REIFEN & Wirtschaft 10/2015

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    23-Jul-2016

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Branchenspecial zu AUTO & Wirtschaft 10/2015

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  • Oktober 2015

    Beim Sell-in fehlen 20 Prozentgegenber dem Vorjahr. Wohernehmen die Hersteller denOptimismus fr den kommen-den Winter?

    www.autoundwirtschaft.at

    HerstellerbetriebeAUSVERKAUFDER BRANCHE?

    GeschftsmodellDie Zukunftsfhigkeitdes Reifenhandels

    ReifentestsDes einen Freud, desanderen Neid

    BranchenstrukturenWer liefert zuknftigReifen an wen?

    Neue ProdukteEvolution stattRevolution

    u1 reifen **!ros_ok _Layout 1 02.10.15 13:25 Seite 1

  • layout_a&w_0915_ok_Layout 1 22.09.15 11:52 Seite 1

  • Gerald Weiss, Leiter Sonderpro-jekte: Niemandwei, wie das Ge-schftsmodellReifenfachhan-del in Zukunftaussehen wird.Alle wissen, dasses nicht mehr sowie heute ausse-hen kann.

    Aktivitten und Konzepte zum Fortbestand desklassischen Reifenhandels gibt es zur Genge.So hat der Bundesverband Reifenhandel und Vulka-niseur-Handwerk e.V. (BRV) ein sehr umfangreichesGeschftsmodell Zukunft vom Beratungsunterneh-men Roland Berger entwickeln lassen eine sehrfundierte Ausfhrung. (Details dazu in AUTO &Wirtschaft 7/2015 sowie auf Seite 6 und 7 dieserAusgabe). Doch bei allen guten Ideen wird es maxi-mal zu einer Verdrngung am Markt kommen. Ichhabe ja nichts zu verschenken, gilt nicht nur frNiki Lauda, sondern auch fr die Kfz-Branche. DerKuchen Kfz-Aftermarkt wird nirgends grer. DieAutohuser und Werksttten kmpfen ebenfalls mitrcklufiger Auslastung, Kaufkraftrckgang und Mar-genverlust. Diese Betriebe lassen sich nicht gerne denService-Kunden abspenstig machen. Im Gegenteil:Sie entdecken immer mehr den Reifen zur Ertragsun-tersttzung und Kundenbindung. Das Potenzial sehennatrlich auch die Reifenhersteller und Grohndler.Sie beliefern diese Betriebe direkt, vorbei am bisheri-gen Reifenhndler, der bislang die regionalen Kfz-Betriebe mit Gummis versorgt hat.

    Umgekehrt drfen die klassischen Reparatur- undServicebetriebe den Reifenfachbetrieben nicht belnehmen, dass sie die Flucht nach vorn antreten undService- sowie Verschleireparaturen durchfhren.Das ist den einzelnen Umstzen sowie den Margender gesamten Branche abtrglich, meist geht es umden Preis. Aber diese Entwicklung ist nicht mehr zu-rckzudrehen. Der Schuster bleibt nicht bei seinenLeisten, weil er davon nicht mehr leben kann.

    Insgesamt entspricht diese Entwicklung dem Trend zuAlles-aus-einer-Hand. Der Kunde fhrt gerne zumMobilittsanbieter, bei dem gleich alles erledigt wird.Ist er mit der Betreuung zufrieden, dankt er das nachwir vor mit hoher Loyalitt: Egal ob dem Autohaus,der freien Werksttte oder dem Reifenfachhandel.Letztlich wird nicht das grundstzliche Konzept berden Erfolg des Betriebes entscheiden, sondern dieKompetenz und der Umgang mit den Kunden. Hiermuss jeder Betrieb selbst herausfinden, wo seine Str-ken liegen, wie er sich in der Region positionierenkann. Kooperationen mit anderen Betrieben sindebenso sinnvoll wie Einkaufsgemeinschaften, eventu-ell trifft das auch auf Konzepte und Franchise-Sys-teme zu. Auf externe Hilfe wie etwa die Untersttzungder Industrie darf sich freilich niemand verlassen.

    Der Kfz-Kuchen wirdnicht mehr grer

    AUTO & Wirtschaft OKTOBER 2015

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  • REIFEN EXTRA

    Becker in Krems, der mangels eines Nachfolgers dengut eingefhrten Betrieb mit bestem Standort ver-kauft hat.

    Franchise-Nehmer oder KonzeptpartnerTrotz einiger Beispiele ist die bernahmeflut in ster-reich (noch) nicht stark erkennbar. Topografie, Be-triebs- und Einzugsgebiete und damit das Mengenge-rst stellen sich ganz anders dar als in Deutschland.Doch auch mit Franchise- oder Partner-Konzeptenkann die Industrie den Betrieb strker auf ihre eigeneMarke einschwren. Die Michelin-Tochter Euromaster hlt sich mittler-weile mit eigenen Filialen zurck und setzt stark aufFranchise-Partner. Darber hinaus gibt es 200 Mi-chelin-Qualittspartner in sterreich.First Stop, das Partnernetzwerk von Bridgestone hatin sterreich ausschlielich selbststndige Partner, inDeutschland gibt es bereits 47 eigene Betriebe. DasHankook-Master-Programm umfasst mittlerweile 400eigenstndige Betriebe in Deutschland und ster-reich. Bei Pirelli firmiert das wachsende Partnerpro-gramm unter dem Namen Key Point.Nokian hat mit seinem Franchise-Konzept Vianor

    Ausverkauf derReifenbranche?Die Reifenindustrie ist mit der aktuellen Situation ebensounzufrieden wie die Reifenhandelsbetriebe. Im Gegen-satz zu den Gewerbe- und Handelsbetrieben fhrt die In-dustrie jedoch noch immer gute Gewinne ein und mchteden Handel strker kontrollieren.Von Gerald Weiss

    4 AUTO & Wirtschaft OKTOBER 2015

    Partner- und Franchise-KonzepteApollo Vredestein Flag Ship Store (Partner) in PlanungBridgestone First Stop (Partner/eigene Betriebe in D)Goodyear Goodyear Dunlop Handelssysteme: Premio,

    HMI, Quick (Franchise)Hankook Hankook-Master-Programm (Partner)Michelin Euromaster (eigene Betriebe/Franchise),

    Michelin Qualittspartner (Partner)Nokian Vianor (Franchise), Nokian Tyres Authorized

    Dealer (Partner)Pirelli Key Point (Partner)Semperit Profi Reifen (eigene Betriebe/Franchise)

    Nachdem die Industrie vor vielen Jahren geschei-tert ist, bestehende Reifenfachbetriebe zu ber-nehmen, wird nun ein neuer Versuch gestartet. Wie inder Autoindustrie haben die Konzernmanager ge-lernt, dass Filialen mit angestellten Filialleitern oftnicht erfolgreich sind. Viel besser ist die Bindung desbestehenden Unternehmers, Stichwort Franchise.Aber auch andere Formen als Konzept- oder Handels-partner sind im Aufwind. Ob diese Bindungen gutoder schlecht sind, ist vom jeweiligen Konzept undvor allem vom jeweiligen Nutzen fr den Reifenfach-betrieb abhngig. Beginnen wir bei der Komplettbernahme. In schwie-rigen Zeiten hoffen manche Unternehmer auf die Er-lsung durch die Industrie. Doch gerade jene Be-triebe, die das Exit-Szenario aus der Not herausanstreben, haben die uninteressantesten (defizitren)Betriebe. Attraktiver sind jene Unternehmen, die gutgewirtschaftet haben, auf einem guten Standort posi-tioniert sind und mangels eines Nachfolgers ihrenBetrieb verkaufen mchten. Die deutsche Verglst-Gruppe, Tochter von Continental, widmet demThema eine eigene Internetseite mit dem Titel Ihr Be-trieb in sicheren Hnden. Auch die sterreichischeConti-Tochter Profi Reifen bernimmt noch Betriebe,jngstes Beispiel ist die bernahme von Reifen

    Goodyear Dunlop Handelssysteme (GDHS) bietetdrei verschiedene Franchise-Konzepte

    Die Conti-Tochter Verglst sucht in Deutschlandbestehende Betriebe zur bernahme

    Euromaster (Michelin) betreibt einen Mix auseigenen Standorten und Franchise-Partnern

    s 4-5 franchise **!ros_ok okgew okmue_Layout 1 02.10.15 14:20 Seite 2

  • international bereits 1.100 Verkaufsstellen, in ster-reich noch keine. Das Partnerkonzept Nokian TyresAuthorized Dealer (NAD) ist bereits in sterreichaktiv.

    Skepsis unter sterreichs ReifenbetriebenDie Bestrebungen der Industrie werden von der Bran-che mit Skepsis betrachtet. Dass die industrienahenBetriebe, egal ob im Besitz des Konzerns, als Fran-chise- oder Partner-Unternehmen bevorzugt werden,ist kein Geheimnis. Es liegt ebenfalls auf der Hand,dass diese Betriebe ber Marketingsttzung gefrdertwerden knnen und damit eine Wettbewerbsverzer-rung stattfinden kann. Die Frage ist, was mit den verbleibenden freien Betrie-ben hinsichtlich der Zusammenarbeit mit diesen Mar-ken passiert? Konzentrationsprozesse sind immerproblematisch. Der Versuch der Industrie, den mo-mentan sehr turbulenten Markt wieder strker in denGriff zu bekommen, ist zumindest nachvollziehbar,der Erfolg bleibt abzuwarten.Fest steht, dass fr gnzlich freie Betriebe das ber-leben schwer bis unmglich werden wird. Die Frageist, welche Bindung oder Kooperation notwendigsein wird. Muss man seinen Betrieb an einen Herstel-ler verkaufen und Geschftsfhrer im eigenen Haussein? Ist das durchaus enge Korsett eines Franchise-Systems mit einer gewissen Ertragssicherheit sinn-voll. Sind starke, unabhngige Einkaufsgemeinschaf-ten wie Point-S der flexiblere Weg in die Zukunft?Oder gibt es genug Potenzial, wenn man sich als Mo-bilittsanbieter inklusive Reparatur und Service inseiner Region positioniert? Die Antwort muss jederfr sich selbst und seinen Betrieb entscheiden.

    First Stop nennt sich das Partnersystem von Bridgestone. Insterreich nur mit freien Reifenfachbetrieben, in Deutsch-land auch mit eigenen Standorten

    Die Conti-Tochter Profi Reifen ist hauptschlich mit eigenenBetrieben am Markt prsent

    s 4-5 franchise **!ros_ok okgew okmue_Layout 1 01.10.15 12:32 Seite 3

  • REIFEN EXTRA

    Die unter schwachen Marktzustnden stattfin-dende Neuverteilung von Umsatz und Gewinnim Reifen(fach)handel hat zahlreiche neue Wettbe-werber angezogen. Trends zeigen sich besonders imKonzentrationsprozess und wer nicht in der Lage ist,auf genderte Kundenbedrfnisse einzugehen, Stich-wort Online, dem wird bei Vernachlssigung seinerZukunftsfhigkeit rasch die Luft ausgehen.Neues Service fr den Kunden steht im Zentrum aller

    Bemhungen. Die kleine Meisterwerkstatt von ne-benan wird sich neu profilieren mssen, um gegenhochprofessionell auftretende Unternehmen, die z. B.ber Ketten- und Franchisekonzepte rasch expandie-ren, behaupten zu knnen. Sie sichern sich vielfach mitKampfpreisen Marktanteile, verstehen es aber auch,auf sich ndernde Kundenbedrfnisse einzugehen.

    Digitalisierung unumgnglichEin wesentlicher Treiber ist dabei die Digitalisierung,die bei sinkender Nachfrage zu wachsenden Er-wartungen an die Interaktion der Kunden fhrt. Derklassische Reifen(fach)handel ist gefordert, mit inno-vativen Services und der Kundenansprache ber digitale Kanle auf die genderten Gewohnheiten zureagieren. Zudem gibt sich der Kunde vom Heute insMorgen nicht mehr mit Angeboten von der Stange zu-frieden, sondern verlangt exakt auf diese Prferenzenzugeschnittenen Service.Fr reaktionssta