Rz am bauern leseprobe

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    22-Jul-2016

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<ul><li><p>Stille Bauern und kernige FiScher ?</p></li><li><p> Stille Bauern und kernige Fischer ?Norddeutschland in der Fotografie</p><p>Fotografien aus der Sammlung des Altonaer Museums und von Agnieszka Rayss</p><p>Herausgegeben von Vanessa Hirsch</p></li><li><p>When the Past Meets the FutureBrries von Notz 7</p><p>Zur Einfhrung Hans-Jrg Czech 8</p><p>Stille Bauern und kernige Fischer? Norddeutschland in der Fotografie Vanessa Hirsch 10</p><p>Norddeutschland im Blick einer zeitgenssischen Fotografin Ein Interview mit Agnieszka Rayss Vanessa Hirsch 12</p><p>Northern Germany through the eyes of a contemporary photographer An interview with Agnieszka Rayss Vanessa Hirsch 15</p><p>Fotoserie Agnieszka Rayss 18</p><p>Das Bild der Heimat. Die fotografischen Sammlungen des Altonaer Museums als Reflex der Grndungskonzeption des Hauses und der bildenden Kunst um 1900Vanessa Hirsch 36</p><p>KATALOG</p><p>Ideales Landleben in fotografischen Genreszenen 48Norddeutschland in der knstlerischen Fotografie um 1900 54Der malerische Blick auf die Landschaft 80Orte 86Bei der Arbeit 120Ein moderner Blick auf Norddeutschland 150</p><p>Verzeichnis der Fotografen 156Impressum 160</p><p>InhaltsverzeIchnIs</p></li><li><p>6[ Platzhalter: Bild ]</p></li><li><p>7When the Past Meets the Future unter diesem Motto beteiligen sich die Historischen Museen Hamburg an der Triennale der Photo graphie in Hamburg im Jahr 2015. Das Besondere an den His-torischen Museen Hamburg im Vergleich zu anderen stadt- und regionalgeschichtlichen musealen Einrichtungen ist die Vielfalt ihrer Sammlungen, anhand deren die Geschichte der Stadt Hamburg durch smtliche Bevlkerungsschichten dokumentiert und anschaulich gemacht werden kann. Das gilt in ganz besonderem Ma fr die fotografischen Sammlungen, die im Altonaer Museum, im Ham-burg Museum und im Museum der Arbeit in beeindruckendem Umfang und ebensolcher Qualitt vorhanden sind. </p><p>Aus diesen fotografischen Bestnden prsentieren die Historischen Museen Hamburg in drei eigenstndigen Ausstellungen eine individuelle Auswahl an Bildern und liefern damit einen ein-zigartigen Blick auf die Hansestadt und ihre Bewohner. Hamburg Museum, Altonaer Museum und Museum der Arbeit setzen sich zeitgleich jeweils in spezifischer Art und Weise mit der Bildgeschichte und der im Bild festgehaltenen Gegenwart der Stadt Hamburg auseinander und liefern damit einen umfassenden Blick auf Hamburg in der Fotografie, worin gleichzeitig das kuratorische Leitbild die-ses gemeinsamen Ausstellungsprojekts besteht. Bei allen drei Ausstellungen steht das fr Hamburg Typische im Vordergrund. Sie zeigen, wie Hamburg gesehen wurde, wie es gesehen werden wollte und wie die Bilder bis heute das Bild der Stadt prgen. Sie fragen nach der Wirkmchtigkeit von Fotografien im Allgemeinen und fr die Stadt Hamburg im Besonderen. Die Fotografien liefern mit dem Blick in die Vergangenheit Erklrungen fr Gegenwrtiges und ermglichen somit Visionen fr die Zukunft. Gerade in dieser Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt die Strke von historischen Museen, mit ihren Wissensbestnden aktiv an den Diskursen der Gegen-wart teilzunehmen. </p><p>Das Hamburg Museum wirft in seiner Ausstellung einen Blick auf die gesamtstdtische Entwick-lung und prsentiert die bauliche Vernderung der Hafenstadt. Das Altonaer Museum konzentriert sich auf die Frage nach Landschafts- und Menschenbildern in Hamburg und Norddeutschland und deren Rolle beim Entstehen von Beheimatungsstrategien. Im Museum der Arbeit sind es vor allem Straenszenen und Bilder sozialer Milieus, mit denen der (Arbeits-)Alltag der Menschen themati-siert wird.</p><p>Mein besonderer Dank gilt der Kulturbehrde Hamburg, die dieses Projekt mit den Mitteln des Ausstellungsfonds ermglicht hat. Ferner danke ich der Hamburgischen Kulturstiftung fr die finan-zielle Untersttzung. Und nicht zuletzt sei auch der Triennale der Photographie Hamburg mit dem diesjhrigen Titel The Day Will Come unter der knstlerischen Leitung von Krzysztof Candrowicz gedankt.</p><p>BrrieS von notz, Alleinvorstand Stiftung Historische Museen Hamburg</p><p>When the Past Meets the Future</p><p>Seite 2 EMIL PuLS Wilstermarsch-Stube im Altonaer Museum. Frulein Siems aus St. Mar-garethen in der Tr stehend, 1927/28 [ AB14624 ]</p><p>Seite 4 WALDEMAR LIND Hallig Oland: Haus mit Fehding (Wassergrube) von Westen gesehen, um 1900 [ AB03769 ]</p><p>linke Seite EMIL PuLS Fisch-Ewer an der Landungsbrcke in Altona mit aus - hn genden Netzen am Mast, 1926 [ AB14643 ]</p></li><li><p>8Zur Einfhrung</p><p>Mit weit ber 100000 Abzgen und mehreren Tausend Negativen gehrt die fotografische Samm-lung des Altonaer Museums heute zu den umfangreichsten Bestnden des Hauses. Ihre Anfnge reichen bis in die Jahre um 1900 zurck. Dabei mag es durchaus nicht als Zufall erscheinen, dass schon damals, als das auf hchste Anschaulichkeit und innovative Prsentationsformen zielende Gestaltungskonzept des ersten Direktors Otto Lehmann (18651951) realisiert wurde 1, in grerem Umfang auch Produkte der Fotografie erworben wurden, zumal sich dieses Medium in seinen Aus-drucks- und Dokumentationspotenzialen seinerzeit gerade massiv fortentwickelte. Fotografische Aufnahmen boten neue Mglichkeiten der Erfassung von Stadt, Land und Leuten, die ohne Frage auch schon Lehmann und seinen frhen Nachfolgern als attraktive Erweiterung der traditionellen Formen der musealen Arbeit erschienen sein mssen. Lange wurden die fr die Sammlung erworbe-nen Fotografien trotz ihrer zum Teil beachtlichen sthetischen Qualitt jedoch nicht in ihrer Bedeu-tung als knstlerische Arbeiten gesehen, sondern lediglich als Ressource fr die heimatkundliche und stadthistorische Forschung betrachtet. So war in der Zeit vor 1950 bei der internen Erfassung der Bilder die Nennung von Ort und Bildgegenstand meist wichtiger als die Zuordnung zu einem Fotografen. Nach 1950 wurde der Bestand an Fotografien mit norddeutschen Motiven hauptschlich als Fotothek fr Publikationszwecke genutzt. Folglich stand die fotografische Sammlung des Alto-naer Museums trotz ihres Umfangs nicht im Fokus der Ausstellungs- und Forschungsttigkeit des Hauses. Nur zweimal waren Teilbereiche Gegenstand von Sonderausstellungen: 1978 wurden his-torische Fotografien zu schifffahrtsbezogenen Themenstellungen ausgestellt und 1999 der Nachlass des Altonaer Fotografen Emil Puls (18771941) in einer eigenen Prsentation ausgebreitet.2</p><p>Die Ausstellung Stille Bauern und kernige Fischer? Norddeutschland in der Fotografie befasst sich erstmals mit einem Schlsselbestand innerhalb der Fotosammlung des Altonaer Museums: jenen Bildern, die sich der Dokumentation der Landschaften Schleswig-Holsteins und ihrer Bewohner widmen. Diese Fotografien sind auf das Engste mit einem der zentralen Sammlungsauftrge des Altonaer Museums verknpft, das 1901 am heutigen Standort als Heimatmuseum fr den Land-schaftsraum Schleswig-Holsteins erffnet wurde. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung wurde der Bestand der Aufnahmen aus Norddeutschland erstmals wissenschaftlich erschlossen. Der Schwer-punkt der Forschungen lag dabei auf der bildwissenschaftlichen Untersuchung und der historischen Einordnung des Motivrepertoires. Zugleich konnten bei einer Vielzahl von Blttern Datierung und Autorschaft ermittelt werden. </p><p>Dass wir dieses neue Wissen in Form einer Ausstellung und eines reich ausgestatteten Katalogs mit der ffentlichkeit teilen knnen, verdanken wir der grozgigen finanziellen Frderung durch den Ausstellungsfonds der Kulturbehrde Hamburg. Hierdurch wurde der Stiftung Historische Museen Hamburg fr das Altonaer Museum, das Museum der Arbeit und das Hamburg Museum im Rah-men des Projektes Hamburg in der Fotografie jeweils eine Sonderausstellung ermglicht, die jede fr sich einen wichtigen Teilbereich der bedeutenden fotografischen Sammlungen der drei Huser erstmals ffentlich prsentiert. Unter dem Motto The Day Will Come When the Past Meets the Future nehmen die Historischen Museen Hamburg mit drei Sonderausstellungen zugleich an der Triennale der Photographie 2015 in Hamburg teil. </p></li><li><p>9Aus der Teilnahme an der Triennale der Photographie ergab sich auerdem eine Kooperation mit dem Fotografenkollektiv Sputnik Photos aus Warschau. In Zusammenarbeit mit Krzysztof Candrowicz, dem Kurator der Triennale, wurden vier Fotografinnen und Fotografen fr eine Zusammenarbeit im Rahmen der drei Ausstellungen ausgewhlt fr das Altonaer Museum ist dies Agnieszka Rayss (geb. 1969). Ihre eigens fr die Ausstellung realisierte Serie von Fotografien geht der Frage nach, mit welchen Mitteln Museen mit ihren Sammlungen Realitten konstruieren und damit die Wahr-nehmung einer Landschaft prgen knnen. Ihre Bilder interpretieren Norddeutschland anhand von musealen Objekten und stellen eine spannende zeitgenssische Facette der Ausstellung dar, indem sie den Blick auf die Landschaft der Gegenwart mit Vergangenem verknpfen.</p><p> Viele private Personen sowie Kolleginnen und Kollegen in anderen Institutionen haben Frau Rayss freundlicherweise bei der Umsetzung ihres Vorhabens untersttzt, indem sie ihr, hufig mit sehr kurzem Vorlauf, den Zugang zu ihren Rumen gewhrten. Dafr mchten wir uns ausdrcklich bedanken. Gleichzeitig gilt unser groer Dank auch Frau Rayss selbst fr ihren enormen Einsatz bei diesem Projekt, das uns selbst neue Blicke auf unsere Sammlungsarbeit gewhrt. </p><p>Nicht denkbar sind die Ausstellung und der vorliegende Katalog ferner ohne die kompetente wissenschaftliche Arbeit von Vanessa Hirsch, die ihre Forschungsergebnisse in den nachfolgenden Beitrgen zu dieser Publikation ausfhrlich darlegt und damit dankenswerterweise nicht nur fr die weitere interne Museumsarbeit, sondern auch fr externe Nutzungen zugnglich macht. Obendrein ist ihr auch die engagierte Kuratierung der gelungenen Ausstellungsumsetzung zu verdanken. Ein weiterer Dank geht schlielich an Jochen Messer, dessen Ausstellungsgestaltung unseren Fotografi-en einen passenden Rahmen verschafft, sowie dem atelier freilinger &amp; feldmann fr die Realisierung der Ausstellungsgrafik. </p><p>ProF. dr. hanS-Jrg czech, Direktor des Altonaer Museums</p><p>TH. THOMSEN Fischerhtte in Schleimnde, um 1920 [ 1990-549,96 ]</p><p>1 Vgl. dazu Antje Schmidt: Schlsselwerk der Museumsreform. Architektur und Inszenierung des Altonaer Museums um 1900, Mnchen/Hamburg 2013.2 Schiffahrt auf alten Photographien aus den Bestnden des Altonaer Museums. Altonaer Museum in Hamburg, hg. von Elisabeth Stwe, Hamburg 1978; Die photographische Kunstanstalt Emil Puls in Altona. Spezialitt: Architektur, Interieur, Industrie und Land-schaft. AK Altonaer Museum in Hamburg, hg. von Gerhard Kaufmann, Hamburg 1999.</p></li><li><p>10</p><p>Stille Bauern und kernige Fischer? Norddeutschland in der Fotografie</p><p>Seit 1901 befasst sich das Altonaer Museum mit der Doku-mentation und Bewahrung der Zeugnisse der bis 1937 selbstndigen Stadt Altona und der regionalen Kultur Schleswig-Holsteins. Neben knstlerischen Annherun-gen an das Themenfeld und Zeugnissen der Sachkultur wurden mehr als 100000 Fotografien und Tausende von Negativen zusammengetragen. Die Bilder, die zum aller-grten Teil in der Zeit zwischen 1860 und 1950 entstan-den sind, zeigen regionales Brauchtum, Huser, Trachten, Schiffe sowie Ansichten diverser Landschaften und Orte. Wir beobachten Fischer auf ihren Booten, Bauern bei der Ernte, Frauen beim Spinnen, Menschen beiderlei Ge-schlechts in prachtvollen Trachten. Vor unseren Augen entsteht ein Bild der Heimat mit den charakteristischen Landschaften der Elbmarschen, der nordfriesischen Inseln, der holsteinischen Schweiz und ihren Bewohnern, den stillen Bauern und kernigen Fischern.</p><p>Doch welches Bild von Norddeutschland vermitteln diese historischen Fotografien, und auf welche Quellen bezieht es sich? Das Anliegen von Ausstellung und Kata-log ist es, den Sammlungsbestand erstmals zu erschlieen und einer bildanalytischen Befragung zu unterziehen. Im Ergebnis lsst sich ein groer Teil der Bilder in Beziehung setzen zum Grndungsauftrag des Altonaer Museums, der sich aus den Ideen der Heimatschutzbewegung um 1900 ableitet. Des Weiteren bezieht sich ein groer Teil der Fotografien auf die bildknstlerische Tradition der Kunstfotografie um 1900 und auf die Malerei des spten 19. Jahrhunderts. Was die Heimatschutzbewegung mit der Kunstfotografie und der schleswig-holsteinischen Land-schaftsmalerei um 1900 verbindet, ist der Gedanke einer sthetischen und moralischen Erneuerung durch Rckbe-sinnung auf Ursprnglichkeit in Form traditioneller regi-onaler Gestaltungsformen und Lebensweisen.</p><p>Bis heute ist unser kollektives Bild von Norddeutsch-land und seinen Bewohnern stark von der damals geprg-ten Sehweise beeinflusst. Es ist der Blick des reisenden </p><p>Stdters um 1900, der insbesondere nach pittoresken Landschaften und Menschen mit bildwirksamer Klei-dung oder Ttigkeit suchte. Auffllig oft finden sich Mo-tive aus Ausflugsorten, wie etwa dem von Hamburg aus leicht erreichbaren Alten Land oder von Reisezielen wie Helgoland oder den Halligen. Fr diesen brgerlichen Kundenkreis wurden um 1900 kleine Bildersammlungen von sthetisch anspruchsvollen Fotografien mit nord-deutschen Motiven aufgelegt, die ein malerisches Bild von Land und Leuten prgten. Der malerische Blick auf die Landschaft setzte sich auch in zeitgenssischen Doku-mentarfotografien aus dem Umfeld der Heimatschutzbe-wegung fort. Der technische Fortschritt ist in diesen Bil-dern konsequent ausgeblendet, als bildwrdig galt eine vorindustrielle Lebensweise, die sich beispielsweise im Tragen lokaler Trachten oder in der Ausbung traditionell berlieferter Arbeiten in Fischfang und Landwirtschaft manifestiert. Nahezu alle Darstellungen von Menschen sind idealisiert und geben gestellte Szenen wieder. Feld-arbeiterinnen in unverschmutzter Kleidung posieren mit erhobenen Rechen vor einem Erntewagen, Bauern bei der Kartoffelernte verharren in Gebetshaltung auf dem Feld, alte Frauen in Tracht zeigen sich als Idealbeispiele einer Landbevlkerung, die stolz ihre Traditionen pflegt. Nur selten finden sich Bilder, die tatschlich spontane Eindrcke bermitteln. </p><p>Die aller meisten Fotografien sind das Ergebnis eines gelenkten Blicks, der vor allem den Erwartungen gebilde-ter Stadtbewohner entsprach, die sich mit heimatkundli-chen Themen befassten. Insofern knnen die gezeigten Fotografien als Gegenbeispiel zum stdtischen Alltag um 1900 gedeutet werden, der stark von den Auswirkungen der Industrialisierung geprgt war. Sie zeigen ein Ideal-bild, das jedoch bis heute die Vorstellungen unseres idyl-lischen und ursprnglichen Heimat-Bildes prgt: stille Bauern und kernige Fischer in malerischer Landschaft. Diesen Mechanismus offenbaren auch Souvenirfotogra-</p><p>Vanessa Hirsch</p></li><li><p>11</p><p>fien aus der Zeit um 1900, auf denen Touristen in lokalen Kostmen posieren, bisweilen sogar in Anlehnung an be-kannte Gemlde. </p><p>Knnen derartige Stereotype auch heute die Wahrneh-mung einer Landschaft und ihrer Menschen beeinflussen? Gibt es im Zeitalter der Globalisierung berhaupt noch Ortstypisches? Mit diesen Fragen begab sich die polni-sche Fotografin Agnieszka Rayss im Herbst 2014 auf eine Reise durch die Region. Im Ergebnis zeigt ihre Fotoserie, mit welchen Mitteln Museen mit ihren Sammlungen und Ausstellu...</p></li></ul>