Wer ist diese Stadt

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Katalog zur Ausstellung des Kunstfestes Neustadt 2015, rund um den Neustdter Markt im Leipziger Osten. Das Motto ldt ein, sich kritisch und aus vielen Perspektiven mit dem Jubilum 1000 Jahre Leipzig Wir sind die Stadt auseinanderzusetzen.

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  • WER ISTDIESE

    STADT ?KUNSTFEST NEUSTADT 4.12. JULI 2015

  • Die Ausstellung des Instituts fr Kunstpdagogik im Rahmen der Kunstwoche am Neustdter Markt findet nun zum siebten Mal in Kooperation mit vielen Initiativen des Leipziger Ostens und Gastknstler_innen statt. Im Seminar wurde anhand von Beispielen aus der Kunst sowie Knstlerschriften die Relevanz konzeptueller Anstze und Herangehensweisen fr heutige knstleri-sche Intentionen diskutiert. Im weiteren Verlauf wurden aktuelle Praktiken fokussiert, die an die Konzeptkunst anknpfen: kontextuelle, gesellschaftskritische und par-tizipatorische Projekte als Schnittstelle zwischen knstle-rischer Praxis und Vermittlung. Ziel des Seminars war das Entwickeln eigener Konzepte und die Beteiligung an der Ausstellung im Rahmen des Kunstfestes Neustadt. Von 2009 bis 2012 fanden die Prsentationen der konzeptu-ellen knstlerischen Arbeiten der Studierenden im Pge-Haus statt, wo mittlerweile ein funktionierendes Hauspro-jekt mit kulturellem Schwerpunkt entstanden ist. In diesem Jahr steht unserem Institut das Haus 27 als eines der letzten leerstehenden Huser des Quartiers zur Verf-gung. Darber hinaus werden andere, bisher ungenutzte Rume in der nheren Umgebung bespielt und belebt.Ein zentraler Ausgangspunkt fr die Auseinandersetzung im Seminar war die an Orte gebundene Erinnerung.

    Daraus ergaben sich Fragen nach dem, was sich aus diesen persnlichen wie kollektiven Erinnerungen als Fiktionen fr ein Stadtviertel entwerfen liee. Diese Fragen bilde-ten den Nhrboden fr individuelle konzeptknstlerische bzw. kontext-bezogene Arbeiten. Frei gestellt war, ob die Umsetzung in eine bildnerische bzw. installative Arbeit im Haus 27 mndet oder ob eine Kooperation im Stadtteil realisiert und dokumentiert wird. Vermittlungsprojekte waren Teil der Arbeit; sie knpfen an eigene sowie die Arbeiten der anderen Projektbeteiligten an. Eine Besonderheit und groe Bereicherung in diesem Sommersemester: Das Knstlerduo REINIGUNGSGE-SELLSCHAFT, alias Martin Keil und Henrik Mayer, fhrten als Experten fr partizipatorische Praxis von April bis Juni 2015 ein Coaching fr die Studierenden der auerschulischen Kunstpdagogik durch. Forschungs-rundgnge, Besuche von Initiativen und Begegnungen mit Hndler_innen und Ortsansssigen des Stadtteils gaben letztendlich die Initialzndung fr die Entwicklung der Projektideen.Als weitere Gastknstlerin ist Camen Loch mit einem partizipatorischen, fotografischen Projekt im 1.OG pr-sent.

    Wer iSt dieSe StAdt? AuSStellung im HAuS 271.og und 3. og (linke Wohnung)Seminarkonzeptuelle und kontextuelle knstlerische Praxis und konzepte und Projekte der kunstvermittlungAuerschulische kunstpdagogik, 4. Semester

    leitung: Verena landau/markus laubein kooperation mit dem Pge-Haus e.V.Projektleitung: Stefan kauschCoaching: reinigungSgeSellSCHAFt

  • In der zweiten Etage des Haus 27 werden Ergebnisse des Moduls Kunstproduktion und Rezeption im kunstpd-agogischen Kontext gezeigt. Das Modul besteht aus der bung Bildnerische Vorbereitung der kunstpdagogi-schen Praxis, geleitet von Verena Landau und einer Vor-lesung mit seminaristischem Anteil, gehalten von Prof. Frank Schulz.In der bung stand in diesem Sommersemester das The-ma der ERINNERUNGSRUME im Zentrum. Wer kennt das nicht? Man betritt einen RAUM und pltzlich wird eine Erinnerung an etwas ausgelst. Welche Rolle spielt FARBE in der wahrgenommenen Atmosphre? Erinnert uns das BILD, in das wir eintreten, an andere schon ge-sehene BILDER? Ausgehend von einem Raum und einer Erinnerung konnte ein Bildfindungsprozess beginnen der Prozess der Transformation eines fotografischen Bildes zur Malerei.Die bung bot die Mglichkeit, zeichnerische Grundlagen des Studiums der Figur und der Perspektive zu vertiefen und miteinander in Beziehung zu setzen.

    Die Wechselwirkung verschiedener Medien wie fotogra-fisches und filmisches Bild, Projektion, Fotobermalung sowie Collage und Montagetechniken dienten als einzel-ne Schritte der Bildfindung. In diesem Semester stand die bung in besonderem Zusammenhang mit dem Blockse-minar von Prof. Frank Schulz.Die Gestaltungsprinzipien RAUM, FARBE, BILDWELT waren die drei zentralen Themen der Vorlesung und diese wurden in der Bildnerischen Vorbereitung in der Praxis erprobt. Fr diese Ausstellung wurden in neun Rumen interakti-ve Stationen zu den verschiedenen Gestaltungsaspekten entwickelt. Die DEMONSTRATIONSRUME machen die bildnerischen Gestaltungsprinzipien reflexiv- objekt-haft prsent und individuell-gestalterisch erlebbar.

    kunStProduktion und rezePtion im kunStPdAgogiSCHen kontextein modul der Auerschulischen kunstpdagogik, 2. Semesterleitung: Verena landau/Prof. Frank SchulzSommersemester 2015

  • Das Prinzip Raum verweist zunchst einmal auf eine Praxis in der Kunst des 20. Jahrhunderts jenseits der gewohnten Umgangsweise mit vom Menschen gebauten und einge-richteten Rumen, die zum Wohnen, zum Arbeiten, zur Erholung usw. dienen und damit einen bestimmten Zweck erfllen. In der zeitgenssischen Kunst werden Rume selbst zu Kunstwerken und bringen wie ein Gemlde oder eine Grafik das Weltverhltnis ihres Schpfers zum Ausdruck. Seit den spten 1950er-Jahren sind es sogenannte Environments dreidimensionale Kunstwerke die ganze Einrichtungen umfassen. Spter setzt sich fr Raumkunstwerke zunehmend der Begriff Installation durch, wobei die Betonung darauf liegt, dass die Knstlerinnen und Knstler nicht nur eigene Kunstrume schaffen, sondern mit knstlerischen Mitteln auch auf vorhandene Rume reagieren (vgl. Kirschenmann / Schulz 2004, S. 96 ff.). berblickt man diesbezglich die installativen Formen der modernen Kunst, so zeigt sich schnell, dass diese hchst differenziert in Erscheinung treten. Es ist ein Verdienst des griechischen Kurators und Kunstwissenschaftlers Sotirios Bahtsetzis, erstmals die Spezifik und Geschichte der Installationskunst in ihren differenzierten Erscheinungsformen dargestellt zu haben (2006). Dabei hebt er neben vielen anderen Formen auch den Demonstrationsraum hervor, der in der bisherigen Kunstrezeption so gut wie keine Beachtung fand. Er be-zieht sich hier auf den russischen konstruktivistischen Knstler El Lissitzky, der als Vater einer demonstrativen Raumkunst gelten kann. Lissitzky entwickelt sie im Zusam-menhang mit der Prsentation seiner PROUN genannten und aus abstrakten Form- und Farbelementen bestehenden Gemlde (Proun = Wortschpfung aus abgekrzten Wrtern

    und bersetzbar mit Fr die Bejahung neuer Formen in der Kunst, vgl. Lissitzky-Kppers 1976, S. 348 ff.). Hier prsentiert er seine Bilder nicht in konventioneller Hn-gung, sondern in Bezug auf den Raum anders gesagt, der Raum wird zur Fortfhrung seiner Bilder.Zugleich bringt Lissitzky quasi seine als Konzept bzw. Theorie vertretenen Positionen zur Anschauung (zur Vor-fhrung) (vgl. Bahtsetzis 2006, S. 157). Sein Raum lsst sich also nicht auf einen Ausstellungsraum reduzieren. Lissitzky selbst spricht ausdrcklich von einem Ausstellungs-Schau-Raum, fr mich also Demonstrationsraum (in: Lissitzky-Kppers 1976, S. 365). Bahtsetzis sieht darin vor allem, dass die bildimmanente Thematik um die Art der Prsentati-on erweitert wird und somit die frhe Vorwegnahme dessen ist, was sich spter zur ganz eigenstndigen Kunstform der Installation entwickelt (Bathsetzis 2006, S. 158). Man kann aber gerade in Lissitzkys Demonstrationsrumen auch eine spezifische Synthese von knstlerisch-praktischen und reflexiv-theoretischen Ergebnissen seiner Arbeit sehen: Er fhrt sein knstlerisch-praktisches Handeln ebenso vor wie sein (kunst-)theoretisches Denken offen fr die aktive Prsenz der Ausstellungs-, besser der Vorfhrungsbesucher. Am Institut fr Kunstpdagogik der Universitt Leipzig haben derartige Demonstrationsrume im Rahmen anschau-lich vermittelter Kunsttheorie z. B. erfahr- und erlebbar gemachte Aspekte der knstlerischen Produktion wie Dar-stellung, Komposition, Proportion und Bewegung ebenso eine Tradition wie in Verbindung mit konzeptueller und kontextueller knstlerischer Praxis. Auch Farbe kann dabei zum eindrucksvollen Demonstrati-onsmittel werden. Prof. Dr. frank Schulz

    demonStrAtionSrume

  • iCH SeHe iCH Hre SPAziergAng durCH erinnerungen der neuStAdtklara binnewitt, martha kiesow, Juliane trinks

    Ein Audio-Video-Rundgang, der das Wesen eines Ortes erfahr-bar macht und gleichzeitig das Abhngigkeitsverhltnis zwi-schen Erinnerung und Raum thematisiert. Die Besucher_innenlaufen einen ber ein videofhiges Abspielgert vorgegebenenWeg entlang. Das Video auf dem Gert zeigt die gleichen Orte,an denen sich auch der Besucher oder die Besucherin whrenddes Spaziergangs befindet also Abbilder grundstzlicherphysischer bereinstimmung. Allerdings wird der Situation im Gert eine andere zeitliche Di-mension zugefgt, da der Betrachter oder die Betrachterin mit vorab filmisch festgehaltenen alltglichen Szenen konfrontiert wird, die den Jetztzustand berlagern. Zustzlich sind ber Kopfhrer Eindrcke und Erinnerungen der Stadtteilbewoh-ner_innen auditiv erlebbar. Eine Stimme aus dem Off begleitet die Teilnehmenden ber die Route, ohne dabei Faktenwissen im Stil einer Sight-Seeing-Tour zuvermitteln. Der Audio-Video-Rundgang beschf-tigt sich nicht mit rckwrtsgewandter und bewahrender Erinnerungsarbeit,sondern mit der Frage, wie der Blick zurck den Blick nach vorn bestimmt.

  • Das Wort Denkmal vereint in sich das denken an jemanden sowieden Wunsch ein Mal zu hinterlassen. Ehren und Mahnenvereinen sich hufig im Verlangen ein einmaliges Monumentdes Erinnerns zu erschaffen und kreieren nicht selten autoritreAbbilder einer Diktatur, eines nationalen Gedankengutes sowieden Wunsch eine vlkische Geschichte zu schreiben, die bis datonoch gar nicht existiert. Wie es aussieht versammelt Denk- undMahnmler herrschaftlichen Ausmaes und stellt sie modernenFormen der Denkmalkultur entgegen. Dazwischen mogeln sichimmer wieder absurd fiktive Formen ob all diese F

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