baumgruppe in der Mitte des Spielplatzes, gemchlich radelt er in weitem Bogen darum herum. Nicht sehr schnell, aber auch nicht sehr langsam. Immer wieder. Er scheint damit zufrieden zu sein, nirgendwo anzukommen. Keine Ahnung, Jan sieht wieder hinber. Jedenfalls macht er das schon eine ganze Weile. Wir sitzen jetzt seit zehn Minuten hier, und er war schon vorher damit beschftigt. Sie beobachten schweigend, wie er gleichmig seine Runden zieht. Er trgt Anzug und Krawatte, die ihm ber die Schulter hinterher flattert. Vielleicht ist das ja eine Repressalie von seinem Chef. Er kam mit den Zahlen fr das Quartal nicht hinterher, deswegen muss er jetzt fnfhundert Runden um einen Baum

Nachdem Jan und Lukas die Karten abgeholt haben, gehen sie raus und kaufen am Kiosk ein paar Flaschen Bier. So ausgerstet verziehen sie sich auf den Spielplatz hinter dem Kino um noch einen Joint zu rauchen, bevor der Film los geht. Der Abend ist warm, man merkt noch die Hitze des vergangenen Tages. Die Sonne ist gerade erst untergegangen und der wolkenlose Himmel schimmert in einem tiefdunklen Blau, das allmhlich in die Nacht bergeht. Sie sitzen auf den Stufen des Rutschenhgels, trinken Bier und warten auf Hendrik, der spter kommt, weil er noch arbeiten muss. Von ihrem Standort aus hat man einen guten berblick ber die verwaisten Klettergerste und die Sitzbnke, die ringfrmig um eine Baumgruppe angelegt sind, um den Eltern die lckenlose berwachung ihrer Zglinge zu erleichtern. Normalerweise sind sie um diese Zeit hier unter sich, doch heute ist

fahren, um seinen Job zu retten. schlgt Jan nicht ganz ernsthaft vor. So ein Quatsch, Lukas nimmt es dafr umso ernster, Ich glaub immer noch, der trainiert fr irgendwas und muss da eine genaue Zeit oder Strecke einhalten. Vllig bescheuert ist der, mischt sich Hendrik kopfschttelnd ein. Oder es ist was Religises fngt Jan wieder an, Jede Runde ist ein Gebet, so eine Art Fitness-Buddhismus. Seine Synapsen schieen quer. Das ist so ein Bankenheini, dem in letzter Zeit die Sicherungen durchgebrannt sind. Vllig Gaga. Fr Hendrik ist der Fall klar. Ach komm, du kannst doch niemanden fr verrckt erklren, nur weil er im Kreis fhrt protestiert Lukas. Klar kann ich das. Tut mir ja leid, aber es gibt keinen vernnftigen Grund stundenlang im Kreis zu fahren. Er macht das jetzt mindestens schon eine Viertelstunde lang, da wre einem normalen Menschen lngst zu schwindelig geworden um weiter zu machen. Aber der hrt einfach nicht auf damit. Lukas beharrt auf seinem Standpunkt: Also ich bin mir sicher, dass er da eine ganz normale Erklrung fr hat. Wirklich? Wie sicher bist du? Ich wette um fnf Euro. Hendrik hlt Lukas erwartungsvoll die Hand hin. Dieser schlgt ein. Halte ich sagt er grimmig. Er kann in dieser Beziehung sehr stur sein. Und jetzt? Wie wollt ihr jetzt raus finden wer recht hat? fragt Jan. Na ja, einer wird wohl hingehen mssen sagt Lukas, steht auf und klopft sich demonstrativ den Dreck von der Hose. Ist doch kein Drama, jemanden zu fragen, was er da so treibt. Er schlendert lssig auf den Radfahrer zu, der ihn nicht beachtet und weiter seine Kreise zieht. Er hat einen Fahrradhelm auf, so ein chromblitzendes Ding mit vielen Heckflossen, der ihm nicht richtig passt und langsam in den Nacken rutscht. Lukas steht daneben, wartet hflich ab, dann ruspert er sich, als der Radfahrer das nchste Mal an ihm vorbeikommt. Entschuldigung Der Radfahrer tritt unvermittelt auf die Bremse und sieht sich nach ihm um. Ja, bitte? Lukas ist ein wenig verdattert von der prompten Reaktion, fngt sich aber gleich wieder: Ja also, ich und meine Freunde da drben, wir haben sie hier bemerkt und sind neugierig geworden, warum sie so oft im Kreis fahren. Da hab ich mir gedacht, ich komm mal rber und frag einfach mal nach.

Der Radfahrer sieht geschmeichelt aus. Es ist ganz einfach, die Kunst liegt in der Bewegung antwortet er Lukas stutzt. Die Kunst? Der Radfahrer nickt lebhaft. Die Kunst der Bewegung um ein gedachtes Zentrum herum. Der Baum ist das Zentrum, das Rad ist der Pfeil, der sich den Umlaufbahnen beugt und den Raum aufwickelt. Nicht ich bewege mich auf das Ziel zu, das Ziel ist es, das seinen Weg zu mir findet. Das ist der ganze Trick dabei. Aahh ja. Lukas runzelt die Stirn. Und was Aber der Radfahrer ist noch nicht fertig mit seinen Ausfhrungen: Die dauernde Suche nach verlorenen Schlsseln und anderen wichtigen Lebensankern kann nur berwunden werden durch eine Reihe von Manahmen, die sich vor allem ber E-Learning und Ditcola erschlieen. Wer auch immer dafr gesorgt hat, dass blaue Fahnen die Passatwinde in stlicher Richtung verstopfen, der feiert ein frohes Fest mit dem Leid der sdlichen Hemisphre. So sind denn auch alle Fraktionen in der Organisation der berheblichen Dreieckstcher in den Friedensprozess mit einzubeziehen, denn ein Affront gegen den Gromeister der Unzucht wird schlimme Unappetitlichkeiten nach sich ziehen, die die Puddingwelt vernichten knnten. Lukas guckt verstndnislos: Und das wre also schlecht? Der Radfahrer schttelt den Kopf und lchelt beschwichtigend. Nein nein, Kopf hoch, liebe Konsumenten, das Fett liegt sicher in den hiesigen Gesteinsschichten verborgen. Versorgungssicherheit ist keine Utopie mehr in den Bchern der Staatsbibliothek von Dschibuti, die brigens die grte Sammlung papuanischer Kriegs-Witze von ganz Afrika beherbergt. So haben sich die Abgesandten des Flamingostaates endgltig fr den Weg der Vernunft entschieden und werden ihre Bildbearbeitungsprogramme abziehen, ein Schritt der den Respekt der gesamten Koalition der westlichen Kaugummiproduzenten einforderte. Es liegt in der Gunst des Bleichmittels, den Marderhunden einen Ablass zu gewhren. Die Gunst des Bleichmittels? Die G