Vergleichende elektronenmikroskopische Untersuchungen am kindlichen Kehlkopfpapillom und am Papillom des weichen Gaumens von Erwachsenen. Kritische Stellungnahme zum elektronenoptischen Virusnachweis

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    13-Aug-2016

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  • P. SCI=I~OETELER: Stellungnahme zum elektronenoptischen Virusnachweis 413

    52. P. SCHROETELER-Marburg/Lahn: Vergleichende elektronenmikro- skopische Untersuchungen am kindlichen Kehlkopfpapillom und am Papillom des weiehen Gaumens yon Erwachsenen. Kritische Stellung- nahme zum elektronenoptischen Virusnachweis

    Seit den Untersuchungen von ULL~ 1922 wird die Virusiithiologie des kindlichen Kehlkopfpapilloms diskutiert.

    ULLMAN beobachtete, dab sieh bei der Entfernung eines kindlichen Kehlkopfpapilloms an der zufifllig mit dam Operationsinstrument ge- ritzten Lippa, im Bereich tier Itaut-Sehleimhaut-Grenze, nach 3 Monaten flache Warzen bildaten.

    Im Experiment gelang es ihm dann, durch die Transplantation auf Mensch und Hund und dureh Ubertragung aines zellfreien Filtrates nach ainer Inkubationsdauer ~on ca. 3 Monaten Papillome harvorzurufen.

    Bislang konnta aber weder das hypothetisehe Virus direkt nach- gewiesen werden, noeh gelang der serologische Nachweis yon spe- zifischen AntikSrpern.

    Die Struktur des angeschuldigten Virus blieb bis heute gleichfalls unbekannt.

    Es mul~ be~ont werden, da6 der elektronenmikroskopische Nachweis yon virusi~hnlichen KSrperehen innerhalb der Papillomzellen lediglich als wertvoller ttinweis geltan kann.

    Ein Beweis der Virusnatur des Kehlkopfpapilloms liegt dadurch noch nicht vor.

    Der direkte Naehweis des verantwortliehen Virus, seine Zfichtung und das Auffinden yon spezifischen AntikSrpern kSnnte der Beginn einar Baweiskette sein, die dureh den elektronenoptischen Befund arg~nzend abgerundet wfirde.

    Es hiel~e die Aussagekraft des alaktronanoptischen Bildas fiber- fordern, wenn man aus dam Naehweis yon virus~hnlichan KSrperchen innerhalb von Papillomzellen den Analogieschlul~ ziehen wollte, da~ es sich auch beim mensehliehen Kehlkopfpapillom um einen Virustumor handelt.

    Beim Shopeschen Kaninchenpapillom wurde das Virus direkt naeh- gewiesan und es stellt sieh auch im alektronenmikroskopischen Bild in grol3er Zahl dar.

    Es handelt sieh bei den zahlreichen ViruskSrpern im Shopeschan Kaninehenpapillom um elipsoide Strukturen, die einen kontrastreichen Kern umschliel~en.

    MwEssE~- u. SCHULZ fanden bei ihren Untersuehungen im para- nueleiiren Beraich dar Epithelien von kindlichen Papillomzellan Bl~s- chenstrukturen, die ~hnlich wie beim Shopeschen Virus einen kontrast- reichen Kern besitzen.

  • 414 P. SCm~O~T~LEI~: Ste]lungnahme zum elektronenoptischen Virusnachweis

    Wir untersuehten elektronenoptisch mehrere Kehlkopfpapillome yon drei Kindem im Alter yon 3--10 Jahren und vergliehen die er- hobenen Befunde mit den Strukturen yon drei Papillomen des weichen Gaumens yon Erwaehsenen.

    In beiden Untersuchungsgruppen konnte festgestellt werden, dab es sich um einen geordneten Epithe]aufbau auf einem verzweigten Binde~ gewebsstock handelt.

    Bei den kindlichen Fibroepitheliomen ist das Stroma feiner gegliedert, zellreieher and die bindegewebige Komponente tritt eher zurfiek. Die Papillome des weichen Gaumens zeichnen sieh dureh ein Hervortreten des bindegewebigen Anteils aus.

    Bei den kindliehen Kehlkopfpapillomen fanden wir oval~re Bli~schen- strukturen mit einem kontrastreiehen Kern. Diese K6rperchen zeigen im Aufbau eine gewisse ~hnliehkeit mit den yon MEESSE~ u. SCI~ULZ beschriebenen Formen und auch mit den reifen Viren des Shopesehen Kaninchenpapilloms. Bei den yon uns gefundenen K6rperchen f~llt aber auf, dab der kontrastreiehe Kern nicht immer streng mittelst~ndig, wie bei den Virusk6rpern des Shopesehen Fibroms, sondern aueh rand- sti~ndig, an den Polen des ovaliiren Bli~schens anzutreffen ist.

    Bei den Papillomen des weichen Gaumens k6nnen gelegentlieh gleichfalls zahlreiche ovals Bl~sehen mit einem kontmstreichen Kern angetroffen werden. Diese Strukturen sind aber bedeutend kleiner als die KSrperchen innerh~lb der Papi]lomzellen des Kehlkopfes. AuBerdem finden sich h~ufig zwei kontrastreiehe Kerne, die meist an den Po]en der ovals Bl&schen angeordnet sind.

    0bgleieh wir ebenso wie MEESSEI~ U. SCHULZ innerhalb der Papillom- zellen K6rperehen fanden, die den Viren des Kaninehenpapilloms gleichen, m6chten wir aus unseren Befunden nieht den SehluB ziehen, dab es sieh bei den nachgewiesenen intracytoplasmatisehen Strukturen um Viren handelt.

    Wir m6chten die Frage naeh der Virusnatur des ldndlichen Kehl- kopfpapilloms auch deswegen noeh offen]assen, weft die Deutung be- stimmter Strukturen im elektronenoptischen Bild durch die versehieden- artigen Degener~tionsformen der Mitochondrien und durch die zahl- reichen m6gliehen Ebenen, in denen ein Zellbestandteil angeschni~ten bzw. dargestellt sein kann, ersehwert wird.

    Aus diesen Griinden k6nnen Einschlugk6rperchen yon Papillom- zellen, die im elektronenoptischen Bild ~hnlichkeit Init bekannten Viren haben, ein interessanter Hinweis auf die m6gliche Virusnatur des kind- lichen Kehlkopfpapilloms sein.

    Der Beweis der Virusnatur muB dagegen anch weiterhin den Methoden vorbehalten bleiben, die einen dh'ekten Virusnaehweis erm6gliehen.

  • W. GABRIEL U. P. H. HOLINGEI~: Granulome nach endotrachealer Intubation 415

    Diskussion zum Vortrag 52

    A. BECKER-Nfirnberg: Bei dem Nachweis yon Eiasch]uBkS~perchen oder Viren in eiaem Tumor -- auch in einem virusbedingtea Tumor -- ist Vorsicht hinsichtlich der Annahme der ~tiologischen Bedeutung geboten. Die Anwesenheit eines Virus in ei~em Tumor darf nicht ohne weiteres als Beweis ffir eiae spezifische Atiologie an- gesehen werden. Es ist bekarmt, dab manche Virustumoren wie ~uch Nichtvirus- tumoren eine Empf~ngliehkei~ ffir Parasitierung dutch Virea haben kSnnen, ohne da]~ diesen sekund~r angesiedelten Viren, die yon den Tumorze]len lunge Zeit mit- geschleppt werden, eine ~tiologische Bedeutung zukomm%

    0. KLEINSASSER-KSI~: weist darauf bin, dab bereits serologische Untersuchun- gen vor]iegen, die doch eiaen sehr starken Hinweis auf die Virusgenese juveniler l~ehlkopfpapillome geben.

    M. HOFMANN-Berlia: Ich h~t~e eine %echnische Frage an den I-Ierru Vortragen- den. Es ist bekannt, da~ bei der Herstellung elektronenmikroskopischer Priipara~e h~iufig Fixierungsartefakte besonders mit der in der Elektronenmikroskopie ge- br~uch]ichen Osmiums~iure entstehen, l~[eine Frage geht also d~hin, zu erfahren, welche Fixierungsmitte] bei den }tier gezeigten elektronenoptischen Bildera mit den darin enthaltenen a]s Papi]]omvirus ~ngesproehenen Strukturen angewandt wurden.

    H. DENNHARDT-Hamburg: Zu Herrn SC~I~6TELER: HAJEK berichte~ in seinem Lehrbuch fiber einen Fall yon Larynxpapillom, der 40real operier~ wurde. Diese Rezidivneigung is~ wohl schwer]ieh mit einer Virusgenese in Einklang zu bringen.

    P, A. SCItROETELER-Marburg (Lahn) : (Schlu2wort nieht eingegangen.)

    53. W. GABRmL-Bonn und P. H. HOLl~GER-Chicago : Endolaryngeale Granulome nach endotrachealer Intubat ion (M]t 3 Textabbi ldungcn)

    1928 beschrieb C~EVALImr JACKSOI~ 4 Kontaktu lcera mit nach- folgender Bi ldung yon unspezifischen Granulomen im Larynx. Als Ursuchen hierffir sah man im wesentl ichen die unphysiologische Uber- forderung der St immb~nder durch Mfl~brauch der St imme, In fekt ion der oberen Luftwege, exzessives Rauchen und hiermit verbundene ~ller- gische ]~ektionen an.

    In Ubere inst immung mit JAc~:so~ geben HOLINGE~ u. JOHNSTON ~ an, d~[~ ein in den letzten 24 Juhren wiederholt beschriebenes Granulom nach endotrachealer Intubation mit dem Kontaktu lcusgranu lom iden- tisch ist.

    Die Symptome des endolaryngealen Granulomes nach Intub~t ion sind gleichfalls Heiserkeit, ]~ustenreiz und Kehlkopfschmerzen, die beim Sprechen bis in die Ohren ausstrahlen k6nnen.

    Anamnest isch ist zu s~gen, dal~ es prinzipiel l Spi~tkomplikationen sind. Bei HOLINGn~ finden sich die Granu]ome in den beobachteten

    Arch. Ohr.-, Nas.-, u. Kehlk.-Heilk., Bd. 183 (KongreBbericht 1964) 27

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