Rote Liste - Freistaat Thüringen ?· 34 Rote Liste der Säugetiere (Mammalia pt.) Thüringens (ohne…

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der Sugetiere (Mammalia pt.) Thringens (ohne Fledermuse)

Rote Liste

Feldhamster, Cricetus cricetus, aus der Umgebung von Smmerda. (Aufn. t. Prhl, fokus-natur)

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Rote Liste der Sugetiere (Mammalia pt.) Thringens (ohne Fledermuse)

3. Fassung, Stand: 11/2009

Dietrich von knorre und siegFrieD klaus

unter Mitarbeit des Landesjagdverbandes Thringen e. V. (S. lieBig, Prsident) und Frau Dipl. Biol. K. Worschech (Museum Mauritianum Altenburg)

Die Erarbeitung der Roten Liste der Sugetie-re erfolgte unter Beachtung der durch das BfN festgelegten Kriterien. Dabei erfolgte auch eine Einschrnkung des betrachteten Gesamtzeit-raumes auf die letzten, unser heutiges Land-schaftsbild und damit seine Fauna entschei-dend formenden etwa 400 Jahre. Konkrete, sich aus der strengeren Fassung der Kriterien ablei-tende nderungen werden deshalb im nach-folgenden Text kurz angesprochen.

Durch Streichung des Auerochsen seine Aus-rottung kann fr Thringen auf der Grundlage neuerer Datierungen des vorliegenden Kno-chenmaterials bereits vor einigen 1.000 Jah-ren angenommen werden verringert sich die Zahl der frei lebenden Sugetierarten (ohne

Fledermuse) mit Reproduktionsnachweisen in Thringen auf 54. Die Zahl der heute noch als ausgestorben ein-zustufenden Arten hat sich durch Auswilde-rungen bzw. Rckwanderung einstiger in Th-ringen verbreiteter Arten in den letzten Jahren auf drei (Braunbr, Europischer Nerz, Wolf ) re-duziert. Ein genauer Zeitpunkt der Ausrottung lsst sich fr die genannten Arten kaum festle-gen, da teilweise zunchst noch mit der Zuwan-derung einzelner Tiere aus benachbarten Ln-dern gerechnet werden muss. Der letzte, wohl noch in Thringen in freier Wildbahn geborene Braunbr drfte nach regel (1894) 1797 bei Kurs-dorf erlegt worden sein Wolf und Europischer Nerz verschwanden im Verlauf der zweiten Hlf-te des 19. Jahrhunderts (regel 1894).

Lebensraum der Alpenspitzmaus, Sorex alpinus, Blockhalde bei Reichenhausen/Rhn. (Aufn. r. BellsteDt)

Einleitung

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Da entsprechend dem Biodiversitts-berein-kommen jedes Land fr den Erhalt seiner au-tochthonen Arten verantwortlich ist, ist fr die beiden heute wieder in Thringen heimischen Arten Biber und Luchs dringend die geneti-sche Zugehrigkeit der Grnderpopulationen zu klren. Dies gilt auch fr die seit 2007 an der mittleren Saale und der unteren Ilm bekannt gewordenen Ansiedlungen des Bibers (heute bereits mindestens zehn Reviere), da diese Teil-population bei weiterem Anwachsen unmittel-baren Kontakt zum Siedlungsgebiet des Elbe-bibers haben wird.Der Luchs wandert derzeit aus zwei Richtungen nach Thringen ein. Whrend fr die gelegent-lichen Nachweise in Ostthringen eine Her-kunft aus den sdstlich in den bhmischen Mittelgebirgen befindlichen Vorkommen mit-teleuropischer Luchse sehr wahrscheinlich ist, stammen alle im Sdharz auftretenden Tiere aus dem Auswilderungsprogramm von Zucht-luchsen unklarer Herkunft im niederschsi-schen Harz.Neben der Mehrung weiterer Einzelfunde von Fischottern in verschiedenen Landesteilen wurde durch die erste Beobachtung eines fh-renden Otters in Ostthringen die erfolgreiche Wiederbesiedlung Thringens besttigt.Alle als Neozoen zu betrachtenden Arten (Bi-samratte, Nutria, Marderhund, Mink, Waschbr, Damhirsch, Mufflon) haben sich in Thringen teilweise flchendeckend etabliert. Ihre Zahl hat sich auf sieben verringert, da das Wildka-ninchen offensichtlich bereits im Mittelalter in Thringen ausgesetzt worden ist. Auch hierzu besteht weiterer Forschungsbedarf.Die Gesamtzahl der in Thringen etablierten Arten betrgt somit ohne Neozoen 47, von denen 3 Arten (6,4 %) ausgestorben, 18 Ar-ten (38,3 %) bestandsgefhrdet (Kategorie 1, 2, 3, G) sind, 4 Arten (8,5 %) auf der Vorwarnlis-te (Igel, Maulwurf, Wasser- und Feldspitzmaus) gefhrt werden und nur 22 Arten (46,8 %) nach den neuen Kriterien als ungefhrdet eingestuft werden knnen.Durch die nderungen der Kriterien ist ein un-mittelbarer Vergleich mit der 2. Fassung der Ro-ten Liste der Sugetiere Thringens (v. knorre & klaus 2001) nur bedingt mglich. Kategorien-derungen konnten fr 14 Arten (29,8 %) ermit-

Alpenspitzmaus, Sorex alpinus. Im Gegensatz zur Waldspitz-maus besitzt die Art eine dunkle Bauchseite und einen lngeren Schwanz, Terrarienaufnahme. (Aufn. M. AnDrA)

Die Sumpfspitzmaus, Neomys anomalus, hat einen im Querschnitt runden Schwanz, Terrarienaufnahme. (Aufn. M. AnDrA)

Lebensraum der Sumpfspitzmaus, Neomys anomalus, feuchte Bergwiese bei Wittgendorf/Thringer Schiefergebirge, 14.08.2008. (Aufn. D. von Knorre)

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telt werden: 6 mit positiver (Schabracken- und Wasserspitzmaus, Biber, Fischotter, Mauswiesel, Wildkatze) sowie 8 mit negativer Tendenz (Igel, Maulwurf, Sumpf-, Feld- und Gartenspitzmaus, Wildkaninchen, Feldhase, Kleinwhlmaus). Die positiven nderungen sind methodisch und durch Kenntniszuwachs bedingt, bedeuten da-mit keine Verbesserung der Erhaltungssituati-on. Fr 33 Arten (70,2 %) liegen keine nderun-gen vor.

Kritisch ist die Situation bei 3 Arten (Sumpf-spitzmaus, Feldhamster und Wildkatze) der Ka-tegorie 1 und 2, die besonders durch die ver-nderten Methoden im Feldbau (Feldhamster), der Weidewirtschaft und Umbruch von feuch-ten bis nassen Grnlandstandorten in Mittel-gebirgslagen (Sumpfspitzmaus) sowie den Straenverkehr (Wildkatze) bedroht sind. Feh-lender Biotopverbund und geringe Fruchtar-tenanzahl wirken sich nicht nur bei diesen son-dern auch bei anderen Arten der freien Flur bestandsgefhrdend aus und sind Ausdruck einer deutlichen Biotopverschlechterung. So muss der weitere Rckgang der Bestnde an Feldhasen in der freien Flur auf das Fehlen spe-zifischer Futterpflanzen whrend der Phase der Jungenaufzucht zurckgefhrt werden. Der Ausbruch von Seuchen (Myxomatose) verur-sacht immer wieder den Zusammenbruch der nur noch lokalen Wildkaninchenbestnde.

Das Problem der Isolation bedingt durch die Zerschneidung der Landschaft mit Verkehrs-trassen von Teilpopulationen und damit ei-ner verringerten genetischen Vielfalt bedeutet eine ernsthafte Gefahr fr die meisten in der Roten Liste gefhrten Arten. Thringen hat Ver-antwortlichkeit in hohem Mae fr die Sumpf-spitzmaus, deren nrdlicher Arealrand entlang der Mittelgebirge verluft und den Feldhams-

Gartenschlfer, Eliomys quercinus, Terrarienaufnahme. (Aufn. F. leo, fokus-natur)

Haselmaus, Muscardinus avellanarius, Terrarienaufnahme eines Tieres aus dem Greiz-Werdauer-Wald. (Aufn. F. leo, fokus-natur)

ter mit der Besonderheit der lokalen Vorkom-men von schwarzen Hamstern im Thringer Becken. In besonderem Ma ist Thringen ver-antwortlich fr den hochgradig isolierten Vor-posten der Alpenspitzmaus im Bereich der Ho-hen Rhn.

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Art Gefhrdung Bemerkungen

Alpenspitzmaus Sorex alpinus 1 A

Baummarder Martes martes 2

Biber Castor fiber 2 EU

Braunbr Ursus arctos 0 EU 1797

Europischer Nerz Mustela lutreola 0 EU Mitte 19. Jhdt

Feldhamster Cricetus cricetus 1 EU

Feldhase Lepus europaeus 2

Fischotter Lutra lutra 2 EU

Gartenschlfer Eliomys quercinus 2

Gartenspitzmaus Crocidura suaveolens G

Haselmaus Muscardinus avellanarius 3 EU

Hausratte Rattus rattus 1

Hermelin Mustela erminea 3

Iltis Mustela putorius 2

Kleinwhlmaus Microtus subterraneus 3

Luchs Lynx lynx 1 EU

Mauswiesel Mustela nivalis 3

Sumpfspitzmaus Neomys anomalus 1 A

Wildkaninchen Oryctolagus cuniculus 2

Wildkatze Felis silvestris 2 EU

Wolf Canis lupus 0 EU 1859

Gefhrdungskategorien sowie weitere Abkrzungen siehe 2. Umschlagseite

Rote Liste

Wildkatze, Felis silvestris, Gehegeaufnahme. (Aufn. s. KlAus)

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Literatur

knorre, D. von, & s. klaus (2001): Rote Liste der Sugetiere (Mammalia pt.) Thringens (ohne Fleder-muse), 2. Fassung, Stand: 09/2001. Naturschutzreport H. 18: 30-32

regel, F. (1894): Thringen. Ein geographisches Handbuch. Zweiter Teil Biogeographie. Erstes Buch. Pflanzen- und Tierverbreitung. Jena

Dr. Dietrich von Knorre, Ziegenhainer Strae 89, D-07749 JenaE-Mail: dvkn@gmx.de

Dr. Siegfried Klaus, Lindenhhe 5, D-07749 JenaE-Mail: siegi.klaus@gmx.de