Und Gott schuf Darwins Welt - Wort und ?· Und Gott schuf Darwins Welt ... warum sollte es ein Problem…

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    17-Sep-2018

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  • WORT UND WISSEN

    Und Gott schuf Darwins Welt

    Rezension von Reinhard Junker und Henrik Ullrich

    Hemminger H (2009) Und Gott schuf Darwins Welt.Der Streit um Kreationismus, Evolution und In-telligentes Design. Gieen: Brunnen.

    Hansjrg Hemminger, habilitierter Biologe undWeltanschauungsbeauftragter der EvangelischenLandeskirche in Wrttemberg, ist als Kritiker desKreationismus im Allgemeinen und der SG Wortund Wissen im Besonderen bekannt. Ende 2007 ver-ffentlichte er bereits eine ausfhrliche StreitschriftMit der Bibel gegen die Evolution (EZW-Text Nr.1951 ). Viele Teile von Hemmingers neuem Buch ent-sprechen dem EZW-Text oder sind ihm hnlich, sodass zunchst auf unsere diesbezgliche Stellung-nahme verwiesen werden soll.2 Alle dort angefhr-ten fachlichen Kritikpunkte bleiben in HemmingersBuch unbeachtet; die kritisierten Ausfhrungenwerden weitgehend unverndert wiederholt (z. B.ab S. 96, ab S. 132 und ab S. 140). Dies ist insofernkonsequent, als Hemminger ebenfalls wiederholt:Die Abstammungstheorie lsst sich vernnftiger-weise und in Kenntnis ihrer Dokumente nichtbestreiten, sofern man der menschlichen Vernunftberhaupt zutraut, rationale Erklrungen fr Na-turvorgnge zu finden. Eine wissenschaftliche Dis-kussion ber diese Frage ist berflssig (S. 103).Die Evolutionstheorie ist also fr Hemminger nichtmehr hinterfragbare Grundlage fr die Diskussionder Beziehung von christlichem Glauben und Na-turwissenschaft. Der Kritik an dieser Position stellter sich in diesem Buch praktisch nicht.

    In dem Buch Und Gott schuf Darwins Weltgeht Hemminger zunchst auf aktuelle ffentlicheAuseinandersetzungen ber den Kreationismusunter der berschrift Kreationismus im Aufwindein.3 Es folgt ein Blick in die Geschichte des Verhlt-nisses von Bibeltext und Weltwissen. Das dritteKapitel Die Bibel und die Angst vor der modernenWelt bringt weitere historische Betrachtungen,stellt verschiedene Formen des Kreationismus unddie Sintflut-Geologie vor, und es wird die Situationin Deutschland und die SG Wort und Wissen be-handelt. In den weiteren Kapiteln wird die Evoluti-

    onstheorie erlutert und es werden einige Inhaltedes Kreationismus und des Intelligent-Design-An-satzes kritisiert. Es folgt ein Kapitel Wissenschaftund Ideologie, in welchem vor allem atheistischeIdeologien kritisch beleuchtet werden, und schlie-lich das Thema Perspektiven fr das Gesprch mitder Naturwissenschaft.

    Die folgende Stellungnahme zu HemmingersBuch erfolgt aus der Sicht der StudiengemeinschaftWort und Wissen, auf deren Arbeit der Autor anvielen Stellen eingeht. Auf dem Klappentext wirddem Leser unter anderem versprochen, dass er nachLektre des Buches Bescheid wei, welche prgende

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    Rolle die Studiengemeinschaft Wort und Wissen inEuropa einnimmt.

    Evolutionslehre = Naturwissenschaft

    Das ganze Buch durchzieht ein grundlegender kate-gorialer Fehler: Hemminger setzt die Akzeptanz desEvolutionsparadigmas mit der Akzeptanz von Na-turwissenschaft gleich. Diese Gleichschaltung ist ausmehreren Grnden sachlich falsch. Auch ohne dasParadigma Evolution gelang und gelingt eine er-folgreiche Naturwissenschaft. Evolutionsforschung,als methodisches Instrument, nutzt zwar wie jedeUrsprungs- und Naturgeschichtsforschung natur-wissenschaftliche Elemente, ist aber keine reine Na-turwissenschaft, sondern eine historische Wissen-schaft mit dem Ziel der Rekonstruktion von Natur-geschichte. Die falsche wissenschaftstheoretischeWeichenstellung erfolgt bereits auf der ersten Seiteanhand eines kommentierten Briefes und durchziehtdas ganze Buch. Dazu nur einige Beispiele: DerSchpfungsglaube habe fr den Kreationismus nurdann eine vernnftige Grundlage, wenn man dieNaturwissenschaft verwerfe (S. 17). Der Streit mitder Naturwissenschaft konzentriert sich auf die Bio-logie, (S. 70). Wort und Wissen sehe sich in derPflicht, groe Teile der Naturwissenschaft, bis hinzur Geologie und Physik, pauschal abzulehnen;Wort und Wissen sei zur Feindschaft mit der Wis-senschaft gezwungen (S. 85). Kreationist undNaturwissenschaftler werden in einen Gegensatzgebracht (S. 86). Denn ein Glaube, der sich gegendie Wissenschaft wendet, ist ein Glaube, der sichselbst missversteht (S. 161). Die Naturwissenschaftwird grundstzlich als Problem fr den Glaubengesehen mit der stillschweigenden Folgerung, dassdie Christenheit ohne moderne Naturwissenschaftbesser dran wre (S. 183). Man zahle den Preiseiner falschen Frontstellung gegen die Wissenschaft(S. 189).4

    Immer wieder erscheint Naturwissenschaft oderWissenschaft in Hemmingers Buch faktisch als et-was objektiv Vorgegebenes, vllig unabhngig vonsubjektiven Elementen, wie ein absoluter Mastab,der das weitere Denken und das Wie des Glaubensbestimmt. Speziell der Naturwissenschaft wird da-mit ein Stellenwert und eine Qualitt zugebilligt, dieihr nicht zukommen. Zum einen, weil sie nur einWerkzeug ist, mit dem man unter der Leitung ver-schiedener Paradigmen Daten gewinnen und Wie-

    Fragen beantworten kann. Sie ist aber kein Werk-zeug, mit dem alleine Ursprungsfragen (Woher-Fragen) sicher beantwortet werden knnen. Zumanderen, weil Naturwissenschaft von Menschenbetrieben wird, die in einem soziokulturellen Kon-text stehen, und daher weder wertfrei noch voraus-setzungslos mit den Fakten und ihrer Interpretationumgehen. Auch der Verweis auf den methodischenReduktionismus hebt diese Zusammenhnge nichtauf. Insbesondere in der Ursprungsfrage sind welt-anschaulich geprgte Vorgaben, in denen die natur-wissenschaftliche Praxis eingebettet ist, unvermeid-lich und erweisen sich als motivierende Faktoren inder Forschung.

    Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen hatsich zu ihrem Verhltnis zur Naturwissenschaft klarpositioniert.5 Kein Wort dazu von Hemminger.6 WerWort und Wissen kennt, wei, dass die Ergebnisseder Naturwissenschaft erst genommen werden, soernst, dass die daraus folgenden eigenen offenenFragen angesichts des momentanen naturwissen-schaftlichen Kenntnisstandes ausdrcklich formu-liert werden.

    Mit der Behauptung, Wort und Wissen sei Feindder Wissenschaft, formuliert Hemminger einenschwerwiegenden, unberechtigten Vorwurf.Schwerwiegend ist dieser Vorwurf, weil er dazubeitrgt, dass die Studiengemeinschaft und die vonihr vertretene traditionelle christliche Sicht (direkteSchpfung durch Gottes Wort) in der ffentlichkeitin den Zusammenhang von Wissenschaftsfeindlich-keit und sogar Demokratiefeindlichkeit gert, wie esin den letzen Jahren in vielen Pressetexten zumAusdruck gebracht wurde.7 Diese Entwicklungmssen Christen mit Sorge zur Kenntnis nehmen,zumal keineswegs nur Kreationisten Zielscheibedieser unerhrten Unterstellung sind. In Wirklich-keit ist der ganz berwiegende Teil aktueller wissen-schaftlicher Forschung von der Ursprungsfragevllig unberhrt. Die Diskussion um Evolution,Design und Kreationismus berhrt gerade diejeni-gen Wissenschaftsfragen berhaupt nicht, von de-ren Ergebnissen unsere Gesellschaft z.B. in Medizinund Technik profitiert. Zudem geht der Fortschrittder Wissenschaft keineswegs automatisch mit einemFortschritt in Ursprungsfragen einher! Die Unter-stellung, Wort und Wissen sei wissenschaftsfeind-lich, ist eine Herabwrdigung, die ein Feindbild er-zeugt, aber keinerlei sachliche Grundlage hat.

    Die feste Verknpfung von Naturwissenschaftmit dem Evolutionsparadigma fhrt zum zentralen

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    antikreationistischen Motiv Hemmingers: Kreationismussei ein Hindernis fr den Glauben (S. 78) und wrdees den religionsfeindlichen Ideologen leicht machen,gegen den Glauben zu polemisieren. Machen wir esihnen in Gottes Namen schwer (S. 65; vgl. auch S.95 und Anm. 7). Doch der Preis, den Hemmingerdafr zahlt, ist hoch: das in der Bibel gegebene WortGottes geht als Mastab verloren zusammen mit denInhalten, die es als Christ zu bezeugen gilt. Daraufkommen wir im Folgenden zu sprechen.

    Theologische Fragen

    Nur an wenigen Stellen geht Hemminger auf dietheologische Problematik einer Schpfung durchEvolution ein. Er erwhnt auf S. 84ff. die Rechtfer-tigungsbotschaft des Neuen Testaments und denZusammenhang zwischen Adam und Christus.Diesem Argument gesteht er theologische Ernsthaf-tigkeit zu, behauptet dann aber, dass sich dahinterein fundamentalistisches Schriftverstndnis ver-berge, das die Bibel zur Norm fr historische undnaturwissenschaftliche Fragen macht, weit jenseitsder Glaubensaussagen und ohne einen Zusammen-hang mit ihnen (S. 85). Hemminger fhrt fort: Dennwarum sollte es ein Problem sein, dass Paulus imRmerbrief seine Botschaft vom alten Menschen, frden Adam steht, und vom neuen Menschsein inChristus mithilfe der geschichtlichen und natur-kundlichen Vorstellungen seiner Zeit formuliert?Die Antwort auf diese rhetorische Frage ist: Paulusverknpft ausdrcklich den historischen Adam mitdem historischen Jesus und seinem Heilswerk. DieAussagen des Apostels machen keinen Sinn, wennAdam keine historische Person war. Wenn aberHemminger meint, dass es die Person Adam als er-sten Menschen nicht gegeben hat, dann hat sichPaulus geirrt. Folglich ist eine damit gekoppelte zen-trale Aussage des Neuen Testaments in Frage ge-stellt. Warum lenkt Hemminger von diesem zentra-len theologischen Tatbestand den Leser durch dasKampfwort Fundamentalismus ab?

    Diese Thematik wurde an anderen Stellen viel-fach ausfhrlich behandelt.8 Hemmingers Ausein-andersetzung damit beschrnkt sich aber nur aufdie Formulierung einiger rhetorischer Fragen. SeineBehauptung, die Paulusworte im Rmerbrief wr-den von Wort und Wissen historisierend gedeu-tet, stellt den Sachverhalt auf den Kopf. Es ist exege-tisch klar: Paulus versteht Adam genauso als histo-

    rische Person wie Jesus Christus, denn der Apostelstellt Adam und Christus einander gegenber.9

    Hemmingers Hinweis, es sei hufige Auslegung,dass Adam das Menschsein an sich meine (S. 84),wird nicht belegt. Bei Rmer 5,12ff. ist die DeutungAdam = Menschheit exegetisch ohnehin nichtmglich. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mittheologischen Argumenten sieht anders aus.

    Darber hinaus muss man Hemminger und vieleandere gleichlautende Stimmen fragen, was denndie Aussage des Paulus in Rmer 5,12ff. in einerevolutiven Welt berhaupt beinhalte. Was soll esheien, dass Jesus fr die Snde der Menschen ge-storben ist, wenn Snde ein Evolutionsprodukt ist?Die oben zitierte rhetorische Frage (Denn warumsollte es ein Problem sein, ) beinhaltet keineAntwort. Genauso muss man bei der folgendenAuffassung nachfragen: Die Symbolik dieser Ge-schichte [gemeint ist die Paradieseserzhlung inGenesis 2] zielt nicht auf die Idee einer goldenenUrzeit, sondern auf die einer ungebrochenen Got-tesbeziehung des Menschen, die verloren ging (S.86). Mit der Alternative nicht , sondernwird ein falscher Gegensatz aufgebaut, denn beidestrifft nach dem Bibeltext zu. Und wie soll eine Got-tesbeziehung entstanden und verloren worden seinim Rahmen einer Evolutionsgeschichte, die berausgestorbene Menschenaffen und ein Tier-Mensch-bergangsfeld zu primitiven Menschen und schlie-lich zu uns Heutigen fhrt? Darauf erhlt man inHemmingers Buch keine Antworten.

    Was tut Gott als Schpfer?

    Wenn das Medikament den Kranken gesund ge-macht hat, was hat Gott noch damit zu tun? (S. 6)Und: Aus medizinischer Sicht entsteht das einma-lige menschliche Individuum jedoch durch einenabsichtslosen Naturprozess (S. 7).10 In den Theo-rien der Fortpflanzungsmedizin und der Genetikkommt Gottes Handeln nicht vor. Dennoch brau-chen wir keine andere Medizin, die feststellt, wannund wo Gott in den Prozess der Reifeteilung undInsemination eingreift (S. 7). Mit diesen Verglei-chen wirbt Hemminger dafr, deshalb auch keinenGegensatz zwischen dem natrlichen Evolutions-prozess und Gottes Schpfungshandeln zu sehen.Wenn wir Gott als den Schpfer bekennen, erken-nen wir die Phylogenese als Ausdruck von GottesSchpferwillen (S. 160).

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    Hier erfolgt neben der Gleichsetzung von Natur-wissenschaft und Evolution eine zweite falscheWeichenstellung durch Hemminger. Gottes Schp-fungshandeln am Anfang (creatio originalis, creatiospecialis) wird qualitativ mit Gottes erhaltendemHandeln (creatio continua) gleichgesetzt. Es ist zwar inder Tat eine vielfache Aussage der Bibel, dass Gott inallen Dingen wirkt, auch in den regelhaften. Ichglaube, das Gott mich geschaffen hat samt allenKreaturen (Luther). Aber er wirkt nicht nur so. Es istnmlich ein ebenso klares Zeugnis der HeiligenSchrift, dass Gott direkt eingreift, dass er auf eineWeise schpferisch ttig ist, die regelhafte Ablufesprengt und grundstzlich Neues aus nicht Vor-handenem entstehen lsst. Neben der Schpfung amAnfang (Gen 1-2) denke man an die Totenauferwek-kungen Jesu, an augenblicklich erfolgende Heilun-gen durch sein Wort, an das Brotwunder oder dieaugenblickliche Stillung des Sturms und an die vonden Autoren des Neuen Testaments daraus gezoge-ne Schlussfolgerung, dass sich darin Jesus als GottesSohn offenbart. Gott spricht und es geschieht (Ps33,9); das ist mehr als sein verborgenes Wirken inden normalen Ablufen des Lebens. Gott ist in sei-nem Handeln nicht an natrlich ablaufende Vor-gnge gebunden. Bei der Lektre von HemmingersBuch gewinnt man einen anderen Eindruck: Jedergegenstndliche Bezug des SchpfungshandelnsGottes verschwindet hinter allgemeinen unkonkre-ten Formulierungen.

    Gottes Schpferwirken kann man mit Naturwis-senschaft nicht beweisen, aber umgekehrt muss dieFrage erlaubt sein, wie sich Gottes Schpfermacht inder gegenstndlichen Welt zeigt.

    Hemminger wirft eingangs die Frage auf: Wasbedeutet es, ber das Ganze von Welt und Wirklich-keit zu sagen, Gott habe alles geschaffen? (S. 8)Darauf gibt es im ganzen Buch nur die Antwort,dass die Ergebnisse der Naturwissenschaft aus christ-licher Sicht als Schpfung interpretiert werdenmssen. Wenn mit gleicher Leidenschaft in diemoderne Welt hinein von Gott als Schpfer gespro-chen wrde, und dies mit anstatt gegen die Wissen-schaft, htte der Kreationismus nicht mehr vieleChancen, und Atheisten htten einen echten Ge-sprchspartner (189). Das ist eine Mogelpackung,denn was bleibt als Inhalt von Schpfung? Es ge-ngt nicht, einfach nur das, was im Rahmen einerevolutiven Weltsicht als Geschichte des Kosmos be-schrieben wird, kurzum mit dem Etikett Schp-fung zu versehen. Was wre das mehr als nur das

    fnfte Rad am Wagen? Oder: Da die Welt aus derSicht des christlichen Glaubens insgesamt in GottesHand liegt und der Geist Gottes stndig in ihr wirkt,spricht nichts dagegen, an Stelle der Formel Aus-druck des Ganzen die biblische Formel Wille Got-tes zu setzen beim Unfall nicht und in der Stam-mesgeschichte nicht. Man muss sich nur darber imKlaren sein, dass man die naturwissenschaftlicheTheorie damit weltanschaulich deutet und dass auchandere Deutungen logisch zulssig sind (S. 160).Gottes schpferisches Handeln liegt auf einer fr dieNaturwissenschaft nicht greifbaren Ebene: Dass dieSelektionsvorstellung hufig als Widerspruch zumSchpfungsglauben verstanden wird, und zwar vonNichtchristen und Christen, beruht darauf, dass siescheinbar einen plan- und absichtslosen Naturpro-zess an die Stelle Gottes setzt. In Wirklichkeit liegendie beiden Aussagen nicht auf einer Ebene und...

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