The science of sleep

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    10-Jul-2016

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<ul><li><p>Anaesthesist 2007 56:56DOI 10.1007/s00101-006-1127-zOnline publiziert: 19. Dezember 2006 Springer Medizin Verlag 2006</p><p>G. SchellingKlinik fr Anaesthesiologie, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universitt, Mnchen</p><p>The science of sleepAnleitung zum Trumen</p><p>Einfhrung zum Thema</p><p>Ein guter Schlaf ist fr einen gesunden Krper und eine gesunde Psyche essenziell. Trotz dieser wissenschaftlich gut gesicher-ten Erkenntnis besteht in den westlich ori-entierten Gesellschaften die Tendenz, kr-perliche und intellektuelle Leistungsfhig-keit mit geringem Schlafbedrfnis zu asso-ziieren. Die weit verbreitete (und oft irrige) Annahme, dass erfolgreiche Menschen mit nur einigen wenigen Stunden Schlaf aus-kommen, impliziert, dass Schlaf letztend-lich eine Verschwendung wertvoller Zeit darstellt. Diese Meinung wird auch hu-fig von rztlichen Kollegen vertreten, ob-wohl bekannt ist, dass bermdete rzte die Patientensicherheit gefhrden [1] und Ansthesisten nach lngerem Schlafentzug Einschrnkungen ihrer psychomotorischen Leistungsfhigkeit zeigen [2]. Gerade jun-gen rzten scheint whrend ihrer Ausbil-dung vermittelt zu werden, dass die Fhig-keit zum prolongierten Schlafverzicht eine essenzielle Voraussetzung fr eine erfolg-reiche Karriere in der Medizin darstellt. In der Realitt ist das bewusste Akzeptie-ren von Schlafmangel aber nichts anderes als ein Indikator fr mangelnde Professio-nalitt und ein gesundheitlicher Risikofak-tor fr Krankheitsbilder, die von koronarer Herzkrankheit bis zu Depression, Angstst-rungen und anderen psychiatrischen Er-krankungen reichen.</p><p>Diese Missachtung des Schlafes als es-senzieller Mechanismus zur Regeneration des Organismus zeigt sich aber nicht nur bei uns rzten selbst; sie findet sich auch in der Rolle, die ihm bei schwer kranken Patienten auf Intensivstationen zugebilligt wird. In dieser Ausgabe von Der Anaesthe-sist findet sich eine bersichtsarbeit von B. Waldner, in der es um Schlafstrungen bei </p><p>kritisch kranken Patienten geht. Diese Ar-beit beschreibt den gegenwrtigen Wissens-stand sehr anschaulich und zeigt u. a., dass mehr als 50% der Patienten in kritischem Zustand an Schlafstrungen leiden. Dies ist aber nicht nur die Folge der schweren Grunderkrankung, sondern auch iatrogen durch die Organisation der Arbeitsablufe auf den Intensivstationen bedingt. Trotz ei-ner wachsenden Zahl an validen Erkennt-nissen bezglich der negativen Effekte von Schlafstrungen bei schwer kranken Pati-enten, fehlt auf vielen Intensivtherapieein-heiten noch der Wille oder auch die tech-nischen Voraussetzungen zur Einhaltung einer Nachtruhe, wie sie fr viele andere Lebensbereiche selbstverstndlich oder so-gar gesetzlich vorgeschrieben ist.</p><p>Hat ein fragmentierter oder vllig feh-lender Nachtschlaf bei unseren Patienten tatschlich einen negativen Effekt auf die Ergebnisqualitt in der Intensivmedizin? Ein ausreichender Nachtschlaf dient auch der Stressreduktion bei schwer kranken Pa-tienten. Andererseits ist eine hohe Stress-exposition whrend Intensivtherapie mit einem negativen Behandlungsergebnis as-soziiert [3]. Weiterhin ist Schlaf ein wesent-licher Bestandteil des Immunsystems, und zwischen Schlafmangel sowie Immunsup-pression besteht ein eindeutig positiver Zu-sammenhang [4]. Schlafstrungen sind ein akzeptierter Risikofaktor fr delirante Syn-drome in der Intensivmedizin, und die-se sind mit einer erhhten Letalitt asso-ziiert [5]. Allerdings ist es den Neurowis-senschaften bisher nicht gelungen eindeu-tig zu zeigen, weshalb hher entwickelte Le-bewesen einen Groteil ihres Lebens schla-fend verbringen mssen, sodass man bei der Analyse mglicher Effekte von Schlaf-</p><p>entzug auf korrelative Daten angewiesen ist. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Schlaf eine wichtige Rolle im Rahmen der Neuroplastizitt und der Ge-dchtnisfunktion spielt. Dies gilt insbeson-dere fr die Interaktion zwischen Schlaf, Gedchtnis und der Prsenz von Trumen. Hier erscheint eine geordnete Schlafarchi-tektur fr die Enkodierung, den Abruf und die Verarbeitung von Informationen von groer Wichtigkeit zu sein [6]. Auch gibt es in Abhngigkeit von den unterschied-lichen Phasen des Schlafes [rapid eye mo-vement (REM) vs. non-rapid eye move-ment (NREM)] ein reziprokes Verhltnis zwischen geordnetem Denken und Hallu-zinationen [7]. Letztere wiederum sind bei Intensivpatienten hufig, werden teilweise als uerst bedrohlich erlebt und knnen mit dem Auftreten von posttraumatischen Belastungsstrungen assoziiert sein [8].</p><p>Diese Erkenntnisse weisen in ihrer Sum-me darauf hin, dass ein Umdenken in Be-zug auf eine ausreichende Schlafhygie-ne erforderlich ist. Dies gilt aber nicht nur fr den Umgang mit kritisch kranken Pa-tienten, sondern mglicherweise auch fr das rztliche Verhalten selbst.</p><p>G. Schelling</p><p>Korrespondierender AutorProf. Dr. G. SchellingKlinik fr Anaesthesiologie, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universitt81377 Mnchengustav.schelling@med.uni-muenchen.de</p><p>5Der Anaesthesist 1 2007 | </p></li><li><p>Literatur</p><p> 1. Gaba DM, Howard SK (2002) Patient safety: fatigue among clinicians and the safety of patients. N Engl J Med 347: 12491255</p><p> 2. Howard SK, Gaba DM, Smith BE et al. (2003) Simulation study of rested versus sleep-deprived anesthesiologists. Anesthesiology 98: 13451355</p><p> 3. Schelling G, Richter M, Roozendaal B et al. (2003) Exposure to high stress in the intensive care unit may have negative effects on health-related quali-ty-of-life outcomes after cardiac surgery. Crit Care Med 31: 19711980</p><p> 4. Bryant PA, Trinder J, Curtis N (2004) Sick and tired: does sleep have a vital role in the immune system? Nat Rev Immunol 4: 457467</p><p> 5. Ely EW, Shintani A, Truman B et al. (2004) Delirium as a predictor of mortality in mechanically venti-lated patients in the intensive care unit. JAMA 291: 17531762</p><p> 6. Stickgold R, Hobson JA, Fosse R, Fosse M (2001) Sleep, learning, and dreams: off-line memory reprocessing. Science 294: 10521057</p><p> 7. Fosse R, Stickgold R, Hobson JA (2004) Thinking and hallucinating: reciprocal changes in sleep. Psychophysiology 41: 298305</p><p> 8. Jones C, Griffiths RD, Humphris G, Skirrow PM (2001) Memory, delusions, and the development of acute posttraumatic stress disorder-related symptoms after intensive care. Crit Care Med 29: 573580</p><p>D. Berg, K. Ulsenheimer (Hrsg.)Patientensicherheit, Arzt-haftung, Praxis- und Kranken-hausorganisationHeidelberg: Springer-Verlag 2006, XI., 270 S., (ISBN 10:3-540-2367), gebunden, 49.95 EUR</p><p>Das im Springer-Verlag vllig neu konzi-pierte und 2006 erschienene Buch verfolgt zwei Ziele. Zum einen die Sicherheit des Patienten in der Medizin zu frdern und zum anderen die Risiken des Arztes in Gestalt der Haftung seiner rztlichen Ttigkeit zu verringern. Den Juristen gibt dieses Buch einen Einblick in die rechtliche Bewertung dieser z.T. sehr schwierigen Materie. </p><p>Es ist den Herausgebern gelungen, aus den Bereichen Medizin, Recht, Versiche-rung, Verwaltung und Risikomanagement namhafte Autoren fr ihre Beitrge zu gewinnen. </p><p>Sie finden in diesem hervorragend durchstrukturierten Buch aktuellste Informationen zur Qualittssicherung, Risikomanagement, Verantwortlichkeit fr den Personaleinsatz in Klinik und Praxis sowie wichtige Informationen ber Einar-beitung und Fortbildung von Mitarbeitern. Nicht zu kurz kommen Aufklrung und Dokumentation, Antworten zu Organisa-tionspflichten und Organisationsverschul-den und Prinzipien einer arbeitsteiligen Zusammenarbeit, wie z.B. zwischen Arzt und Hebamme. Das Buch enthlt Beson-derheiten fr den Belegarzt und Ausfh-rungen zur Einhaltung von Sicherheitsbe-stimmungen. </p><p>Wichtiges aktuelles Thema ist die Risikominimierung, das Verhalten nach Zwischenfllen sowie die Darstellung des Critical Incident Reporting (CIR) Systems. Ausfhrlich wird die wichtige Frage zur haftungsrechtlichen Relevanz medizi-nischer Leitlinien und die Vernderung des medizinischen Standards und der Organi-sationsverantwortung in Zeiten knapper Ressourcen diskutiert. </p><p>Insgesamt ist dieses Buch ein Muss fr jeden Klinikdirektor. Es ist geeignet, sich sehr schnell ber die wesentlichen kritischen Fragen sowohl im Klinikalltag als auch in der Praxis kompetent und umfas-send zu informieren. Es kann aber auch als </p><p>aktuelles Nachschlagewerk fr bestimmte Probleme jederzeit herangezogen werden. </p><p>Es ist gleichermaen geeignet fr Lei-tende Oberrzte und alle, die es werden wollen sowie fr alle Berufsgruppen, die sich mit Qualittsmanagement, den Scha-densmglichkeiten und der Haftung fr rztliche Ttigkeit beschftigen.</p><p>Es handelt sich um ein ausgezeichnet zusammengestelltes Werk, dessen Wert gar nicht hoch genug eingeschtzt werden kann.</p><p>R. Kreienberg (Ulm)</p><p>Buchbesprechungen</p><p>6 | Der Anaesthesist 1 2007</p></li></ul>