Schlechte Prognose, drohende Demenz

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    18-Mar-2017

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  • AKTUELLE MEDIZIN_KONGRESSBERICHTE

    Immer wieder Unterzucker

    Schlechte Prognose, drohende DemenzEine der hu gsten und gefrchtetsten Komplikationen des Diabetes mellitus ist die Hypoglykmie. Episoden der Unterzuckerung beeintrchtigen nicht nur die Lebensqualitt. Sie sind auch prognostisch relevant und fhren zu kogniti-ven Beeintrchtigungen bis hin zur Demenz.

    Die erapie des Diabetes ist eine Gratwanderung. Einerseits ist eine normnahe Blutzuckereinstellung anzu-streben, um Sptkomplikationen zu ver-hindern, andererseits wird dadurch aber das Hypoglykmierisiko erhht. Mit neuen Substanzen, besseren Insulinen, intensiverer Schulung und e ektiveren berwachungsstrategien versucht man, das Hypoglykmierisiko zu minimieren.

    Angst vor Hypoglykmien strt Optimierung der TherapieIn der DAWN2-Studie gaben ber 40% der Typ-2-Diabetiker an, Angst vor einer Hypoglykmie zu haben. Besonders gro war die Angst bei jenen, die bereits eine Hypoglykmie erlebt hatten, so Prof. omas Danne, Hannover. Risiko-faktoren fr eine Unterzuckerung sind Alter, lange Diabetesdauer, Demenz, Niereninsu zienz, Schlaf, Alkohol und Sport. Die Angst vor Hypoglykmien strt die erapieadhrenz und die Be-reitscha fr eine Optimierung der an-tidiabetischen erapie.

    Eine Hypoglykmie fhrt zu einer abgeschwchten physiologischen Ant-wort auf die Unterzuckerung. Dies wie-derum hat eine herabgesetzte Hypogly-kmiewahrnehmung zur Folge, was die Anflligkeit fr weitere Hypoglykmien erhht ein Teufelskreis wiederholter Hypoglykmien entsteht.

    Mehr vaskulre EreignisseHypoglykmien senken nicht nur die Lebensqualitt, sondern erhhen auch das Risiko fr ein vaskulres Ereignis.

    Unterzuckerungen machen Plaques vul-nerabler, sie begnstigen also eine Pla-queruptur, erklrte Prof. omas R. Pieber, Graz. berdies kommt es zu ei-ner Strung der Repolarisation im Her-

    zen mit Verlngerung der QTc-Zeit, was den Nhrboden fr vital bedrohliche ta-chykarde Rhythmusstrungen bereitet. Auch das Sturz- und Frakturrisiko steigt.

    Vorteile der neuen SubstanzenHypoglykmien treten am hu gsten unter Sulfonylharnsto en und Insuli-nen auf. Der Vorteil neuer Strategien wie der Gliptine und der GLP-1-Analoga be-steht darin, dass sie selbst keine Hypo-glykmien verursachen knnen. Glei-ches gilt fr Metformin.

    Beim Typ-2-Diabetiker wird die Hy-poglykmie meist durch das abendliche Basalinsulin induziert. Schon die lang-wirksamen Basalinsuline wie Insulin de-temir und Insulin glargin sind sicherer im Hinblick auf schwere nchtliche Hy-poglykmien als die NPH-Basalinsuline. Das neue ultralang wirksame Insulinana-logon Insulin degludec scheint nach bis-herigen Daten das Hypoglykmierisiko weiter zu senken. Das sehr ache und

    lang anhaltende Wirkpro l dieses Insu-lins erlaubt auch eine grere Flexibilitt bei der Injektion, d.h. es muss keine be-stimmte Uhrzeit eingehalten werden.

    Diabetes und Demenz: Wie hngt das zusammen?

    Verlaufsuntersuchungen haben gezeigt, dass Typ-2-Diabetiker ein etwa doppelt so hohes Demenzrisiko zeigen wie Sto -wechselgesunde, so Prof. Werner Kern, Ulm. Nicht nur die vaskulre, sondern auch die degenerative Demenz vom Alz-heimer-Typ tritt bei ihnen hu ger auf.

    Demente Patienten haben ein erhh-tes Risiko fr eine Unterzuckerung. So-mit stellt sich die Frage, was ist Henne und was ist Ei?, so Kern. Bei Typ-1-Di-abetikern habe man bisher nicht belegen knnen, dass Hypoglykmien die kog-nitive Leistung beeintrchtigten. Doch bei den meist lteren Typ-2-Diabetikern verdoppelt sich das Demenzrisiko, wenn wiederholt schwere Hypoglykmien auf-getreten sind. Auch gibt es Hinweise, dass sogar milde Hypoglykmien lang-fristig das Gedchtnis stren. sti

    Quelle: Deutscher Diabetes Kongress, 28.31.5.2014 in Berlin

    Sport bei Typ-1-Diabetikern

    Alles ist mglich!

    Typ-1-Diabetiker sind meist schlanke, aktive Menschen, die ihre sportliche Be-ttigung nach Entdeckung der Sto -wechselerkrankung keinesfalls aufge-ben mchten. Um Hypoglykmien zu vermeiden, mssen diese Patienten ler-nen, entsprechende Therapieanpas-sungen vorzunehmen. Dabei muss be-rcksichtigt werden, dass der Energie-verbrauch und auch die Insulinemp- ndlichkeit sowohl bei den verschiede-nen Sportarten als auch im Tagesver-lauf sehr unterschiedlich sein knnen. Wer das beherrscht, bei dem ist sport-lich alles mglich, versicherte Extrem-sportler Andreas May, Hamburg.

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    18 MMW-Fortschr. Med. 2014; 156 (12)

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