Romanische Forschungen 1 (1883)

  • Published on
    16-Aug-2015

  • View
    243

  • Download
    24

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Revista de Filologa Romnica

Transcript

HANDBONDATTHEUNIVERSITYOFTORONTOPRESS/f/'l-i"^liOMAlSCHEFORSCHraGENOMANFR ROMNISCHE SPRACHEN UND MITTELLATEINHERAUSGEGEBENVONKARLYOLLMLIiER3^^I. BAND-Ls^nrvi-ERLANGENn d1-1883Verlag von Andreas DeichertFCSSoLIDruck von Jiin};c & Sohn in Erlangen.Inhalts verzeicliniss.SeiteDietrich, O. , ber die Wiederholungen in den altfranzsischen Chansonsde geste 1Hofmann, K. A uracher, T. M., Der Longobardische Dioskorides des Mar-ceHus Virgilius 49Baist, G., Die hochdeutsche Lautverschiebung im Spanischen 106Hofmann, K.Baist, G., Zum provenzalischen Fierabras 117Baist, G. , Etymologisches 130Hofmann, K., Ein provenzalisches Ineditum 135 ,Zur Erklrung und Chronologie des Girart de Rossilho 137,Die Et;yTnologie Yon tos 138Vollmller, K. , Zum Joufrois 138Baist, G., Berichtigvxngen 142Rossmann, Philipp, Franzsisches oi 145Rolfs, \V. , Die Adgarlegenden 179Settegast, F., Romanische Etymologien 237Rnsch, Hermann, Die lexicalischen Eigenthmlichkeiten der Latinitt dessogen. Hegesippus 256Foerster, W., Das italienische dunque und dessen Herkunft 322Hofmann, Konrad, Noch einmal tos 326Berichtigung 326Andresen,Hugo, Ueber die von Benoit in seiner normannischen Chronik be-nutzten Quellen, insbesondere ber sein Verhltnis zu Dudo, Wilhelm vonJumieges und Wace 327Rnsch, Hermann, Textkritische Bemerkungen zum Longobardischen Diosko-rides 413Vogel, Fr., Zu Hegesippus 415Weiland, L., Verse Wilhelms von St. Hilarius zu Poitiers an den GegenpapstClemens HI 418Rnsch, Hermann, Zur biblischen Latinitt aus dem cod. Sangallensis derEvangelien 419Hofmann, Konrad, Zur Dialectfrage 426, Roger Bacon ber die franzsischen und englischen Mundarten .... 427IV Inhaltsverzeichniss.SeiteHofmann, Erster Nachtrag zur Einleitung in Amis und Amilcs und Jourdain 428Proklitischcs Nim AUfranzsischen 429Tere de Bire, Kol. 3995. (Briefausschnitt, 1882) 429Zur Chronologie des Rolandsliedes 430Taillefer und die Schlacht bei Hastings 432Ueber die zwei Rolande im Turpin 434Ueber die lteste Quelle der laubartsage 434Zu Chardry 435Emendationen zum Joufrois 436Das Futurum auf ri und der Entstehungsort des Ezechiel 437Ueber die Lokalitt von Pelrapeir in Wolframs Parzival 338Baist, G., Zu Wace, Roman de Rou S.Teil 3079-99 439Zum Octavian 441EtjTBologisches 441Rnsch, Hermann, Etymologische Miscellen 445Andres an, Hugo, Zu Bartschs provenzalischcr Chrestomathie 450 , Zum Rolandslied 452Baist, G., Zum Rolandslied V. 198 453Braunfels, Ludwig, Baskisches 453Settegast, F. , Zu RF. 1, 238 455,Zu Boeci V. 103: Com el es velz, qui pois lo soste 456Ueber die Wiederholungen in den altfranzsischenChansons de geste ^).Die Untersuchungen von Wolf und Lachmann haben uns dieEntstehung der Ilias, der Odyssee und des Nibelungenliedes klar ge-legt. Lieder, die weit verbreitet waren und vom ganzen Volke ge-sungen wurden, sind in spteren Zeiten von einem Diaskeuasten zueinem einheitlichen Ganzen vereinigt worden; jene Epen sind alsonicht das Product eines einzelnen Dichters, sondern vielmehr daseines ganzen Volkes. Dasselbe hat man in betreff der franzsischenEpen vermutet, doch wohl nicht mit demselben Rechte; denn dieVolkslieder, die in Frankreich gesungen wurdenund man sangderen ohne Zweifel eine grosse Anzahlgerieten allmhlich in Ver-gessenheit, was durchaus nicht wunder nehmen kann, wenn man be-denkt, wie wenig gnstig die Jahrhunderte nach dem Tode Karls desGrossen der Poesie waren. Von der Form der alten Lieder blieb imGedchtniss der folgenden Generationen nichts zurck; wohl abereiniges von deren Inhalt, aber auch dies nur obenhin. Erst das XI.Jahrhundert zeitigte wieder schne Frchte in der epischen Dicht-kunst. Die alten Sagen erwachten aufs neue und lieferten den Stoffzu grsseren Epen. Hierbei geschah es nun oft, dass man dieSagen,die sich in ihrer ursprnglichen Form auf verschiedene Helden des-selben Namens bezogen, nicht mehr zu unterscheiden vermochte, sievielmehr smtlich auf einen einzigen Helden bertrug. Auf dieseWeise hat sich zum Beispiel der umfangreiche Sagenkreis Karls desGrossen gebildet.Aber nicht nur durch die Art der Entstehung unterscheiden sichdie deutschen und griechischen Epen von den franzsischen, sondernauch durch die Form und die Anordnung. Die Ersteren bieten unsin angenehmen, leicht fliessenden Versen eine anziehende Schilderungvon Kmpfen, Verhandlungen und Abenteuern aller Art; die Schilde-1)Obwohlgegen desHerrnVerfassersAusfhrungen mancherlei eingewendetwerden kann, so drfte doch seine Abhandlung die interessante Frage wiederin Fluss bringen. K. V.Romanische Forschungen I A2Otto Dietrichrung selbst schreitet weder zu langsam vor noch berstrzt sie sich.Ganz anders die franzsischen Epen: Tiraden, welche dieselbe Asso-nanz resp. denselben Reim bieten und zuweilen mehrereHunderte vonVersen enthalten, scheinen uns den Eindruck einer ermdenden Ein-tnigkeit hervorbringen zu mssen; nicht minder die Handlung selbst.Jeder der Zuhrer, vor denen der fahrende Snger Jongleur nenntihn die alte Sprachesein Lied singt, kennt schon das SchicksaldesHelden; derDichter beeilt sich daher auch nicht, mit seinemStoffzu Ende zu kommen. Das Interessante liegt fr dieZuhrer vielmehrganz wo anders, nmlich in den Einzelheiten der Ereignisse: in derAusrstung der Kmpfer, den gewaltigen Schlgen, die die Reckeneinander versetzen, der Anzahl der empfangenen und geschlagenenWunden, den Reden und Erwiderungen der Helden u. s. w.Ferner ist es ein ganz besonders charakteristischer Zug des epi-schen Stils der Franzosen, dass ganz verschiedene Dichter in gleichenSituationen immer denselbenAusdruck gebrauchen. DieSchwerter, dieStreitrosse haben berall dieselben Beinamen, die denVerrtern nach-gerufenenVerwnschungen sind berall dieselben, und was dergleichenmehr ist.Eine andre Eigentmlichkeit, die sich indes auch in der llias undder Odyssee findet, ist, dass bei Ueberbringung einer Botschaft derBote sich oft genau derselben Worte und Wendungen bedient wiederjenige, welcher ihm den Auftrag gegeben hat. Endlich wird eineFrage, die an verschiedene Personen unmittelbar hintereinander ge-richtet ist, genau mit denselben Worten vom Fragesteller wiederholt;wir finden Beispiele, wo es zehn solcher Wiederholungen giebt.Ein weiterer, tiefeingreifender Unterschied zwischen den griechi-schen und franzsichen Epen ist folgender. Dieselbe Thatsache wirdoft mehrmals in aufeinanderfolgenden Tiraden wiedererzhlt. Wie istnun diese Erscheinung zu erklren? Diese Aufgabe soll uns im Fol-genden nher beschftigen. Es versteht sich von selbst, dass wir nichtauf alle Wiederholungen bezug nehmen knnen, denn es giebt derenHunderte. Es handelt sich vielmehr darum, die bis jetzt aufgestelltenMeinungen zu prfen, sie durch Beispiele, die aus den Chansons degeste zu entnehmen sind, wenn es mglich ist, zu widerlegen oderdie Beispiele unsrer Gegner als nicht ausreichend und stichhaltig dar-zuthun.Ob es uns gelungen ist alle aufgestellten Ansichten ausfindig zumachen, mag dahin gestellt bleiben; doch knnen wir wohlannehmen,dass uns von den wichtigeren keine entgangen ist; die bersehenenUeber die Wiedei-holungen in den altfranzsisclien Chansons de geste 3lassen sich vielleicht in irgend einer der von uns gemachten Klassenunterbringen\).Diese Klassen sind nun folgende:1. Liedertheoretiker.IL Variantiker.IIL Vertreter der Meinung, die Wiederholungen in den altfranz-sischen Chansons de geste seien sowohl aus Volksliedern als auch ausVarianten zu erklren.IV. Vertreter der Meinung, die Wiederholungen in den altfranz-sischen Chansons de geste seien eine Eigentmlichkeit der epischenPoesie der Franzosen.Im voraus bemerken wir, dass es uns geboten schien, dieMeinun-gen der von uns citierten Gelehrten stets nach ihremWortlaut wieder-zugeben; es werden dadurchlangeCitate unumgnglich, einUebelstand,der seine Entschuldigung finden mag in dem Streben, jedem Miss-verstndnis vorzubeugen.I. Liedertlieoretiker.Was Wolf zuerst in betreff der llias und Odyssee behauptete undbewies, d. h. die Entstehung dieser Epen aus einzelnen Volksliedern,suchte zuerst Monin auf die franzsischen Epen anzuwenden; er i Moninsagt2): IIya dans la chanson de Roncevaux une particularitefort singuliere. A cinq reprises, et aux endroits les plus intcres-sans, on retrouve un meme couplet rcpete deux ou trois fois sousune forme legerement dififerente. Ainsi les efforts de Roland pourbriser son epee, et ses derniers momens, sont repetes trois foisdans Fun de nos manuscrits et ces trois versions ont un caractereegalement populaire; au contraire l'autre manuscrit, qui ne donnequ'une seule version dans ces deux circonstances, semble ici une pa-raphrase un peu languissante de l'autre texte. Commentpenserqu'unauteur se sera amuse repeter les memes faits sur d'autres rimesavec quelques legers changemens, et qu'il ait eu assez de feconditepour faire peu pres aussi bien plusieurs fois de suite? N'est-il pasplus naturel de regarder ces couplets doubles et triples comme deschants populaires qui se sont trouves exister en plus grand nombre1)Die Werke, die Bauquier, Bibliographie de la Chanson de Roland, Heil-bronn 1877, angefhrt hat, sind mir leider wegen der drftigen Ausstattung derBerliner Bibliotheken gerade in Beziehung auf die neueren Sprachen nicht allezugnglich gewesen.2)Dissertation sur le roman de Roncevaux, Paris 1832, S. 69.j^*4Otto Dietrichsur les endroits les plus poetiques, les plus popuiaires de la legende?"Und S. 71 J'observerai seulement qu'il a ducertainement exister plusd'une chanson de Holand, c'est-a-dire des chants sur les prineipauxpoints d'une vie fameuse. II n'est pas impossible qu'un trouvere seseit aviae de composer sur ces chants un long poeme. Soutenu etinspire par la poesie populaire, ce poeme en aura eu les qualites.Sans regarder cette explication comme inadmissible, j'avoue que jepencherais plutot pour une autre hypothese d'apres laquelle notre ro-man de Roncevaux serait compose des chants popuiaires eux-memes,mais remanies, mis en ordre et completes."Und die Grnde Monin's? Wir finden nur einen, und zwar inden oben angefhrtenWorten: Comment penser qu'un auteur