Allianz Demographic Pulse: Demenz

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Sollte in den nchsten Jahren keine Heilungsmglichkeit gefunden werden, wird die Zahl der Demenzkranken infolge der steigenden Lebenserwartung weiter zunehmen. Die Welt-Alzheimer-Gesellschaft geht davon aus, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 mehr als verdreifachen wird.

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  • 1.Foto: iStockphoto.com / Kondoros va Katalina Ausgabe #Allianz SEwww.allianz.com 7Allianz DezemberDemographic Pulse 2011Ein Leben ohne Erinnerungen Herausforderung DemenzSollte in den nchsten Jahren keine Heilungsmglichkeit gefunden werden, wird die Zahl der Demenzkrankeninfolge der steigenden Lebenserwartung weiter zunehmen. Die Welt-Alzheimer-Gesellschaft geht davon aus,dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 mehr als verdreifachen wird und weltweit auf ber115 Millionen ansteigt. Zum Vergleich: 115 Millionen Menschen das entsprche in etwa der heutigen Bevl-kerung von Spanien und Frankreich zusammengenommen!Anzahl Demenzkranker weltweit115 Millionen 35 Millionen2011 2050 Heute und Prognose fr das Jahr 2050Quellen: Allianz / UN Population Division, Alzheimers Disease International Allianz Demographic Pulse Ausgabe # 7Dezember 2011Seite 1

2. Demenz: eine weltweite Herausforderung Asien und Europa am strksten betroffenFoto: iStockphoto.com / Diane Diederich50 2020 50 201560555045 10 20104035302550205 501020 202015 5010 502020 1020 10 1010 5 102020 5 20 AfrikaNordamerikaLateinamerikaEuropaAsienEuropa Entwicklung der Zahl der an Demenz Erkrankten bis 2050 (in Millionen)Quelle: Allianz / Alzheimers Disease InternationalDie meisten Demenzkranken in Entwicklungs- und Pflege; lediglich 16 % aller Kosten werden von rein medizinischenSchwellenlndern Leistungen verursacht. Und dies obwohl der Groteil aller Demenz- kranken, mehr als 70 %, in der Regel von Angehrigen zu HauseGegenwrtig leiden nach Schtzungen der Welt-Alzheimer-Gesell- gepflegt wird.6schaft rund 36 Millionen Menschen an Demenz. Die meisten davonleben in Entwicklungs- und Schwellenlndern. Bis Mitte des Jahr-hunderts drfte sich die Zahl mehr als verdreifachen. Allein in AsienHohe Pflegekosten fr die Angehrigendrften im Jahre 2050 knapp 61 Millionen Menschen von Demenzbetroffen sein und in China drfte es dann mehr Demenzkranke In westlichen Industrielndern knnen die Kosten fr die Pflege einesgeben als in allen Industrielndern zusammen.1 In Europa wird sich Demenzkranken daher leicht ein jhrliches Durchschnittseinkom-die Zahl bis Mitte des Jahrhunderts von heute rund 10 Millionen aufmen bersteigen. So hat die Alzheimer-Gesellschaft in Grobritan-dann knapp 19 Millionen Menschen nahezu verdoppeln;2 davon nien berechnet, dass sich die volkswirtschaftlichen Kosten fr diedrften schtzungsweise 15 Millionen in der Europischen Unionleben. In Deutschland wird mit einem Anstieg von derzeit rund 1,3Millionen auf 2,6 Millionen gerechnet.3 Die Welt-Alzheimer-Gesellschaft geht davon aus, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum JahrDie volkswirtschaftlichen Kosten von Demenz sind bereits heute 2050 auf weltweit ber 115 Millionen erhhen undgewaltig: Die Welt-Alzheimer-Gesellschaft geht davon aus, dass sie damit mehr als verdreifachen wird.sich im Jahre 2010 auf umgerechnet 450 Milliarden EUR summierthaben.4 In die Berechnung flossen nicht nur die Kosten fr formalePflege, sondern auch die Opportunittskosten im Fall von informeller Pflege eines Demenzkranken pro Jahr auf umgerechnet 32.265 EURPflege durch Angehrige unter Annahme der in den einzelnen Ln-belaufen; das Durchschnittseinkommen lag bei 28.825 EUR.7 Frdern ausgewiesenen Durchschnittslhne mit ein.5 Dabei entfallendie Schweiz beziffert die Schweizerische Alzheimervereinigung dieweltweit gegenwrtig jeweils rund 42 % auf formale und informelledurchschnittlichen Kosten fr die Pflege eines Demenzkranken auf 42.500 EUR, wobei es zu bercksichtigen gilt, dass die Kosten im Ein-1 Vgl. Qiu (2007), S. 582. zelfall vom Schweregrad der Erkrankung abhngen. Im fortgeschrit-2 Vgl. Alzheimers Disease International (2010): World Alzheimer Report 2010. The Global Economic Impactof Dementia, S. 15.3 Eigene Hochrechnung auf Basis der UN-Daten unter der Annahme, dass der Anteil der in einer Altersgrup-pe von Demenz Betroffenen konstant bleibt und weiterhin keine Heilungsmglichkeit besteht. Vgl. UN 6Vgl. ADI (2011), S. 18. Die Alzheimers Association schtzt, dass im Jahr 2010 rund 15 Millionen AngehrigePopulation Division, World Population Prospects, 2010 Revision und Alzheimer Europe.und freiwillige, unbezahlte Helfer insgesamt 17 Milliarden Stunden fr die Betreuung und Pflege Demenz-4 Vgl. ADI (2011), S. 5.kranker aufgebracht haben.5 Vgl. ADI (2011), S. 19.7Vgl. Alzheimers Research UK, Dementia Statistics, S. 3. Allianz Demographic Pulse Ausgabe # 7 Dezember 2011Seite 2 3. Heute bereits kommen zwei Demenzkranke auf 100 Arbeitskrfte Zahl an55 Demenz Erkrankter pro 100 Personenim erwerbsfhigen Alter (Europische Union)4433Fotos: iStockphoto.com / Eric Hood (links) & Dean Mitchell (rechts)22112011202020302040 2050 Die Relation zwischen Demenzerkrankten und Personen im erwerbsfhigen Alter verschlechtert sichQuellen: Allianz / UN Population Division, Alzheimers Disease Internationaltenen Stadium knnen sie laut Schweizer Berechnungen auf bis zuin der Regel Ehepartner, Tchter oder Schwiegertchter, kommen je-93.000 EUR ansteigen, wenn die erkrankte Person zu Hause lebt.8doch genau aus diesen Bevlkerungsgruppen. Angesichts sinkenderDie Kosten fr formale Pflege sind allerdings deutlich hher: Laut derRentenniveaus und hherer gesetzlicher Rentenalter sowie steigen-Wiener Gebietskrankenkasse steigen sie im Fall der Unterbringungder Anforderungen an die berufliche Mobilitt drfte die Entschei-im Pflegeheim auf das Vierfache.9 dung, aus dem Berufsleben vorzeitig auszuscheiden, um sich derPflege eines demenzkranken Angehrigen zu widmen, knftig vielenschwererfallen. Damit drfte der Anteil der Personen, die aus demIm Jahre 2050 kommen auf 100 Personen im familiren Umfeld als informelle Pflegekrfte zur Verfgung stehen, erwerbsfhigen Alter fnf Demenzkranke. abnehmen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht nur in den euro-pischen Lndern zu beobachten, sondern auch in den asiatischenSchwellenlndern. Dies gilt insbesondere fr China, wo sich durchInfolge des demografischen Wandels drfte knftig insbesondere in die Ein-Kind-Politik das Verhltnis von Personen im erwerbsfhigenEuropa die Zahl der Demenzkranken, die auf formale Pflege ange- Alter und ber-60-Jhrigen in den nchsten Jahrzehnten deutlichwiesen sein werden, deutlich zunehmen. Aufgrund der steigendenverschlechtern wird.Lebenserwartung einerseits und des Rckgangs der Geburtenratenandererseits drften Mitte des Jahrhunderts auf 100 Personen im Al-ter zwischen 15 und 64 Jahren fnf Demenzkranke kommen, heute Verbesserungen in der Zukunft?beluft sich das Verhltnis lediglich auf zwei zu hundert.Deshalb konzentriert sich die Forschung inzwischen verstrkt aufDenn whrend sich die Zahl der von Demenz Betroffenen infolge die Frage, wie man die Betreuung und Pflege Demenzkranker ver-der zunehmenden Alterung der Gesellschaft in der Europischen bessert. Dabei gilt es nicht nur, die Ablufe in der formalen PflegeUnion nahezu verdoppeln drfte, wird die Anzahl der Personen im den Bedrfnissen Demenzkranker anzupassen, wodurch nicht zu-erwerbsfhigen Alter deutlich zurckgehen. Dieser Rckgang soll letzt der Einsatz von und die Kosten fr Psychopharmaka reduziertzum Teil nicht nur durch eine strkere Einbindung von Frauen in den werden knnen.10 Vielmehr steht der mglichst lange Erhalt derArbeitsmarkt, sondern auch durch die Steigerung der Erwerbsquotenin hheren Altern abgefedert werden. Die pflegenden Angehrigen,10 So hat sich die Einrichtung speziell auf die Bedrfnisse Demenzkranker ausgerichteter Pflegeheime be- whrt. Aufgrund ihrer zunehmenden rumlichen und zeitlichen Orientierungslosigkeit knnen die Belange Demenzkranker hufig nur schwer in straffe Tagesablufe normaler Pflegeeinrichtungen integriert8 Berlin-Institut fr Bevlkerung und Entwicklung (2011), S. 52. werden. Untersuchungen haben ergeben, dass sowohl auf Seiten der Demenzkranken als auch auf Seiten9 In sterreich belaufen sich die durchschnittlichen Kosten bei Hauspflege pro Patient offiziellen Angaben des Pflegepersonals das Wohlbefinden steigt, wenn der Tagesablauf hingegen individuell angepasst wer-zufolge auf rund 11.000 EUR. Ingesamt belaufen sie sich auf 1,6 Milliarden EUR; bis zum Jahr 2050 drftenden kann. So wurde z. B. in Shanghai ein nach niederlndischem Vorbild ausschlielich auf Demenzkrankesich die Gesundheits- und Pflegekosten fr Demenzkranke auf 4,6 Milliarden EUR pro Jahr verdreifachen. spezialisiertes Pflegeheim erffnet. Vgl. z. B. Government of China (2006), Belluck (2010) oder MinkmannVgl. Wiener Gebietskrankenkasse (2011).et al. (2009).Allianz Demographic Pulse Ausgabe # 7 Dezember 2011 Seite 3 4. Eigenstndigkeit Demenzkranker im Vordergrund. Dazu zhlen nichtGibt es Risikofaktoren?nur die Untersttzung pflegender Angehriger durch eine bessereVernetzung der medizinischen Versorgung sowie bereits bestehender Zu den Risikofaktoren zhlen Rauchen, bergewicht, Bluthochdruck,Pflegeangebote. Der Ausbau von Tagespflegeeinrichtungen sowie Diabetes und Depressionen; Hauptrisikofaktor ist allerdings das Alter.alternative Pflege- und Wohnformen, wie betreute Wohngemein-Je lter man wird, desto hher ist das Risiko, an Demenz zu erkran-schaften von Demenzkranken, gewinnen ebenfalls an Bedeutung.ken: ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt es sich alle fnf Jahre. ImAlter zwischen 60 und 65 leiden rund 1,6 % aller Mnner und 0,5 %Ein weiterer Baustein ist die Verbesserung der frhzeitigen Diagnose- aller Frauen an einer Form der Demenz, bei den 70- bis 74-Jhrigenmglichkeiten. Dies mag angesichts der Tatsache, dass es bislang kei- sind es 4,6 % bzw. 3,9 %, bei den 80- bis 84-Jhrigen bereits 12,1 %ne Heilungsmglichkeiten gibt, sondern nur die Symptome behandelt bzw. 13,5 % und bei den ber-90-Jhrigen leidet mindestens jederwerden knnen, widersinnig erscheinen. Doch eine frhzeitige Dia- Dritte an Demenz.14 Die Prvalenz, d. h. die Verbreitung der Krank-gnose ermglicht es den Betroffenen nicht nur, sich umfassend berheit in den verschiedenen Altersgruppen, blieb vorliegenden DatenBetreuungs- und Pflegemglichkeiten zu informieren, notwendi